Rote Post #94
Posted: August 6th, 2026 | Author: rotepresse | Filed under: Rote Post | Kommentare deaktiviert für Rote Post #94
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Für eine Klassenlinie in der Frauenfrage:
Gründung der Roten Frauenbewegung – Deutschland
Am 15. Februar diesen Jahres veröffentlichte die Rote Frauenbewegung – Deutschland ihre Gründung. Damit gibt es endlich eine bundesweit agierende Organisation für klassenbewusste Frauen, die den Kampf gegen den Imperialismus und das Patriarchat führen wollen und dazu die weiblichen Massen der Arbeiterklasse und des Volkes politisieren, mobilisieren und organisieren wollen. Dies gab uns die Inspiration für den folgenden Artikel.
Entstehung des Patriarchats
Patriarchat bedeutet wörtlich übersetzt soviel wie „Herrschaft der Väter“ und zeigt die übergeordnete Rolle des Vaters, und damit des Mannes, in der Familie und im Staat und damit auch in allen gesellschaftlichen Sphären auf. Bevor das Patriarchat existierte, existierte das Matriarchat, also die „Herrschaft der Mütter“.
Frauen hatten zu dieser Zeit eine sehr gehobene Stelle in der Gesellschaft. Zu dieser Zeit gab es die Familie, so wie wir sie kennen, noch nicht und die Menschen lebten in großen Gruppen, den Gens, zusammen. Zu dieser Zeit besaßen die Menschen noch nicht viel, was sie an ihre Kinder weiter vererben konnten. Mit dem Wandel der Lebensweise der Menschheit, z.b. durch die Metallverarbeitung und Viehzucht, wurde immer mehr Privateigentum angehäuft. Durch die Aufgabenverteilung gehörte das meiste davon dem Mann und dieser wollte es an seine Kinder weiter vererben und es wurde das vorher geltenden Erbrecht der Mutter umgestoßen.
Die Stellung der Frau änderte sich schlagartig mit der Entstehung des Privateigentums, sie war nun nicht mehr viel mehr als ein Werkzeug zur Kinderzeugung und verlor jegliches Ansehen. Gleichzeitig entstanden Klassen von Menschen, solche die Privateigentum besaßen und solche, die es nicht besaßen und ihre Arbeitskraft verkaufen mussten.
Das System der Klassengesellschaft existiert bis heute und damit auch das Patriarchat. Heute im Kapitalismus, in seiner letzten und höchsten Stufe dem Imperialismus, wird die Frau der Arbeiterklasse und des Volkes immer noch durch die besitzende Klasse, der Bourgeoisie, und ihr imperialistisches System ausgebeutet und unterdrückt, aber eben auch noch durch das Patriarchat.
Natürlich hatte das Patriarchat zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Ausdrücke, aber wirklich weg war es nie und betraf, in unterschiedlichem Ausmaße alle Frauen. Das hat auch mit der verbreiteten Pseudo-Theorie der „minderwertigen weiblichen Natur“ zu tun, die ideologisch das Patriarchat rechtfertigt und stützt und die innerhalb aller Klassengesellschaften existiert.
Verschiedene feministische Strömungen
Da sowohl die Frauen der Bourgeoisie als auch der Arbeiterklasse und des Volkes vom Patriarchat in unterschiedlichem Ausmaß betroffen sind, wollen sie sich natürlich alle davon befreien. Das sollte aber nicht zu einem prinzipienlosen Frieden zwischen „allen Frauen“ verklärt werden. Wir können z.B. bei dem bürgerlichen Feminismus sehen, dass es hier darum geht, genauso Ausbeuterin zu werden, wie die Männer der Bourgeoisie es sind. Ein Vorbild wäre da z.B. Ursula von der Leyen, die als direkte Vertreterin des deutschen Imperialismus an der Spitze der EU steht. Sie hat es „geschafft“, dennoch wird ihre Kompetenz wie häufig bei bürgerlichen Politikerinnen in Frage gestellt und sie wird stattdessen auf ihr Frau-Sein und Aussehen reduziert. Für sie ist das Patriarchat vor allem ein Problem der Ideen, denn von dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, der Grundlage für Ausbeutung und Unterdrückung, profitieren die Frauen der Bourgeoisie.
Auch das Kleinbürgertum hat seinen eigenen Standpunkt zur Frauenfrage, der jedoch mal mehr mal weniger radikal daher kommt. Häufig wird der Kapitalismus als eines der Grundlagenprobleme des Patriarchats erkannt, aber aufgrund des weit verbreiteten Idealismus, der davon ausgeht, dass das Patriarchat hauptsächlich ein Problem der Ideen ist, wird das Patriarchat mehr zu einem Problem der Ideen der Männer und somit einem Geschlechterkampf als einem revolutionären Kampf.
Für die proletarischen Feministinnen steht die gemeinsame Grundlage der Unterdrückung und Ausbeutung durch den Imperialismus und das Patriarchat im Vordergrund. Die Kommunistische Partei Perus schreibt dazu:
„Die Stellung der Frau stützt sich auf die Eigentumsverhältnisse, auf die Formen des Eigentums, die über die Produktionsmittel ausgeübt werden und auf die Produktionsverhältnisse, die daraus hervorgehen. Diese These des Marxismus ist von entscheidender Bedeutung, denn sie legt fest, dass die Unterdrückung der Frau ihre Ursache in der Herausbildung, der Durchsetzung und der Entwicklung des Rechtes auf Privateigentum an den Produktionsmitteln hat und daher ihre Emanzipation mit der Zerstörung dieses Rechtes verbunden ist.“ (KPP, Der Marxismus, Mariátegui und die Frauenbewegung, 1975)
Durch die Anerkennung, dass das Patriarchat nicht nur bloße Ideen sind, sondern eine materielle Grundlage hat, wird der Kampf dagegen konkret und es zeigt sich, dass der Kampf gegen das Patriarchat vor allem ein Kampf gegen den Imperialismus ist. Der Kampf ist also keiner der Geschlechter, sondern der Klassen.
Das ist eine Tatsache, die sich auch schon im Namen der Roten Frauenbewegung – Deutschland reflektiert: Rot ist gemeinhin als Farbe der Arbeiterklasse bekannt und wird auch von den Aktivisten und Aktivistinnen in proletarischen Organisationen benutzt. Somit wird deutlich, dass es sich um eine Organisation der Arbeiterklasse und des Volkes handelt, die für eine klassenlose Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung kämpft, was notwendigerweise die Abschaffung des Privateigentums bedeutet. Gleichzeitig ist aber auch ein Kampf gegen die falschen patriarchalen Ideen der Bourgeoisie notwendig, die alle Menschen in den bürgerlichen Gesellschaften heute in unterschiedlicher Weise verinnerlicht haben und immer wieder reproduzieren.
Frauen müssen sich selbst revolutionieren
Vor allem die sozialistische Sowjetunion (1917-1956) und die Volksrepublik China (1949-1976) sind große Beispiele, wie die Emanzipation der Frau mit dem Kampf der Arbeiterklasse verbunden werden kann und große Errungenschaften gewonnen werden können.
In der Sowjetunion wurden nach der Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse im Jahr 1917 z.B. die Frau dem Mann rechtlich und ökonomisch gleichgestellt, sie war Miteigentümerin des Familienvermögens, die zivile Ehe wurde eingeführt und es war leichter sich scheiden zu lassen. Immer mehr Frauen wurden in die Produktion eingegliedert und sie wurden damit ökonomisch unabhängig vom Mann. Die Reproduktionsarbeit wurde immer mehr vergesellschaftet.
In der Volksrepublik China gingen Millionen von Frauen in die Produktion, wurden somit ökonomisch unabhängig vom Mann, was ihnen die Möglichkeit gab, die formelle gesetzliche Gleichberechtigung seit 1949 besser in der Tat umzusetzen. Auch hier wurde versucht, die Reproduktionsarbeit so gut wie möglich zu vergesellschaften, auch angeführt dadurch, dass viele Frauen in den verschiedenen politischen Organen mitwirkten.
Besonders bedeutend ist aber der Kampf in der Großen Proletarischen Kulturrevolution, die ein Problem lösen konnte, das auch schon während der Sowjetunion aufgetaucht war: Die Bekämpfung der alten Ideologie basierend auf dem Privateigentum. Vor 60 Jahren, am 16. Mai 1966, rief der Vorsitzende Mao und die Kommunistische Partei Chinas die Große Proletarische Kulturrevolution aus und fordert die Massen auf, falsche Ideen durch Kritik und Selbstkritik zu bekämpfen. Dabei spielen die Frauen eine besondere Rolle, die nicht nur die falschen Ideen in den Männern bekämpfen, sondern sich auch selbst revolutionieren und mit ihren eigenen patriarchalen Vorurteilen brechen.
Die Frauen für die Revolution mobilisieren
Die Arbeiterklasse und ihre Partei, die Kommunistische Partei, hat in ihrer Geschichte immer wieder große Heldinnen hervorgebracht, die für alle Revolutionäre Beispiele an Hingabe und Disziplin sein sollten. Eine von ihnen ist Genossin Norah, die in Peru in der Kommunistischen Partei und im Volkskrieg kämpfte. Sie hat selbst viele weibliche Massen mobilisiert, politisiert und organisiert und war entscheidend an der Gründung der Volksfrauenbewegung beteiligt. Sie führte aber auch innerhalb der Partei den Kampf für die richtige Linie und führte selbst zahlreiche Guerilla-Aktionen.
In ihrer Tradition und der zahlreicher anderer Heldinnen der Arbeiterklasse steht heute auch die Gründung der Roten Frauenbewegung – Deutschland (RF), die als Teil der revolutionären Aktivistenorganisation „Roter Bund“ die Frauen für die Revolution gewinnen will. Um den Kampf dafür heute zu führen, hat die Rote Frauenbewegung – Deutschland eine Prinzipienerklärung und ein Programm veröffentlicht. Das Programm stellt wichtige Tagesforderungen heraus, die eine klassenbewusste Frauenorganisation anpacken muss. Ein großer Teil ist die ökonomische Abhängigkeit der Frau vom Mann, welche durch Gesetze und fehlende Kinderbetreuung weiter gefestigt wird. Weitere patriarchale Ausdrücke, wie dass Frauen in der Medizin benachteiligt sind, was sie konkret in Lebensgefahr bringen kann sowie die Forderung der Legalisierung von Abtreibungen, spielen eine Rolle. Dadurch, dass ein großer Teil des Proletariats in Deutschland ausländisch ist, ist es notwendig hierzu einen Standpunkt zu entwickeln, was im Programm getan wird. Nicht zuletzt wird der Gewalt gegen Frauen Aufmerksamkeit geschenkt, um auch hier die Massen dagegen zu mobilisieren.
Die vollständige Prinzipienerklärung und das Programm findet ihr unter diesem Link.
Die Genossinnen der Roten Frauenbewegung werden in unterschiedlichen Städten Veranstaltungen zur Gründung machen und laden euch herzlich dazu ein.
