Rote Post #85

Posted: August 6th, 2026 | Author: | Filed under: Rote Post | Kommentare deaktiviert für Rote Post #85

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Kultur

Kleinbürgerliche Obszönitäten

Melina Gaby Strauß, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen „Ikkimel“ ist eine deutsche Rapperin aus Berlin, die es in den letzten Jahren zu einiger Bekanntheit gebracht hat, insbesondere in den sozialen Medien. Sie studierte Deutscher Philologie und Sozial- und Kulturanthropologie an der FU Berlin. Im Jahr 2021 gelang es ihr, eine Förderung der Initiative Musik zu erlangen. Sie veröffentlichte ihre ersten Singles vor etwas mehr als zwei Jahren. Im Mai 2023 veröffentlichte sie „Aszendent Bitch“. Seit 2023 steht sie bei „Four Music“ von Sony unter Vertrag. Damals debütierte sie mit „Keta und Krawall“. Die Single erreichte immerhin Platz 89 in den deutschen Charts.

Ihre Musik ist Hyperpop und Jersey-Club entlehnt, dazu gibt’s chaotisch zerschnippelte House- und Trance-Samples und obendrauf Melodien, die sich sehr leicht einprägen und umso schneller mitgröhlen lassen.

Kleinbürgerliche Musikmagazine feiern die „ultra unterhaltsamen Texte“, „die einem ein Lachen im Gesicht aufzwingen“. Einige gehen sogar noch weiter und meinen zu erkennen, dass Ikkimel mit ihren Obszönitäten etwas progressives ausdrückt: „Sie eignet sie sich an und entfaltet in ihr ein Selbstbewusstsein, das nicht nur auf Hörer:innen überspringt, sondern zudem denjenigen einen Spiegel vorhält, die diese Sprache eben nicht so reflektiert gebrauchen wie Ikkimel.“

Tatsächlich sind ihre provozierenden, ziemlich vulgären Texte hauptsächlich auf Partys, Drogen und Sex fokussiert. Das kleinbürgerlichen Intellektuellen bei ihren manchmal durchaus gelungen Wortspielen ganz warm wird, ist wenig überraschend, jedoch sollte man sich davor hüten Ikkimels „Fotzenstyle“ als etwas Fortschrittliches zu verkaufen. Das ist es nicht.

Auf die Frage nach einer Message antwortet Ikkimel: „Geht auf jeden Fall so viel feiern wie ihr wollt. Lasst euch nichts sagen.“ Darum geht es ihr.

“Ikkimel ist voll Berlin”, wie es in einem Artikel über die Rapperin heißt, und dass ist nicht von der Hand zu weisen: Das KitKat ist ein Berliner Fetisch-Club mit einem ziemlich üblen Ruf, zumindest unter der normalen Berliner Bevölkerung – und das bedeutet schon einiges. Ikkimel war Geschichten zu folge dort das allererste Mal in einem Club, und das als Minderjährige. Irgendwie scheint sie das geprägt zu haben. Man sollte in Anbetracht des hedonistischen Molochs, welcher Berlin ist, nicht einseitig werden, aber Ikkimel gehört sicherlich nicht zu dem worauf sich progressive Kultur basieren sollte.

Was bei Reyhan Şahin, Lady Bitch Ray, vor zwanzig Jahren noch unterhaltsam war – und man kann Frau Şahin ihr fortschrittliches Engagement bestimmt nicht absprechen -, war schon bei Shirin David ziemlich fade. „Fotzenstyle“ ist heute nur ein weiterer bedauerlicher Tiefpunkt.


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