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Rote Post #44

Posted: Dezember 7th, 2021 | Author: | Filed under: Rote Post | Kommentare deaktiviert für Rote Post #44

 

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BREMEN

Kurzarbeit bei Daimler nimmt kein Ende

Weit über zehn Millionen Beschäftigte in Deutschland sind im letzten Jahr durch die Krise von jetzt auf gleich in Kurzarbeit geschickt worden. Die Rechtfertigung – Corona. Doch während das Thema der Kurzarbeit im letzten Jahr noch eine große Rolle gespielt hat, ist es heute im Großen und Ganzen aus der Öffentlichkeit verbannt worden. Und das, obwohl erst mit Anbruch des September 2021 das erste Mal seit Beginn letzten Jahres die Marke von einer Millionen Kurzarbeitern unterschritten werden konnte. Doch auch, wenn die Tendenz im jetzigen Moment eher in Richtung Rückgang geht, zeigt sich, dass das Thema Kurzarbeit noch lange nicht abgeschlossen ist. Das liegt vor allem daran, dass Corona nur ein Vorwand ist, der den eigentlichen Grund für die Krise und die daraus resultierende Kurzarbeit verwischt. Denn der zentrale Punkt ist die kapitalistische Wirtschaftsweise, die dahin geführt hat, wo wir heute stehen – einer Überproduktionskrise, d.h. eine Krise, die dadurch entsteht, dass mehr produziert wird als überhaupt gekauft werden kann. Nur weil die Produktivität und damit die Produktion steigt, heißt das nicht, dass automatisch auch mehr gekauft wird. Aus der Überproduktion folgt eine Periode der Unterproduktion, Industrie wird lahmgelegt, Lieferketten geraten ins Stocken, Produktivkräfte werden vernichtet. Wer seinen Konzern da retten will, greift zu Sparmaßnahmen, und hier in der BRD bedeutet das für die Arbeiter zur Zeit überwiegend Kurzarbeit.

In Bremen haben natürlich ebenfalls etliche Betriebe im Verlauf der Krise ihre Arbeiter in die Kurzarbeit gezwungen und damit einen Teil ihres Lohns geraubt. Auch die „Big Player“ der Stadt – Daimler, Airbus, die BLG usw. usf. – sie alle waren schon in Kurzarbeit. So verkündet die Daimler AG – mit 12.500 Beschäftigten (Leiharbeiter oder Arbeiter, die über andere Fremdfirmen angestellt sind, noch gar nicht mit eingerechnet) Bremens größtes Unternehmen – Woche für Woche wieder und wieder die Verlängerung der Kurzarbeit im Werk. 8.500 Arbeiter, also in etwa zwei Drittel der Belegschaft, sind aktuell von der Kurzarbeit betroffen. Die Busse, die die Arbeiter zum Werk bringen, sind wie leergefegt. Und das alles, obwohl Daimler aktuell satte Gewinne verzeichnen kann. Als Grund wird der Mangel an Computerchips aufgrund von Lieferengpässen auf den Wegen von ihren Produktionsländern in Ostasien genannt. Die Lieferketten der Produktion wurden seit Beginn der Krise zwar behindert, jedoch ist es für ein Automonopol wie Mercedes, das z.B. bereits 2003 während einer Reihe an Streiks in den Werken Ostdeutschlands Kolbenringe per Hubschrauber ins Werk fliegen lassen konnte, damit die Produktion nicht stillsteht, nicht das Problem, ein paar Millionen kleine Halbleiterbauteile, an denen die Produktion eines ganzen Autos hängt, nach Deutschland zu holen. Der „Chipmangel“ verschleiert die Tatsache, dass sie auf ihrer produzierten Ware sitzen bleiben. Abgewälzt wird das Ganze auf die Arbeiter, indem man sich die Lohnkosten einspart, Kurzarbeit beantragt und den Staat zahlen lässt. Dabei sind diejenigen, die bei Daimler in Kurzarbeit geschickt werden, noch nicht einmal am schlechtesten dran. Denn als die Krise begann, waren die ersten, die herhalten mussten, Leiharbeiter und Angestellte bei anderen Fremdfirmen, von denen viele direkt gefeuert wurden. Und genau das soll jetzt mit Hundertern Leiharbeitern wieder passieren.

Ein Ende der momentanen Situation bei Daimler in Bremen ist absolut nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil spitzt sich die Situation weiter zu, Daimler ging im September den nächsten Schritt und beantragte nun auch Kurzarbeit für die Kundencenter. Noch mehr Kollegen werden so vom Autoriesen in Kurzarbeit geschickt. Welcher Zynismus seitens des Konzerns mit der Kurzarbeit verbunden ist, zeigte sich bereits mehrfach. So berichtet ein Kollege von Daimler, dass die Kurzarbeit von der Werksleitung oftmals gar nicht angekündigt wurde. Viele Arbeiter erfuhren erst aus der bürgerlichen Presse von der Kurzarbeit oder dadurch, dass ein paar Informationen gerüchteweise von oben nach unten durchsickerten und sich unter den Kollegen herumsprachen. Frühzeitige offizielle Ansagen der Chefetagen, die zumindest ermöglicht hätten, mit weniger Geld in der nächsten Zeit zu planen, hat es häufig aber nicht gegeben. Stattdessen hieß es dann Freitags kurz vor Feierabend „…ach übrigens, ab Montag ist dann erst mal Kurzarbeit“. In Sachen Zynismus kommt dazu, dass Anfang des Jahres, als Daimler seine Zahlen zum Jahr 2020 bekannt gab und trotz Krise, Produktionsstopp, stockenden Lieferketten und vielem mehr eine Profitsteigerung von 2,7 Milliarden aus dem Vorjahr auf 4 Milliarden Euro verzeichnete. Und dass nicht trotz, sondern vor allem wegen der Kurzarbeit, denn wie die Daimler-Chefs ohne jegliche Scheu zugaben, spielt das Einsparen von Personalkosten eine entscheidende Rolle bei der Steigerung ihrer Profite (Daimler-Chef Ola Källenius sprach Ende 2019 von einer Einsparung von über einer Milliarde Euro in dem Bereich bis 2022). An die Aktionäre wurde reichlich Dividende ausgeschüttet, die nur mit unseren Steuergeldern aus der Staatskasse ermöglicht wurden, während die Arbeiter bei Daimler weniger Lohn bekommen. All das wird zugelassen und gestptzt von den Bürokraten der IG-Metall und dem Betriebsrat, die die Kurzarbeit sogar befürworten und der Meinung sind, dass es im Interesse aller wäre, in Kurzarbeit zu gehen, wenn gewisse Teile für die Produktion fehlen. Eine angebliche „Arbeitervertretung“, die der Meinung ist, dass Kurzarbeit im Interesse der Arbeiter wäre, steht nicht auf Seiten der Arbeiter, sondern der Bourgeoisie. So eine „Arbeitervertretung“ können wir einfach direkt in die Tonne kloppen.

Dass immer noch Kollegen in Kurzarbeit geschickt werden, dass immer noch rund eine Million Menschen in der BRD in der Kurzarbeit feststecken, zeigt noch einmal, welch massives Ausmaß diese Wirtschaftskrise hat. Die Zeiten der Krise sind die Zeiten, in denen die Bourgeoisie in Bedrängnis gerät, in denen ihnen ihr eigenes System, ihre eigene kapitalistische Art zu wirtschaften auf die Füße fällt. Doch genau diese Last tragen sie nicht selbst. Sie tun alles, um diese Last auf die Schultern der Arbeiterklasse und des Volkes abzuwälzen. Dass etliche Kollegen seit nun über eineinhalb Jahren mit finanziellen Problemen wegen Kurzarbeit zu kämpfen haben, ist genau Teil davon. Ihre Krise erhöht unsere Ausbeutung und Unterdrückung. Mehr Arbeit, längere Arbeit, weniger Lohn, schlechtere Bedingungen. Doch dass wir in einer solch tiefen Krise stecken, ist vor allem Ausdruck der Schwäche des imperialistischen Systems. Je mehr der Imperialismus sich seinem Abgrund nähert, desto mehr und desto härtere Krisen durchläuft er. Unsere Aufgabe ist es entsprechend, dem imperialistischen System seinen letzten Stoß zu versetzen!


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