Rote Post #89

Posted: August 6th, 2026 | Author: | Filed under: Rote Post | Kommentare deaktiviert für Rote Post #89

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Frauen

Heidi Reichinnek – Eine linksradikale Ikone?

Die Linkspartei galt kürzlich noch als bedeutungslos, hatte politisch (zumindestens auf Bundesebene) keine Relevanz mehr und nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und dem BSW fehlte es ihr an charismatischen Personen, die als Aushängeschild der Partei dienten. Dies änderte sich, als klar wurde, dass es im Frühjahr 2025 zu Neuwahlen kommen würde. Ab da konnte man auf den Sozialen Medien, die viele Millionen von Menschen täglich nutzen, besonders einer Frau nicht mehr entkommen: Heidi Reichinnek.

Schnelle Polit-Karriere

Mit ihren 37 Jahren ist die in Sachsen-Anhalt geborene und aufgewachsene Reichinnek bedeutend jünger als viele andere Politiker des Bundestages. Sie studierte Nah-Ost-Studien und Politikwissenschaften. Danach arbeitete sie bis zu ihrem Einzug in den Bundestag 2021 in verschiedenen Bereichen der Sozial-/Jugendhilfe. Ihre bekannte politische Karriere begann 2015 mit dem Eintritt in die Linkspartei und deren Jugensorganisation „Linksjugend.solid“, es folgten verschiedene Ämter.

2021 kam Reichinnek in den Bundestag und war dort Teil von Kommissionen und Ausschüssen für verschiedene soziale und ökologische Belange. Heute ist sie Fraktionsvorsitzende der bürgerlichen Partei „Die Linke“. Neben ihren offiziellen Posten ist sie allerdings vor allem eins: Das Aushängeschild einer Linkspartei, die jünger, cooler, weiblicher und vor allem linksradikaler als je zuvor ist bzw. als solche ausgibt.

TikTok gegen das „Establishment“

Ausschlaggebend für das neue Image der Linkspartei, die vorher mit der „Mission Silberlocke“ der Parteigreise Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch verzweifelt versuchte, die Wählerstimmen für sich zu gewinnen, ist vor allem der Erfolg und die Popularität von Heidi Reichinnek.

Mit Reichinnek gelang der Linkspartei dieser Sprung aus der Bedeutungslosigkeit scheinbar über Nacht. Ihre sogenannte „Brandmauer-Rede“ ging über Nacht viral, erreichte allein auf TikTok über sechs Millionen Klicks. Eine Rede, die sie im Bundestag hielt, als die CDU mithilfe von FDP und der AfD das Migrationsrecht verschärfen wollte und deren „Zusammenarbeit“ sie anprangerte. Die CDU und v.a. Friedrich Merz hätten die Stimmen der AfD gesucht und damit eine (demokratische) Brandmauer – die freilich nicht existiert – eingerissen.

Heidi Reichinnek wurde damit zur „TikTok-Queen“, wie sie von einigen bürgerlichen Medien genannt wurde und gehört heute zu den bürgerlichen Politikern in der BRD mit den meisten Followern in den Sozialen Medien. Damit verhalf sie der Linkspartei zu einem Rekordanstieg ihrer Neu-Mitglieder, vor allem junger Menschen, und Umfragewerten, die einen Einzug in den Bundestag möglich machten.

Der Erfolg der Linkspartei – ein Spiel mit den Sorgen der Menschen

Heidi Reichinnek und die Linkspartei wissen, wie sie Wählerstimmen, vor allem der jungen Menschen bekommen können: Während die Krise des deutschen Imperialismus sich verschärft, geht es vielen Menschen immer schlechter.

Die Mietkosten wuchern, die Lebensmittelkosten steigen und eine starke Reaktionarisierung der Gesellschaft schreitet weiter voran – u.a. die immer stärker auftretende Zensur, Stigmatisierung von Opposition, die Reform des Migrationsrecht, staatliche Gewalt gegen Demonstrationen, etc.

Dazu der drohende „soziale Abstieg“ vieler, denen es vor einigen Jahren noch ganz gut ging innerhalb diesem Systems, vor allem Teilen der Kleinbourgeoisie und die mittleren Schichten des Proletariats: Das ist das Wahlklientel der Linkspartei.

Die Partei „Die Linke“ versteht es die wachsende Unzufriedenheit mit den anderen bürgerlichen Parteien und sogar die Opposition gegen den deutschen Imperialismus als solchen, die in Teilen der Bevölkerung besteht, zu kanalisieren.

Ihre Galionsfiguren, allen voran Heidi Reichinnek, geben den Menschen dem Schein nach, genau das, was sie haben wollen. Durch einen „bürgernahen“ Wahlkampf, bei dem die Linkspartei in ganz Deutschland mit den Menschen an ihrer Haustür sprach, sammelten sie die Themen für ihren Wahlkampf, v.a. die zu hohen Mieten, zu hohe Lebensmittelkosten und die Forderung nach einem höheren Mindestlohn.

Hilfe bei zu hohen Heizkosten kann man sich auch auf der Website der Linkspartei holen. Eine höhere Besteuerung von Milliardären sogar bis hin zu ihrer Abschaffung wird gefordert, da diese die „Demokratie“ gefährdeten, man blicke nur das Beispiel des Apartheid-Profiteurs und mittlerweile geschassten „best buddy“ von Präsident Trump, Elon Musk.

Dazu kommen Statements von Reichinnek, wie solche, dass man den Kapitalismus überwinden wolle, denn das könne man laut dem Grundgesetz – behauptet die Linkspartei. Laute „Alerta, Alerta, Antifascista!“-Rufe beim Einzug in den Bundestag. Das alles aufgemacht in ansprechenden Videos auf den sozialen Medien von TikTok, über Instagram bis hin zu YouTube.

Zwischen „Auf die Barrikaden“ und „Tax the rich“

Die Linkspartei und besonders Heidi Reichinnik verbreiten den Eindruck, dass sie es ernst meinen mit ihrem Antifaschismus und Anti-Kapitalismus, wenn sie ihre „Brandmauer-Rede“ mit „Auf die Barrikaden“ schließt und es immer wieder darum geht, Reichen das Geld wegzunehmen und es den Armen zu geben.

Das scheinen teilweise radikale Forderungen zu sein, die die Linkspartei da in ihrer Propaganda unters Volk bringen will. Genau diese Radikalität, wenn sie auch nur heuchlerisch vorgetäuscht ist, trifft genau den Nerv vieler junger Menschen, die ernsthaft den Faschismus ablehnen und in Opposition zum System als ganzem geraten sind.

Mit dieser Wut und teilweise auch der Angst der jungen Menschen spielt die Linkspartei. Sie gibt zu verstehen, dass sie die einzige Kraft sei, die sich den Faschisten in den Weg stellen könnte. Die Linkspartei sei die „Antifa-Partei“, wird vorgetäuscht.

Die Linkspartei sei die einzige Kraft, die sich fest auf der Seite der „kleinen Leute“ sehe und ihre Interessen vertrete. All das vor allem durch parlamentarischen „Kampf“, welcher natürlicherweise als alternativlos verkauft wurde.

Es hieß nicht mehr, dass man wenigstens irgendwas wählen sollte, sondern ganz konkret die Linke, um die AfD bei der Wahl zu schwächen. Die „linksradikale“ Verpackung, die die Linkspartei für sich wählte, funktionierte und bescherte ihr ein Wahlergebnis von fast 9%.

Die Linkspartei behält dieses Image bei, allen voran ihr TikTok-Testimonial Heide Reichinnek. Zwischen Informationsvideos finden sich auch immer wieder Videos, unterlegt mit dem alten italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ oder dem polnischen Arbeiterlied „Warschawjanka“, zu dem Reichinnik nicht aus Zufall eine Referenz in ihrer „Brandmauer-Rede“ gemacht hat.

Klingt nach Klassenkampf?

Stärkung der Diktatur der Bourgeoisie statt Klassenkampf

Die Linkspartei ist eher eine kleine Partei, die bis auf einige wenige Ausnahmen keine besonderen Ämter inne hat – so zumindest die bundesdeutsche Wahrnehmung. Ihre strukturelle Verankerung im Osten Deutschlands, als Nach-Nachfolgeorganisation der revisionistischen SED, hat sie dort immer wieder in Regierungen geführt, teilweise haben sie diese sogar angeführt. Sie waren Teil der Deutschlandweiten Einheitsregierung (über ihre Beteiligung im Bundesrat) aller relevanter bürgerlicher Parteien – (noch) mit Ausnahme der AfD.

Doch war die Linkspartei in ihrer Außendarstellung immer darauf bedacht, selbst wenn sie den Ministerpräsidenten stellte und in ihrer Praxis keinen Deut von Opposition zu finden war, ihr Image als Opposition aufrecht zu erhalten.

Heute stellen sie keinen Ministerpräsidenten mehr und das macht sie zu einer Oppositionspartei, die – da sie sowieso nichts großes bewegen kann – so ziemlich alles sagen kann, was sie will.

Selbst, wenn Heidi Reichinnik sagt, dass sie den Kapitalismus stürzen und Millionäre enteignen will, dann darf sie das, ohne verboten zu werden. Warum? Weil die Linkspartei einen wichtigen Zweck erfüllt, wie die letzte Bundestagswahl deutlich gezeigt hat:

Sie holt Menschen, die in Opposition zu dem herrschenden System sind zurück in die Reihen der bürgerlichen Demokratie. Sie lenkt die gerechtfertigte Wut der Massen und heute besonders der jungen Massen in geregelte Bahnen, die vom bürgerlichen Staat kontrollierbar sind.

Es ist deutlich, dass diese Massen nicht mehr still schweigen wollen. Beispiele wie die Kämpfe der jungen Menschen mit der Polizei bei Palästina-Demonstrationen, genauso wie die Konfrontation des deutschen Staats und seiner Medien mit russischen Menschen seit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine, die großen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und die Repression gegen weite Teile der Muslime, wie die Schließung der blauen Moschee, zeigen das ganz deutlich.

Die Organisierung in einer bürgerlichen Partei, die zwar verbal-radikal von Klassen und einem „demokratischen Sozialismus“ redet, diesen aber innerhalb der bestehenden Strukturen errichten will, wird nicht zu einem irgendwie relevanten Wandel und schon gar nicht zum erhofften Sieg der Arbeiterklasse führen.

Das hat die Geschichte mehr als einmal eindrucksvoll bewiesen. Die Klasse, die an der Macht ist, die Bourgeoisie, wird ihre Macht nicht aus den Händen geben, nur weil eine Partei im Bundestag, den die Bourgeoisie übrigens geschaffen hat, ein paar mehr Sitze hat.

Die gerechtfertigte Wut muss organisiert werden, aber in einer Organisation, die den bürgerlichen Wahlvereinen den Kampf ansagt und voll und ganz im Interesse der Ausgebeuteten und Unterdrückten kämpft und eine Revolution und damit den Sturz der Bourgeoisie erreichen wird.

Heidi Reichinnek sowie alle anderen führenden Persönlichkeiten der Linkspartei gaukeln mit ihrer Verbalradikalität Rebellion vor, aber sammeln in Wahrheit die (zurecht!) vom Wege der bürgerlich demokratischen Grundordnung abgekommenen Menschen ein.

Damit verdreht Heidi Reichinnek genau das, was sie als Schriftzug neben dem Rosa Luxemburg-Tattoo auf dem Arm als Zitat ebendieser stehen hat: „Eure ‚Ordnung‘ ist auf Sand gebaut.“

Die Genossin Rosa Luxemburg, eine der Gründer der Kommunistischen Partei Deutschlands, die für ihren Kampf von der deutschen Reaktion ermordet wurde, hatte zutiefst Recht.

Das aber, was Heidi Reichinnek zusammen mit ihrer Partei fabriziert, ist der Versuch aus Sand Stahlbeton im Fundament der bürgerlichen Ordnung zu schaffen. Freilich eine Unmöglichkeit.

Statt Heidi Reichinnek oder anderen Apologeten des deutschen Imperialismus zu folgen, sollten wir dem Beispiel von Rosa Luxemburg folgen.

Rosa Luxemburg kämpfte unermüdlich. Sie schuf die große Kommunistische Partei Deutschlands mit. Sie entsprach der Notwendig bis zu ihrer Ermordung durch die Bourgeoisie, für die Organisierung der Arbeiterklasse unter der Kommunistischen Partei Deutschlands und für die Revolution kämpfte.

Rosa Luxemburg war ein Adler. Heidi Reichinnek ist eine Demagogin im Dienste des Kapitals.


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