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Rote Post #15

Posted: April 1st, 2019 | Author: | Filed under: Rote Post | Kommentare deaktiviert für Rote Post #15


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HAMBURG

Abriss des Warmwasserblocks für mehr Profite

Das Wohnungsbauunternehmen SAGA will die Häuser des Warmwasserblocks im Stadtteil Veddel, also die Häuser in den Straßen Wilhelmsburger Straße, Drevesweg, Meckelburgsweg und Am Gleise, abreißen lassen. Und das, obwohl der Stadtteil seit Ende letzten Jahres unter Denkmalschutz steht. Der Warmwasserblock wird so genannt, weil diese Wohnungen in den 1920er Jahren die Ersten waren, die in Hamburg fließend warmes Wasser erhalten haben. Dem städtischen Unternehmen sind die Sanierungskosten schlicht zu teuer. Deshalb werden über 300 Mieter aus ihren Wohnungen vertrieben, um später teurere Neubauwohnungen vermieten zu können. Die SAGA setzt ihre Mieter auf die Straße, nur um noch mehr Profite aus dem raus zu holen, was jeder braucht: ein Dach überm Kopf. Tatsächlich befindet sich der Warmwasserblock in einem maroden Zustand: Kabel hängen aus den aufgerissenen Wänden, die Haustüren lassen sich nicht schließen. Aber anstatt, dass die SAGA sich in den letzten Jahren darum gekümmert hat, die Häuser in Stand zu halten, lässt sie diese bewusst vergammeln und verrotten. Vermutlich gab es diese Abrisspläne bereits bei dem Verkauf der Gebäude an die SAGA vor vier Jahren, denn seitdem wurden nicht mal notwendigste Instandhaltungen gemacht. Stattdessen wird der marode Zustand benutzt, um den Abriss zu rechtfertigen.

Die SAGA gibt sich in bestimmten Stadtteilen, wo die Menschen sich mehr leisten können, als der Freund und Helfer, als Wohltäter, der die Stadt mit günstigen Wohnungen beschenkt. Das Unternehmen hat sich auf die Fahnen geschrieben, dass es „sichere und sozial verantwortliche Versorgung breiter Schichten der Bevölkerung mit Wohnraum“ gewährleisten will. Doch in unseren Vierteln wird nicht mal das Notwendigste gemacht. Offensichtlich schert sich die SAGA nicht um die, die keine Wahl haben und auf die günstigeren Mieten in diesem Block angewiesen sind. Für die Meisten bliebt sowieso vom niedrigen Lohn immer weniger zum Leben. Denn wie der Mietspiegel zeigt, steigen die Mieten in Hamburg jedes Jahr um im Durchschnitt mehr als 2,5 Prozent. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung bleibt mehr als einer Million Werktätigen in der BRD nach Abzug der Miete nicht mal der Hartz-4-Satz zum Leben. Sich da noch die Miete einer Neubauwohnung oder auch nur einer modernisierten Wohnung leisten zu können, ist völlig unmöglich.

Um ihr Vorhaben durchzudrücken und zu verhindern, dass auch die Häuser des Warmwasserblocks unter Denkmalschutz gestellt werden, will die SAGA mittlerweile den Bürgermeister kontaktieren. Es wäre wenig verwunderlich, wenn die Pläne der SAGA vom Senat unterstützt werden würden, denn auch die haben ein Interesse daran, dass es der SAGA wirtschaftlich gut geht. Immerhin gehört die Wohnungsbaugesellschaft zu hundert Prozent der Stadt Hamburg. Die Profite der SAGA sind also auch die Profite der Stadt. Auch die Politiker scheren sich nicht um uns, sondern darum, was den Bonzen noch mehr Geld in die Tasche bringt. Aber die Menschen, die nicht viel haben, sehen von diesen Profiten nichts, die auf ihrem Rücken erwirtschaftet werden! Mehr noch: die Mieter wurden noch nicht einmal von der SAGA aus darüber informiert, was mit ihren Häusern passieren soll! Das durften die Mieter erst erfahren, nachdem der selbsternannte „Stadtteilkümmerer“ von der SPD Wind von den Plänen der SAGA bekommen hat. Der gibt sich jetzt zwar „bürgernah“, gehört aber der selben Partei an, deren höhere Ebene jetzt zu Rate gerufen wird, um das Problem mit dem Denkmalschutz FÜR die SAGA zu entscheiden und die die SAGA als aktuelle Regierungspartei zur Zeit verwaltet. Der „Stadtteilkümmerer“ kümmert sich so lange um den Stadtteil, wie ihm die Menschen im Viertel zum nächsten Wahlkampf nutzen. Was alle bürgerlichen Parteien wirklich kümmert, ist den sozialen Frieden aufrecht zu erhalten. Die Herrschenden wollen nicht, dass die Leute sich nicht wehren, gegen das, was über ihre Köpfe hinweg entschieden wird, damit sie weiter dieses marode System verwalten können. Obwohl die Mieter sagen, dass sie ihre Häuser behalten wollen, werden sie von der SAGA weder informiert, noch gefragt, was mit ihnen passieren soll. Weil dieses System den Herrschenden dient. Nicht uns.

Ob auf der Veddel oder in Steilshoop, ob in Rissen oder Billstedt: der zunehmende Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist ein Problem, weshalb Menschen in ganz Hamburg Angst um ihre Existenz haben müssen. Immer wieder passiert es, dass Häuser saniert werden oder Neubauten entstehen und die Mieten danach unbezahlbar für einen großen Teil der Einwohner der Stadt werden. Daran ändert auch die sogenannte „Mietpreisbremse“ nichts. Zum Einen sind Neubauten von diesem Gesetz komplett ausgenommen, zum Anderen bremst diese nur die Mieten, die über 10 Prozent der vorherigen Miete ansteigen. Neuerdings muss sich der Vermieter bei einem höheren Anstieg „erklären“. Selbst wenn man feststellt, dass die Miete doch um mehr als 10 Prozent angehoben wurde, eine Klage können sich in der Regel nur diejenigen leisten, die sich sowie höhere Mieten bezahlen könnten. Auch die Bremse für einen Anstieg nach einer Modernisierung von 3€ pro m² erscheint als schlechter Scherz, wenn man berechnet, dass dies für den durchschnittlichen Mietpreis (2017) von 12,52€ pro m² eine Steigerung von mehr als 20 Prozent bedeutet. Wenn uns die Mietpreisbremse dennoch als Erfolg der Herrschenden verkauft wird, ändert sie nichts daran, dass beim Besichtigungstermin immer die bevorzugt werden, die am Meisten in der Tasche haben.

Wir sollen uns beim „Stadtteilkümmerer“ darüber beschweren dürfen, sollen am Wahltag ein Kreuzchen für eine der bürgerlichen Parteien machen und ansonsten den Mund halten. Aber wir lassen uns damit nicht abspeisen! Wir wollen selbst entscheiden, was in unseren Vierteln passiert! Wir wollen nicht raus aus unseren Wohnungen wegen der Profitgier der Bonzen!

Doch um unsere eigenen Interessen durchzusetzen, müssen wir uns auch selbst organisieren und zusammenschließen gegen dieses System. Wir dürfen nicht darauf vertrauen, dass uns andere von außen zu Hilfe eilen. Wir müssen uns auf unsere eigenen Kräfte stützen und das Problem an der Wurzel packen! NGOs, Gewerkschaften, Mietervereine oder bürgerliche Parteien, die sich einen sozialen Anstrich verpasst haben, können die Situation höchstens kurzfristig verbessern. Wir wollen die Herrschenden nicht um Mitbestimmung anbetteln, sondern selbst die Entscheidungen treffen. Organisieren wir uns gemeinsam im Viertel und zeigen den Bonzen der Stadt, dass sie nicht alles mit uns machen können. Schaffen wir eine Organisation, die es mit den Bonzen aufnehmen kann und wirklich für unsere Interessen kämpft!


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