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Klassenstandpunkt #7

Posted: Oktober 1st, 2015 | Author: | Filed under: Klassenstandpunkt | Kommentare deaktiviert für Klassenstandpunkt #7

Die gesamte Ausgabe als Download

THEORIE

Jakow Michailowitsch Swerdlow

Vollständiger und reiner als irgend jemand anders vermochte Genosse Swerdlow im Verlauf unserer Revolution und ihrer Siege den wichtigsten Wesenszügen der proletarischen Revolution Ausdruck zu verleihen, und eben darin besteht in noch viel höherem Maße als in seiner grenzenlosen Treue zur Sache der Revolution seine Bedeutung als Führer der proletarischen Revolution.“ – Lenin

Es gibt Menschen, Führer des Proletariats, von denen man in der Presse nicht viel Wesens macht, vielleicht, weil sie es selbst nicht lieben, viel Wesens von sich zu machen, die aber dennoch die Lebenssäfte der revolutionären Bewegung, ihre wahren Führer sind. Zu diesen Führern gehört J. M. Swerdlow.“ – Stalin

Wir sind der Meinung, dass es sich bei Swerdlow um einen Genossen handelt, dessen Wirken viel größerer Aufmerksamkeit bedarf, als es heute in Deutschland der Fall ist, weil er beispielgebend dafür ist, wie die Revolution tatsächlich zu machen ist. Dafür wollen wir an dieser Stelle einen Abriss des Lebens Swerdlows machen und erneuern den Ruf des Moskauer Sowjets vom 19. März 1919: „Ewiges Gedenken dem Genossen Swerdlow.“ Nicht im Sinne eines leeren, inhaltlosen Gedenken, sondern „als ewiges Sinnbild der Treue eines Revolutionärs für seine Sache, … als Vorbild der Verbindung von praktischer Nüchternheit und praktischem Können, von vollkommener Verbundenheit mit den Massen und der Fähigkeit, sie zu leiten … [als] Gewähr dafür …, daß immer größere Massen von Proletariern, diesen Beispielen folgend, immer weiter vorwärtsschreiten werden zum endgültigen Sieg der kommunistischen Weltrevolution.“ – Lenin

Jakow Michailowitsch Swerdlow wurde am 3. Juni 1885 in der Stadt Nischni Nowgorod geboren. Die Stadt, der die sozialistische Sowjetunion den Namen des großen proletarischen Literaten und ebenfalls Sohn dieser Stadt und Freund der Familie Swerdlow, Maxim Gorki, verlieh, ist der Geburtsort vieler Persönlichkeiten. Zu ihnen gehören unter anderem Anna und Alexander Uljanow, der Narodniki und Bruder Lenins, der für den Versuch Zar Alexander III. zu töten hingerichtet wurde, die Komponistenbrüder Krein, der Computerpionier Sergei Lebedew und der Maler und Komponist Michail Matjuschin. Max Hoelz verbrachte hier seine letzten Tage im Exil. Nischni Nowgorod, etwa 400 km östlich von Moskau, wo die Oka in die Wolga mündet liegend, war seit Mitte des 19. Jahrhunderts das Handelszentrum des zaristischen Russland.

Die Mutter, Elisabeth Solomonowna, und der Vater, Michaim-Moshe Israelewitsch Gauchmann, kamen 1882 aus dem Westen Russlands, aus Witebsk, in die Stadt, in der annähernd 100.000 Menschen lebten und sich rasch eine Industrie entwickelte. Hier nannten sie sich Swerdlow. Die Eheleute hatten insgesamt sechs Kinder. Ihr erster Sohn war der spätere französische General Pechkoff, der als Teil der französischen Entente-Kräfte dem weißgardistischem Mörder Koltschak im Krieg gegen die Rote Armee diente.

Der Vater war eine politisch aktiver Kupferstecher. Er betrieb eine Werkstatt, einen Verlag und eine Druckerei. Er war wohl dazu genötigt sich als Fälscher zu betätigen, um die Familie zu ernähren und soll auch im Waffenschmuggel involviert gewesen sein.

Swerdlow besuchte einige Jahre lang ein Gymnasium, von dem er aber wegen seiner revolutionären Tätigkeit verwiesen wurde, und lernte anschließend das Apothekerhandwerk. 1901 trat er in die Reihen der Revolution ein und wurde als Mitglied in die Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands aufgenommen. Seitdem trug er unter anderem die Nome de Guerre „Andrei“, „Max“, „Mikhalich“, „Permyakow“ und „Smirnow“.

In der ersten Periode seiner Tätigkeit, ein Jüngling noch, kaum daß sein politisches Bewußtsein erwacht war, weihte er sich sofort mit Leib und Seele der Revolution. In dieser Epoche, ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sehen wir Genossen Swerdlow vor uns als den ausgeprägtesten Typus eines Berufsrevolutionärs – eines Menschen, der mit seiner Familie, mit allen Annehmlichkeiten und Gewohnheiten der alten bürgerlichen Gesellschaft vollständig gebrochen hat, eines Menschen, der sich uneingeschränkt und selbstlos in den Dienst der Revolution gestellt und in langen Jahren, ja Jahrzehnten, auf seinem Wege vom Gefängnis in die Verbannung, aus der Verbannung ins Gefängnis, in sich die Eigenschaften entwickelt hat, die für lange Jahre die Revolutionäre stählten.“ – Lenin

Er arbeitete zu Beginn in Kostroma, Jaroslawl, Kasan und vielen weiteren Orten entlang der Wolga als Agitator für die Partei. Am 5. Mai 1902 wurde er das erste Mal für kurze Zeit eingekerkert.

Ab dem Jahre 1903 stand er mit Lenin und den Bolschewiki gegen die Menschewiki. Er bekamm eine Funktion im Komitee des Stadt Tscheljabinsk und kämpfte in der Revolution von 1905 in der Gegend der Stadt Jekaterinburg, die im Jahre 1924 zu Ehren des Genossen den Namen Swerdlowsk verliehen bekam. Im Zentrum der Stadt steht noch heute ein Denkmal Swerdlows. Er organisierte die revolutionären Aktionen der Massen in Jekaterinburg. Er studierte den Kampf in der Praxis. Er organisierte Kampfverbände und wurde so ein anerkannter Führer der Massen. Im Oktober 1905 begründete und führte Swerdlow den Sowjet der Arbeiterdeputierten der Stadt.

… die Fähigkeit, die Massen zu organisieren. Dieser Wesenszug der proletarischen Revolution hat auch einen solchen Menschen hervorgebracht wie J. M. Swerdlow, der vor allem und in erster Linie ein Organisator war.“ – Lenin

1906 wird er an dieser Stelle zum Vorsitzenden des Gebietskomitees der Partei gewählt. 1907 wird er von der Reaktion gefasst und verurteilt und es folgt eine zweijährige Haft in Jekaterinburg, nach der er kurze Zeit in Moskau aktiv ist. Doch bereits im Frühjahr des Jahres 1910 erfolgt auf Beschluss des Innenministeriums des Zarismus Deportation und Verbannung in die Narym-Region der Tomsk-Provinz jenseits des Ural. Er entkommt der Verbannung, wird jedoch im Herbst des selben Jahres erneut verhaftet und in die Verbannung geschickt. Vorher ergibt sich für Swerdlow jedoch die Möglichkeit einer direkten Korrespondenz mit Lenin, der Arbeit unter Stalin und in der Redaktion der „Prawda“. Drei Versuche der Verbannung zu entrinnen scheitern. 1911 bekommt er mit der Genossin Klawdija Timofejewna Nowgorodzewa, Nome de Guerre Olga, 1904 in die Partei aufgenommen, Kämpferin der Partei in der Revolution von 1905 im Ural, später Leiterin des Verlags des Zentralkomitees, Priboi, beteiligt an Vorbereitung und Durchführung der Oktoberrevolution, Leiterin des Sekretariats des ZK der Partei und Leiterin der Abteilung Kindereinrichtungen im Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitee, einen Sohn, Andrei, der dem NKWD diente und Berater Lawrenti Berias wurde.

In Narym wird auf Initiative Swerdlows eine im höchsten Maße konspirative Arbeit mit und für die in Verbannung befindlichen Bolschewiki entwickelt. Hier zeigte sich eine herrausstechende Eigenheit Swerdlows: „… dieser Berufsrevolutionär hat niemals, keinen Augenblick die Verbindung mit den Massen verloren. Obwohl die Verhältnisse unter dem Zarismus ihn, wie jeden Revolutionär in der damaligen Zeit, vorwiegend zu unterirdischer, illegaler Arbeit zwarigen, ging Genosse Swerdlow auch in dieser unterirdischen und illegalen Arbeit immer Schulter an Schulter, Seite an Seite mit den fortgeschrittensten Arbeitern … „ – Lenin. Wohin es ihn auch verschlug, er begann bolschewistische Komitees und Zellen zu gründen. Hier trifft Swerdlow auch erneut auf Stalin, der im August 1912 das Exil verlässt. Swerdlow folgt ihm im Dezember.

Swerdlow wurde im Alter von 26 Jahren als Mitglied ins Zentralkomitee der Partei aufgenommen. Er arbeitet für die Prawda und nutzt hierfür die Druckerei seines Vaters. 1913 verbannte man ihn abermals. Dieses Mal für fünf Jahre, nach Turuchansk, in der Region Krasnojarsk, am nördlichen Polarkreis. Dort entwickelte und vertiefte sich die Arbeit mit Stalin. Die beiden bewohnten das gleiche Haus. In dieser Zeit erblickt Tochter Wera das Licht der Welt. In Fragen des Weltkriegs bewies Swerdlow Prinzipienfestigkeit. Er trat, Lenin folgend, für die Umwandlung des imperialistischen Weltkriegs zum Bürgerkrieg ein und bekämpfte die sozialchauvinistischen Vaterlandsverteidiger der II. Internationale.

Mit der Februarrevolution 1917 begab er sich nach Moskau. Er war einer der Parteigenossen, die früh die Möglichkeit und die Notwendigkeit des Übergangs zur sozialistischen Revolution korrekt einschätzten. Swerdlow wurde vom ZK mit der Arbeit in Jekaterinburg beauftragt. Er sollte zunächst die Arbeit der regionalen Parteikonferenz organisieren und den Aufstand der Massen des Urals vorbereiten. Auf der Parteikonferenz, die am 24. April stattfand, traf Swerdlow zum ersten Mal Lenin persönlich. Das ZK beauftragte ihn Mitte 1917, die organisatorische Leitung der Partei zu übernehmen. Swerdlow wurde so einer der Hauptorganisatoren der Partei auch auf zentraler Ebene. Er übernahm die Aufgabe der Verteilung der Kräfte. Er zeigte dabei die Fähigkeit die Auswahl der Besten korrekt zu treffen. Viele der Genossen, die durch seine Entscheidungen voran gebracht wurden, haben auch später wichtige Leistungen für die Revolution erbracht. Swerdlow bewies in dieser Zeit auch ein Auge fürs Detail. Er kannte die Bedingungen in den einzelnen Fabriken und in den auf dieser Ebene organisierten Parteieinheiten. Er schickte die richtigen Instrukteure und Ausbilder. Ebenso korrekt war seine Handhabung der Regionalkomitees der Partei.

Eben dieser lange Weg illegaler Arbeit ist vor allem kennzeichnend für einen Menschen, der, ständig im Kampf, niemals die Verbindung mit den Massen verlor, Rußland niemals verließ, der stets mit den Besten der Arbeiter zusammenwirkte und es ungeachtet jener Losgelöstheit vom Leben, zu der die Revolutionäre durch die Verfolgungen verurteilt waren, vermochte, nicht nur zu einem von den Arbeitern geliebten Führer zu werden, nicht nur zu einem Führer, der die praktische Arbeit am umfassendsten und gründlichsten kannte, sondern auch zu einem Organisator der fortgeschrittensten Proletarier. Und wenn manch einer glaubte – meist taten das unsere Gegner oder wankelmütige Elemente – , daß dieses völlige Aufgehen in der illegalen Arbeit, dieser Wesenszug des Berufsrevolutionärs, ihn von den Massen isoliert, dann zeigt uns gerade das Beispiel der revolutionären Tätigkeit J. M. Swerdlows, wie grundfalsch diese Ansicht ist, wie im Gegenteil gerade jene grenzenlose Ergebenheit für die Sache der Revolution, die das Leben derer kennzeichnete, die durch viele Gefängnisse und die entlegensten Verbannungsorte Sibiriens gegangen sind, wie gerade sie solche Führer, die Elite unseres Proletariats, geschmiedet hat. Und wenn sie sich mit Menschenkenntnis, mit der Fälligkeit paarte, die Organisationsarbeit in Schwung zu bringen, dann brachte sie und nur sie große Organisatoren hervor. Durch illegale Zirkel, durch illegale revolutionäre Arbeit, durch die illegale Partei, die niemand so vollkommen verkörperte und repräsentierte wie J. M. Swerdlow – nur durch diese praktische Schule, nur auf diesem Wege konnte er der höchste Repräsentant der ersten Sozialistischen Sowjetrepublik, der beste Organisator der breiten proletarischen Massen werden.“ – Lenin

Im Juliaufstand, auf Basis einer Kombination aus politischer und militärischer Krise der Kerenski-Regierung, vereinigten sich Arbeiter, Soldaten, Matrosen und Anarchisten unter der Führung der Bolschewiki gegen die alte Ordnung, die durch die Koalitionsregierung aus Menschewiki, Sozialrevolutionären und Kadetten repräsentiert wurde und die Unterstützung der Schwarzhunderschaften hatte. Die Reaktion richtete unter den hunderttausenden Demonstranten, die sich in Petrograd, Moskau, Nischni Nowgorod, Krasnojarsk und anderen Städten, trotz Verbot die Straße nahmen, ein Blutbad an. Swerdlow verdiente sich in dieser Situation als Repräsentat und Hauptredner des ZK – er gab den Marschierenden ihre Kampfparolen – weitere Anerkennung der Massen und auch der Reaktion, was sich in deren Bezeichnung “Schwarzer Teufel” für Swerdlow ausdrückte. Swerdlow persönlich organisierte, nach der Anordnung der Reaktion Lenin zu verhaften, die Sicherheit der zentralen Führung. Er war auch verantwortlich für die Information Lenins über die aktuellen Entwicklung. Er entwickelte auf Basis der politischen Führung Lenins einen Sturm von Aktivitäten. Er wandte die marxistischen Prinzipien, insbesondere auch jene, die Lenin in dieser Zeit in seinem Werk „Staat und Revolution“ entwickelte, auf die konkreten Bedingungen an. Der VI. Parteitag, den Swerdlow hauptsächlich vorbereitete, wählte ihn im August 1917 ins Sekretariat des ZK, dessen Vorsitz er übernahm. So führte er die Parteiarbeit in der konkreten Vorbereitung der Oktoberrevolution. Als ein Zentrum der Ereignisse fokussierte er auf Propagandisten, die er unter die Truppen im Feld schickte, und die Mobilisierung und Organsierung der Massen. Er führte die historische Sitzung des ZK, am 23. Oktober 1917, auf der der Beschluss „dass der bewaffnete Aufstand unumgänglich und völlig herangereift ist“ getroffen wurde. Er wurde in die Militärkommission zur Leitung des Aufstands bestimmt. In dieser Funktion traf er die Auswahl derer, die die Petrograder Militärkommission, die bestimmt war den Aufstand einzuleiten, verstärken sollten. Die Wahl fiel auf Flerowski, Goloschchokin, Bikow, Galkin und andere Genossen, zusätzlich schickte Swerdlow 51 Kommisare zur Unterstützung. Auf dem Sowjetkongress vom 7. November 1917 wurde er auf Vorschlag Lenins zum Mitglied des Gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees (GZEK) gewählt. Kurz darauf wurde er Vorsitzender. Er baute die organisatorischen Formen der Sowjetmacht, sowohl auf zentraler, als auch auf unterer Ebene auf. Swerdlow leitete als Sekretär des ZK die Partei und war als Vorsitzender des GZEK das Staatsoberhaupt Sowjetrusslands, während Lenin als Vorsitzender des Rats der Volkskommissare die Funktion des Regierungschefs ausübte.

„Was bedeutet es, bei uns, wo das Proletariat an der Macht steht, Führer und Organisator zu sein? Es bedeutet nicht, sich Gehilfen auszusuchen, eine Kanzlei einzurichten und über sie seine Anordnungen zu treffen. Führer und Organisator unter unseren Verhältnissen zu sein bedeutet erstens – die Funktionäre kennen, ihre Vorzüge und Mängel zu erkennen verstehen, an die Funktionäre heranzugehen wissen, zweitens – verstehen, die Funktionäre so einzusetzen, dass 1. jeder Funktionär sich am richtigen Platz fühlt; 2. jeder Funktionär der Revolution ein Maximum dessen geben kann, was er auf Grund seiner persönlichen Qualitäten überhaupt zu geben imstande ist; 3. eine derartige Verteilung der Funktionäre keine Störung, sondern Koordinierung, Einheitlichkeit, allgemeinen Aufschwung der Arbeit im Ganzen zur Folge hat; 4. die allgemeine Richtung der auf diese Weise organisierten Arbeit die politische Idee zum Ausdruck bringt und realisiert, um derentwillen die Verteilung der Funktionäre auf die verschiedenen Posten durchgeführt wird.

J.M. Swerdlow war gerade ein solcher Führer und Organisator unserer Partei und unseres Staates.

Die Periode von 1917 bis 1918 war eine Periode der Wende für Partei und Staat. Die Partei wurde in dieser Periode zum erstenmal zur regierenden Kraft. Zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit entstand eine neue Macht, die Macht der Sowjets, die Macht der Arbeiter und Bauern. Die Partei, die bis dahin illegal war, auf neue Geleise zu führen, die organisatorischen Grundlagen des neuen proletarischen Staates zu schaffen, die organisatorischen Formen für die Wechselbeziehungen zwischen Partei und Sowjets zu finden, der Partei dabei die Führung und den Sowjets ihre normale Entwicklung zu sichern – das war die überaus komplizierte organisatorische Aufgabe, vor der die Partei damals stand. In der Partei wird sich niemand finden, der bestreiten wollte, dass J. M. Swerdlow einer der ersten, wenn nicht der erste war, der diese organisatorische Aufgabe, ein neues Rußland aufzubauen, sachkundig und reibungslos löste.

Die Ideologen und Agenten der Bourgeoisie wiederholen gern die abgedroschene Phrase, die Bolschewiki verstünden nicht aufzubauen, sie seien nur fähig zu zerstören. J. M. Swerdlow, seine ganze Arbeit ist eine lebendige Widerlegung dieses Gefasels. J. M. Swerdlow und seine Arbeit in unserer Partei sind kein Zufall. Eine Partei, die einen so großen Baumeister wie J. M. Swerdlow hervorgebracht hat, kann ohne weiteres sagen, dass sie ebensogut Neues zu erbauen wie Altes zu zerstören versteht.“ – Stalin

Am 13. Januar 1918 vereinigten sich der Rat der Bauerndeputierten und der Rat der Arbeiter und Soldatendeputierten auf Grund von Swerdlows Engagement und seiner Handhabung der Widersprüche.

Die Beendigung der Beteiligung Russlands am Weltkrieg, auch unter ungünstigen Bedingungen, war eine Notwendigkeit die Swerdolw, Lenin folgend, verstand und die Unterzeichnung des Friedensvertrages von Brest-Litowsk im März 1918 gegen die Opposition (z.B. durch Trotzki) mit durchsetzte. In dieser Periode entwickelte Swerdlow ein Verständnis über die Notwendigkeit der Ausbildung der Forstsetzer der Revolution. Dies drückte sich in seinen Anstrengungen aus, die zur Gründung einer Parteischule führte, die ab 1919 den Namen Swerdlow-Universität trug. Swerdlow hatte großen Einfluss auf den Ablauf des VII. Parteitags im März 1918 und wurde im April Vorsitzender der Kommission, die die Verfassung der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik ausarbeitete. Darin wird die Diktatur des Proletariats in Form der Sowjets auf Basis der freiwilligen Einheit der verschiedenen Nationen als Föderation der Sowjetrepubliken für den Aufbau des Sozialismus organisatorisch festgelegt.

Auf der Tagung des Exekutivkomitees am 20. Mai legte Swerdlow mit der Politik der Teilung des Dorfes in zwei feindliche Lager, die Kulaken und die armen Bauern, die Grundlage für die Entwicklung des Klassenkampfes auf dem Land. Dazu gehörte auch die Kossaken-Frage. Die Kossaken waren immer wieder in konterrevolutionäre Aktivitäten verstrickt. Im Januar 1919 wird dazu, unter Federführung Swerdlows, ein Beschluss gefasst, der sowohl demokratische, wie Überzeugungsarbeit unter den Kossaken sich nicht für die Reaktion zu verdingen, als auch administrative Maßnahmen, wie die Ansiedlung von armen Bauern auf Kossakenland, umfasste. Nach „zahlreichen terroristischen Gewalttaten der antisowjetischen Bürgerkriegstruppen, bei denen Partei- und Staatsfunktionäre ermordet worden waren“ und deren Hauptziel u.a. Swerdlow selbst war beschloss das GZEK am 6. Juli 1918 auf Vorschlag Swerdlows, mit „rotem Massenterror gegen die Bourgeoisie und ihre Agenten“ zu antworten. Neben all diesen großartigen vollbrachten Leistungen erledigte Swerdlow auch noch die organisatorische Vorbereitung des ersten Kongreß der Kommunistischen Internationale, wofür er u.a. nach Lettland, Litauen, in die Ukraine und nach Weißrussland reiste. Im Februar 1919, als sich Swerdlow in Vorbereitung des VIII. Parteitags auf Reisen zu verschiedenen Konferenzen befand, erkrankte er an der Spanischen Grippe, einer Pandemie, die in den Jahren zwischen 1918 und 1920 knapp 50 Millionen Todesopfer forderte. Swerdlow gab in Erfüllung seiner Pflicht am 16. März 1919 in Moskau sein Leben für die Revolution. Er war der erste Genosse, der auf dem Roten Platz vor der Kremlmauer ein Ehrengrab erhielt.

Stalin: „… von allen mir bekannten hervorragenden Organisatoren kenne ich – nach Lenin – nur zwei, auf die unsere Partei stolz sein kann und muss: J. F. Dubrowinski, der in der Turuchansker Verbannung umkam, und J. M. Swerdlow, der für die Arbeit am Aufbau der Partei und des Staates sein Leben aufgeopfert hat.“

Lenin schließt über Swerdlow mit folgenden Worten: „Diesen Menschen, der in sich dieses außergewöhnliche Organisationstalent entwickelt hat, werden wir nie ersetzen können, wenn wir unter dem Begriff Ersatz verstehen, einen Menschen, einen einzelnen Genossen zu finden, der solche Fähigkeiten in sich vereint. Keiner von denen, die die tagtägliche Arbeit Jakow Michailowitschs aus der Nähe kannten und beobachten konnten, kann daran zweifeln, daß Jakow Michailowitsch in diesem Sinne unersetzlich ist. Die Arbeit, die er auf organisatorischem Gebiet, bei der Auswahl der Kader, bei ihrer Berufung auf verantwortliche Posten der verschiedensten Spezialgebiete allein leistete – diese Arbeit werden wir jetzt nur bewältigen können, wenn wir in jeden der großen Arbeitsbereiche, die Genosse Swerdlow allein geleitet hat, ganze Gruppen von Menschen entsenden, die, ihm nacheifernd, annähernd das leisten könnten, was ein einzelner vollbrachte.

Doch die proletarische Revolution ist stark eben durch die Unversiegbarkeit ihrer Quellen. Wir wissen, daß sie an Stelle derer, die in diesem Kampfe selbstlos ihr Leben einsetzten und hingaben, ganze Kolonnen neuer Menschen hervorbringt, die am Anfang ihres Weges vielleicht weniger erfahren, weniger beschlagen und weniger geschult sind, die jedoch eng mit den Massen verbunden und fähig sind, an die Stelle der dahingegangenen überragenden Talente Gruppen von Menschen zu setzen, die ihr Werk fortführen, auf ihrem Wege weiterschreiten und vollenden, was diese begonnen haben. Und in diesem Sinne sind wir zutiefst überzeugt, daß die proletarische Revolution in Rußland und in der ganzen Welt immer neue und neue Gruppen von Menschen hervorbringen wird, zahlreiche Schichten von Proletariern, von werktätigen Bauern, die jene praktische Lebenserfahrung, jenes wenn nicht individuelle, so doch kollektive Organisationstalent mitbringen werden, ohne das die Millionenarmeen der Proletarier nicht zum Siege gelangen können.“

 


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