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Klassenstandpunkt #12

Posted: Oktober 1st, 2016 | Author: | Filed under: Klassenstandpunkt | Kommentare deaktiviert für Klassenstandpunkt #12

Die gesamte Ausgabe als Download

THEORIE

Der vorliegende Artikel hat als Ausgangspunkt einen Vortrag über die Notwendigkeit der demokratischen Revolution, der für revolutionäre Jugendliche gehalten wurde. Der Text ist in einigen Punkten wesentlich erweitert worden.

Einiges zu Fragen der demokratischen Revolution

Die Entwicklung, die einige Teile der revolutionären Bewegung in der letzten Zeit durchgemacht haben, sind teilweise sehr positiv. Wir begrüßen dies und insbesondere solche Aktionen, in denen sich diese Entwicklung konkretisiert. Solche wichtigen Bezugspunkte sind Punkte, bei denen sich gemeinsame Standpunkte in größeren Bereichen entwickelt haben. Das erlaubt einen besseren Umgang untereinander, miteinander als Genossen im Kampf zu sprechen. Das ist für uns deshalb eine sehr zentrale Sache, weil wir nicht allgemeine Wissenschaftler sind, nicht über eine allgemeine Wahrheit sprechen, sondern über die Wahrheit der Klasse, des Proletariats. Dabei sind wir uns bewusst, dass nicht alles was wir sagen für alle und für jeden annehmbar ist. Es ist eine bewusste Abgrenzung, eine bewusste Stellungnahme, eine Stellungnahme als Kommunisten in Formierung. Das Neue setzt sich im Kampf gegen das Alte durch. Die proletarische Linie setzt sich im Kampf gegen die bürgerliche Linie durch und wir können in diesem Sinne nicht auf Polemik verzichten.

Zur Form

Wir gehen von den Klassikern des Marxismus aus, nicht von anderen Ideologien, nicht von anderen Klassen, nicht von bürgerlichen Vorurteilen, sondern von der Ideologie des internationalen Proletariats, dem Marxismus. Der Marxismus ist die Theorie und Praxis des internationalen Proletariats, der Internationalen Kommunistischen Bewegung (IKB), konkretisiert im Kampf der Arbeiterklasse für die proletarische Weltrevolution unter der Führung ihrer Kommunistischen Parteien. Ein Kampf, den die Kommunisten seit über anderthalb Jahrhunderten entwickelt haben. Wir folgen dabei einer roten Linie, die bei Marx beginnt und sich über Engels, Lenin, Genosse Stalin, dem Vorsitzenden Mao Tsetung bis zum Vorsitzenden Gonzalo, um die wichtigsten für unsere Klasse zu nennen, fortsetzt. Aber es sind nicht nur sie, sondern es ist der gesamte Kampf des internationalen Proletariats und der IKB. Heute ist der Marxismus der Marxismus-Leninismus-Maoismus, mit dem Maoismus als neue, dritte und höhere Stufe. Dieser ist ein einheitliches System und wir behandeln in diesem Artikel Teile dieses Systems.

Die demokratische Revolution als Teil des marxistischen Systems

Die demokratische Revolution ist nicht vom Marxismus als einheitlichem System zu trennen. Man kann den Marxismus nicht wie einen Baukasten behandeln, aus dem man sich einzelne Teile heraus pickt, sondern alles hängt zusammen. Er ist, wie Lenin in „Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus“ gesagt hat, ein geschlossenes System.1

Über Marxismus-Leninismus-Maoismus reden viele: Die Kommunistische Partei Indiens (maoistisch), die Kommunistische Partei der Philippinen, die Kommunistische Partei der Türkei / Marxisten-Leninisten, die Kommunistische Partei Perus, um ein paar der größeren Parteien zu nennen. Es gibt eine ganze Reihe anderer, zum Beispiel die Leute von Prachanda in Nepal oder Leute unterschiedlicher Couleur in Europa; alle von unterschiedlicher Form, die alle gemeinsam haben, dass sie sich „Maoisten“ nennen. Wenn man die ideologische und politische Linie betrachtet, und in Konsequenz davon auch die organisatorische Linie dieser Parteien, gibt es da riesige Unterschiede. Daher ist innerhalb der kommunistischen Bewegung in der gegenwärtigen Lage der Kampf um die Definition des Maoismus eine sehr wichtige Frage.

Definitionen sind wichtig, so gibt es zum Beispiel Trotzkisten, die sich Leninisten nennen. Trotzkisten, die sich Bolschewiki nennen. Parteien wie die DKP u.ä. nennen sich Marxisten-Leninisten. Die MLPD behauptet auch, dass sie Marxisten-Leninisten seien. Aber es ist allgemein bekannt, dass es zwischen Trotzkisten und den Bolschewiki einen riesigen Unterschied gab, einen riesigen Unterschied gibt. Ebenso bestehen unter den unterschiedlichen Parteien, die sich marxistisch-leninistisch nennen oder nannten, riesige Unterschiede. Eine Definition ist keine Pedanterie, sondern eine Frage auf Leben und Tod der proletarischen Revolution, ist die Frage der ideologischen und politischen Linie.

Die Definition des Maoismus wurde vom Vorsitzenden Gonzalo, dem Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Perus, gemacht. Es gibt keinen „Maoismus im allgemeinen“, sondern nur einen, den Maoismus, wie er vom Vorsitzenden Gonzalo als neue, dritte und höhere Stufe des Marxismus systematisiert und synthetisiert wurde.

Warum demokratische Revolution

Das in diesem Artikel behandelte Thema ist von größtem, entscheidendem Gewicht in der proletarischen Weltrevolution. Die Frage der demokratischen Revolution ist die Frage, mit der die große Mehrheit des internationalen Proletariats, der unterdrückten Völker und Länder der Welt konfrontiert sind, als Verkörperung davon konkret auch die Mehrheit der Kommunistischen Parteien. Die Mehrheit der Menschheit und vor allem die Mehrheit der tiefsten und breitesten Massen, die Ärmsten und am meisten Ausgebeuteten und Unterdrückten auf dieser Welt leben in den unterdrückten Nationen. Die Revolution dort bestimmt in weiten Teilen die gesamte Entwicklung der gegenwärtigen Lage der proletarischen Weltrevolution. Diese Länder sind die Basis der proletarischen Weltrevolution. Darum wollen wir an dieser Stelle vor allem die Entwicklung in Ländern wie Bangladesch, Nepal und Brasilien unterstreichen, wo im unterschiedlichen Grad der bewaffnete Kampf, die Entwicklung der maoistischen Bewegung und/oder die Vorbereitungen für die Einleitung des Volkskrieges stattfinden. Vergleichen wir diese Entwicklungen innerhalb der IKB mit der, wie sie, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, in Kolumbien heutzutage von statten geht. Die Entwicklung der maoistischen Bewegung mit allen ihren Unterschieden bildet einen scharfen Kontrast zu den Kriegsherren der FARC in Kolumbien.2 Es ist nicht die Frage, wer die Gewehre hat, sondern welcher Linie die Kommunisten im Kampf um die Revolution folgen. Die FARC spricht viel über den Boden und die Bauern, aber ihre Linie, angeblich bauernfreundlich, ist im Wesen die reaktionärste von allen. Sie bedeutet die Herrschaft der Großgrundbesitzer, bedeutet eine bizarre Karikatur, eine Parodie der Forderungen der demokratischen Revolution.

Die demokratische Revolution ist eine der drei Typen der Revolution, die die Kommunisten auf der Welt durchführen müssen. In den unterdrückten Nationen müssen die Kommunisten die demokratische Revolution führen, um unmittelbar nach ihrem Sieg zur sozialistischen Revolution überzugehen. Auch der Charakter der Revolution, der wir gegenüber stehen, ist sozialistisch, und unter der Diktatur des Proletariats müssen mehrere proletarische Kulturrevolutionen entwickelt werden, um so auf dem Weg zum Kommunismus fortzuschreiten. Der Kommunismus ist und bleibt unser Ziel.

Die Frage der demokratischen Revolution bei Marx und Engels

Viele der Fragestellungen, die bezüglich dieses Themas entstehen – Was ist die demokratische Revolution? – Warum brauchen wir die demokratische Revolution? – werden bereits im Gründungsdokument der Kommunisten, dem Kommunistischen Manifest, erklärt, auf welches wir uns in diesem Dokument basieren werden. Es gibt in den Werken von Marx unzählige Artikel, Texte und Beispiele in denen Marx seine, d.h. unsere, Grundeinstellung in dieser Frage darlegt und erklärt. Wenn man sich z.B. mit der Frage der deutschen Nationen auseinandersetzt, sind die Ausarbeitungen in Bezug auf die deutsche Nation, das Verhältnis von Preußen und Österreich und die Revolution von 1848 ein sehr gutes Lehrstück. Wir gehen jedoch vom Kommunistischen Maifest aus, da es die Geburtsurkunde der IKB ist, wir mit ihm als Klasse ein Programm haben, das, wie Marx und Engels es selber gesagt haben, ein geschichtliches Dokument ist, welches wir nicht mehr das Recht haben zu ändern.

Die Bourgeoisie hebt mehr und mehr die Zersplitterung der Produktionsmittel, des Besitzes und der Bevölkerung auf. Sie hat die Bevölkerung agglomeriert, die Produktionsmittel zentralisiert und das Eigentum in wenigen Händen konzentriert. Die notwendige Folge hiervon war die politische Zentralisation. Unabhängige, fast nur verbündete Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen wurden zusammengedrängt in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz, ein nationales Klasseninteresse, eine Douanenlinie.“3

Hier zeigen Marx und Engels die revolutionäre Rolle, die die Bourgeoisie einst gespielt hat, ein Beispiel für die revolutionäre Tätigkeit der Bourgeoisie, ein Resultat und Erfolg der bürgerlichen Revolution.

Eine weitere prinzipielle Frage, die wir in der Frage des Verhältnisses der Klassen in der demokratischen Revolution, vom Ausgangspunkt von Marx und Engels, klar haben müssen, ist:

Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse. Die übrigen Klassen verkommen und gehen unter mit der großen Industrie, das Proletariat ist ihr eigenstes Produkt.“4

Von Anfang an also gehen Marx und Engels, unsere Gründer, davon aus, dass nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse ist. Das wird wichtig, denn dies erklärt uns später die Rolle der führenden Klasse – des Proletariats – in der demokratischen Revolution.

Die Arbeiter haben kein Vaterland. Man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben. Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen Klasse erheben, sich selbst als Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.“5

Das ist das Verhältnis des Proletariats zur Nation in der demokratischen Revolution. Eine andere wichtige Sache, die hierbei von Belang ist, ist das Marx und Engels in diesem Land – oder was dieses Land wurde – geboren und von dem Kampf hier geprägt wurden, trotzdem und vor allem deswegen haben sie eine sehr ausführliche Auseinandersetzung damit gemacht was es bedeutet deutsch zu sein, und was die „psychische Wesensart“ der Deutschen ist. Auch heute erkennt man bei näherem Hinsehen, dass viele dieser Charakteristika noch immer die sogenannte „linke“ Bewegung in diesem Land prägen.

Seinerseits erkannte der deutsche Sozialismus immer mehr seinen Beruf, der hochtrabende Vertreter dieser Pfahlbürgerschaft zu sein. Er proklamierte die deutsche Nation als die normale Nation und den deutschen Spießbürger als den Normalmenschen.“6

Eine wissenschaftliche, marxistische Haltung verbietet es davon auszugehen, dass die Deutschen die „Normalmenschen“ seien, und dass die Zustände in Deutschland die normalen seien. Aus diesem Grund müssen wir stets Anstrengungen machen die Dinge vom Ausgangspunkt des internationalen Proletariats her zu verstehen. Behaupteten wir der Rest der Welt sei doch wie Deutschland, wären wir nicht mehr als diese von der Geschichte mehrfach überholten und besiegten sogenannten deutschen Sozialisten. Im Kommunistischen Manifest fahren Marx und Engels mit den unmittelbaren Aufgaben, von deren Veränderung im Verlauf der Geschichte sie im Vorwort von 1872 sprechen, der bürgerlichen Revolution und das Verhältnis der Kommunisten dazu fort:

Unter den Polen unterstützen die Kommunisten die Partei, welche eine agrarische Revolution zur Bedingung der nationalen Befreiung macht, dieselbe Partei, welche die Krakauer Insurrektion von 1846 ins Leben rief.

In Deutschland kämpft die Kommunistische Partei, sobald die Bourgeoisie revolutionär auftritt, gemeinsam mit der Bourgeoisie gegen die absolute Monarchie, das feudale Grundeigentum und die Kleinbürgerei.

Sie unterläßt aber keinen Augenblick, bei den Arbeitern ein möglichst klares Bewußtsein über den feindlichen Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat herauszuarbeiten, damit die deutschen Arbeiter sogleich die gesellschaftlichen und politischen Bedingungen, welche die Bourgeoisie mit ihrer Herrschaft herbeiführen muß, als ebenso viele Waffen gegen die Bourgeoisie kehren können, damit, nach dem Sturz der reaktionären Klassen in Deutschland, sofort der Kampf gegen die Bourgeoisie selbst beginnt.

Auf Deutschland richten die Kommunisten ihre Hauptaufmerksamkeit, weil Deutschland am Vorabend einer bürgerlichen Revolution steht und weil es diese Umwälzung unter fortgeschrittneren Bedingungen der europäischen Zivilisation überhaupt und mit einem viel weiter entwickelten Proletariat vollbringt als England im 17. und Frankreich im 18. Jahrhundert, die deutsche bürgerliche Revolution also nur das unmittelbare Vorspiel einer proletarischen Revolution sein kann.

Mit einem Wort, die Kommunisten unterstützen überall jede revolutionäre Bewegung gegen die bestehenden gesellschaftlichen und politischen Zustände.“7

Das wird in einem Vorwort ausführlich erklärt:

Die rasche Entwicklung der polnischen Industrie, die der russischen über den Kopf gewachsen, ist aber ihrerseits ein neuer Beweis für die unverwüstliche Lebenskraft des polnischen Volks und eine neue Garantie seiner bevorstehenden nationalen Wiederherstellung. Die Wiederherstellung eines unabhängigen starken Polens ist aber eine Sache, die nicht nur die Polen, sondern die uns alle angeht. Ein aufrichtiges internationales Zusammenwirken der europäischen Nationen ist nur möglich, wenn jede dieser Nationen im eignen Hause vollkommen autonom ist. Die Revolution von 1848, die, unter proletarischer Fahne, proletarische Kämpfer schließlich nur die Arbeit der Bourgeoisie tun ließ, setzte auch durch ihre Testamentsvollstrecker Louis Bonaparte und Bismarck die Unabhängigkeit Italiens, Deutschlands, Ungarns durch; aber Polen, das seit 1792 mehr für die Revolution getan als alle diese drei zusammen, Polen überließ man sich selbst, als es 1863 vor der zehnfachen russischen Übermacht erlag. Die Unabhängigkeit Polens hat der Adel weder erhalten noch wiedererkämpfen gekonnt; der Bourgeoisie ist sie heute zum mindesten gleichgültig. Und doch ist sie eine Notwendigkeit für das harmonische Zusammenwirken der europäischen Nationen. Sie kann erkämpft werden nur vom jungen polnischen Proletariat, und in dessen Händen ist sie gut aufgehoben. Denn die Arbeiter des ganzen übrigen Europas haben die Unabhängigkeit Polens ebenso nötig wie die polnischen Arbeiter selbst.“8

Heute liegt die Sache so, dass in den unterdrückten Nationen die bürgerliche Revolution nicht durchgeführt wurde, das heißt die Nation als solche hat sich nicht vollkommen ausbilden können. Was dort als nationale Kultur entsteht, mit allen ihren Unterschieden, ist in vielen Fällen einfach, dass ein Volk oder eine Nationalität und ihre Kultur innerhalb eines Staates als die Herrschende durchgesetzt wird oder es wird irgendeine absurde „Mischung“ geschaffen. Egal wie genau, steht das alles unter der Herrschaft des Imperialismus, ist abhängig vom Imperialismus und mangelt es an der Durchführung der bürgerlichen Revolution. Was dort dann als Nationalkultur gilt, ist keine wahre nationale Kultur, da sie nicht unabhängig ist, nicht einem selbstständigen Land, einer selbstständigen Nation entspricht und deshalb wird diese angebliche nationale Kultur keine wirkliche nationale Kultur. Deshalb ist ein Teil der demokratischen Revolution der Kampf für die wirkliche Bildung der Nation, denn es gibt keine wirkliche, bis die Sache erledigt ist.

Was ist eine Revolution – das zu verstehen ist eine Notwendigkeit; genau so unter welchen Bedingungen eine Revolution zustande kommt und wie sich eine Revolution auswirkt. Das hat mit der Rolle der Kommunisten, wie die Kommunisten die Massen organisieren können, wie die Kommunisten die Revolution durchführen können, zu tun. Wie wird die Idee realisiert, wie wird der Marxismus eine materielle Kraft, sobald die Massen ihn verkörpern.

Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen.“9

Die Revolution wird nicht nach unseren Wunschvorstellungen gemacht, denn die Umstände entspringen nicht unseren Wunschvorstellungen. Die Revolution wird gemacht, wie die Umstände sind. Die Umstände müssen wir verändern, aber zunächst einmal müssen wir erkennen, wie die Umstände sind, um ein tieferes Verständnis zu erlangen:

Eine Revolution ist kein Gastmahl, kein Aufsatzschreiben, kein Bildermalen oder Deckchensticken; sie kann nicht so fein, so gemächlich und zartfühlend, so maßvoll, gesittet, höflich, zurückhaltend und großherzig durchgeführt werden. Die Revolution ist ein Aufstand, ein Gewaltakt, durch den eine Klasse eine andere Klasse stürzt.“10

Die Inkorporation der Massen

Das Verständnis dieser Zitate bildet eine Grundlage, um zu verstehen, wie die Massen sich verhalten. Die Revolution ist nicht: Zu den Massen zu gehen und eine große Diskussion mit den Massen zu führen. Die Revolution ist, besonders in ihrer Konkretisierung als langwieriger Volkskrieg, die Militärtheorie des internationalen Proletariats, ein Prozess der sich durch Sprünge nach vorne entwickelt, unter der Herrschaft der Bourgeoisie und in den unterdrückten Nationen unter der Herrschaft des bürokratkapitalistischen und Großgrundbesitzer Staates, als die Form der bürgerlichen Diktatur. An die Möglichkeit zu glauben, dass man herumlaufen, die Massen frei agitieren und alle Massen gewinnen könne und dann die Revolution siege, entspricht nicht der Erfahrung des internationalen Proletariats, entspricht nicht unserer eigenen Erfahrung.

Die KPD, auch als sie schon auf Abwegen war, war und ist eine Partei, die heute verboten ist. Die Kommunistische Partei Deutschlands zu rekonstituieren ist, glaubte man den Ausführungen der deutschen Reaktion, eine strafbare Handlung. Es ist eine Unmöglichkeit in Deutschland eine Partei aufzubauen, die tatsächlich die Partei der Klasse ist, und diese hier in Deutschland unter der bürgerlichen Demokratie mit ihrem Recht, mit ihren Freiheiten legal existieren kann. Das ist auf der ganzen Welt so und Deutschland ist im Vergleich zu anderen ein relativ liberales Land, wenn man vom bürgerlichem Recht ausgeht. Darum ist es besonders relevant, ein Verständnis darüber zu entwickeln, wie die Massen in die Revolution inkorporiert werden. Wir gehen dabei von der folgenden These aus:

Der Kampf um die Macht als die Hauptsache bedeutet nicht, dass wir von Anfang an die Massen auf einmal inkorporieren werden, da der Vorsitzende Mao uns lehrt, dass durch die Entwicklung von Stützpunktgebieten und bewaffneten Streitkräften man die Höhepunkte der Revolution hervor bringt; das hat zu tun mit dem Gesetz der Inkorporation der Massen in die Revolution, festgelegt in der Partei auf dem zweiten Plenum 1980, Inkorporation die sich ergeben wird in Sprüngen und fortschreitend; je mehr Volkskrieg, desto mehr Inkorporation der Massen, weil der Volkskrieg eine politische Tatsache ist, die mit kraftvollen Aktionen die Ideen in die Köpfe der Menschen einhämmert, welche Schritt für Schritt ihren einzigen und wahren Weg verstehen, so entwickelt sich ihr politisches Bewusstsein; der Volkskrieg ruft alle Revolutionäre zusammen und wenn er sich entwickelt bereitet er sich seinen eigenen Weg vor.“11

Die Frage der demokratischen Revolution bei Lenin

So wie von Marx und Engels gibt es ausführliche Dokumentation in einer großen Menge von Artikeln und Schriften von Lenin, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), der III. Internationale usw. über die demokratische Revolution und ihre Notwendigkeit. Sie gehen alle von dem aus, was Marx bereits im Kommunistischen Manifest und seinen späteren Schriften entwickelt hatte. Für Lenins Standpunkte über die demokratische Revolution und ihre Notwendigkeit ist die Schrift „Zwei Taktiken der russischen Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ zu empfehlen. Darin erklärt Lenin auf Basis der konkreten Praxis der russischen Revolution und der konkreten Notwendigkeiten der russischen Revolution, wie die demokratische Revolution in einem Land wie Russland zu entwickeln ist. Er entwickelt ein Verständnis von dem Verhältnis zwischen den Arbeitern und Bauern. Er entwickelt, dass die Bourgeoisie in der Epoche des Imperialismus nicht länger im Stande ist die demokratische Revolution zu führen, und dass dies die Aufgabe des Proletariats ist. Lenin entwickelt hier die These Engels zur polnischen Frage, die wir bereits behandelt haben, weiter. Er entwickelt die demokratische Revolution im Sinne von Marx‘ ununterbrochener Revolution, dass sie nach dem Sieg zur sozialistischen Revolution übergehen muss. Er entwickelt, wie im Prozess und Verlauf der demokratischen Revolution die Kommunisten, die Partei des Proletariats, die Neue Macht (in der Form der provisorischen Regierung) aufbauen muss. Er erklärt, wie das auf unterschiedlicher Ebene z.B. in einer Stadt oder in einem Bezirk stattfinden kann, es nicht das gesamte Land sein muss.

Nebenbei räumt das Dokument auf mit dem Schwachsinn, dass die Maoisten diejenigen seien, die die Frage der demokratischen Revolution erfunden hätten, die Maoisten diejenigen seien, die das Bündnis mit den Arbeitern und Bauern erfunden hätten, die Maoisten diejenigen seien, die die Volksrevolution erfunden hätten. Leute, die sich nie vernünftig mit Lenin auseinander gesetzt haben, sollten aufhören mit Lenin schachern zu wollen.

Der Grad der ökonomischen Entwicklung Rußlands (die objektive Bedingung) und der Grad des Klassenbewußtseins und der Organisiertheit der breiten Massen des Proletariats (die subjektive Bedingung, die mit der objektiven unlöslich verbunden ist) machen eine sofortige vollständige Befreiung der Arbeiterklasse unmöglich. Nur ganz unwissende Leute können den bürgerlichen Charakter der vor sich gehenden demokratischen Umwälzung ignorieren; nur ganz naive Optimisten können vergessen, wie wenig die Masse der Arbeiter bisher von den Zielen des Sozialismus und den Mitteln zu seiner Verwirklichung weiß. Und wir sind doch alle überzeugt, daß die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter selbst sein kann. Ohne Klassenbewußtsein und ohne Organisiertheit der Massen, ohne ihre Schulung und Erziehung durch den offenen Klassenkampf gegen die gesamte Bourgeoisie kann von der sozialistischen Revolution keine Rede sein. Und als Antwort auf die anarchistischen Einwände, daß wir angeblich die sozialistische Umwälzung hinausschieben, werden wir sagen: Wir schieben sie nicht hinaus, sondern machen den ersten Schritt zu ihr auf die einzig mögliche Weise und auf dem einzig richtigen Wege, nämlich auf dem Wege der demokratischen Republik. Wer auf einem anderen Weg als dem des politischen Demokratismus zum Sozialismus kommen will, der gelangt unvermeidlich zu Schlußfolgerungen, die sowohl im ökonomischen als auch im politischen Sinne absurd und reaktionär sind. Sollten uns manche Arbeiter im entsprechenden Augenblick fragen, weshalb wir denn nicht das Maximalprogramm verwirklichen, so werden wir ihnen mit dem Hinweis darauf antworten, wie fremd die demokratisch gestimmten Volksmassen dem Sozialismus noch gegenüberstehen, wie unentwickelt die Klassengegensätze, wie unorganisiert die Proletarier noch sind. Organisiert erst einmal Hunderttausende Arbeiter in ganz Rußland, weckt unter den Millionen die Sympathie für euer Programm! Versucht das zu tun, beschränkt euch nicht auf tönende, aber hohle anarchistische Phrasen — und ihr werdet sofort sehen, daß die Verwirklichung dieser Organisation, daß die Verbreitung dieser sozialistischen Aufklärung von der möglichst vollständigen Verwirklichung der demokratischen Umgestaltungen abhängig ist.“12

In den Ländern, in denen die demokratische Revolution durchzuführen ist, ist die demokratische Revolution eine notwendige Vorbereitung, um überhaupt die sozialistische Revolution machen zu können.

Der Marxismus lehrt den Proletarier nicht, sich von der bürgerlichen Revolution fernzuhalten, auf die Teilnahme an ihr zu verzichten, die Führung in ihr der Bourgeoisie zu überlassen, sondern im Gegenteil, er lehrt die energischste Teilnahme, den entschlossensten Kampf für den konsequenten proletarischen Demokratismus, für die Durchführung der Revolution bis zu Ende. Wir können den bürgerlich-demokratischen Rahmen der russischen Revolution nicht sprengen, wir können aber diesen Rahmen gewaltig erweitern, wir können und müssen innerhalb dieses Rahmens für die Interessen des Proletariats, für seine unmittelbaren Bedürfnisse und für solche Bedingungen kämpfen, die es ermöglichen, seine Kräfte für den künftigen vollen Sieg vorzubereiten.“13

Lenin versteht die Entwicklung der demokratischen Revolution in Russland als Zündfunke bzw. Katalysator für den revolutionären Brand in Europa; die demokratische Revolution stets als Teil der proletarischen Revolution und entsprechend sind auch ihre Auswirkungen in den entwickelten Ländern. Lenin argumentiert weiter:

Die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft ist zweifellos nur eine vorübergehende, zeitweilige Aufgabe der Sozialisten, aber es ist geradezu reaktionär, diese Aufgabe in der Epoche der demokratischen Revolution zu ignorieren.“14

Dieses ganze Dokument behandelt natürlich die Frage der Bauern sehr ausführlich. Dazu später mehr, aber die Bedeutung der Bauern in der proletarischen Weltrevolution sehen wir in unserem Symbol – Hammer und Sichel – Arbeiter und Bauern – als Symbol der Kommunisten.

Das Proletariat muß die demokratische Umwälzung zu Ende führen, indem es die Klasse der Bauernschaft an sich heranzieht, um den Widerstand der Selbstherrschaft mit Gewalt zu brechen und die schwankende Haltung der Bourgeoisie zu paralysieren.“15

Das Proletariat muss die Bauernschaft um sich vereinen, muss auch die Kleinbourgeoisie vereinen und sie führen. Nicht ausgehend von den Wünschen, wie die Welt sein sollte, sondern davon, wie die Welt ist. Wir müssen davon ausgehen, wie die Bauern sind und wir müssen davon ausgehen, wie die Kleinbourgeoisie ist. Lenin sagt weiter:

Ja, der Volksrevolution. Die Sozialdemokratie kämpfte und kämpft mit vollem Recht gegen den bürgerlich-demokratischen Mißbrauch des Wortes Volk. Sie verlangt, daß mit diesem Wort nicht das Unverständnis für die Klassenantagonismen innerhalb des Volkes bemäntelt wird. Sie besteht kategorisch darauf, daß es für die Partei des Proletariats notwendig ist, ihre volle Klassenselbständigkeit zu bewahren. Sie teilt aber das „Volk“ nicht in „Klassen“ ein, damit die fortgeschrittenste Klasse sich abkapselt, sich auf ein enges Maß beschränkt und ihre Tätigkeit durch Erwägungen von der Art beschneidet, daß die ökonomischen Beherrscher der Welt bloß nicht abschwenken – sondern damit die fortgeschrittenste Klasse, unbehindert von der Halbschlächtigkeit, Unbeständigkeit und Unentschlossenheit der Mittelklassen, mit um so größerer Energie, mit um so größerem Enthusiasmus an der Spitze des ganzen Volkes für die Sache des ganzen Volkes kämpft.“16

Der Term Volk wird von Marxisten nicht benutzt, um die Klassengegensätze zu verschleiern oder die Existenz der Klassen zu negieren. Wir akzeptieren den bürgerlich demokratischen Inhalt dieses Wortes nicht und freilich auch nicht den bürgerlich faschistischen. Aber fahren wir mit Lenin fort:

Die Revolution ist bei uns eine allgemeine Volksrevolution, sagt die Sozialdemokratie dem Proletariat. – Darum mußt du, als die fortgeschrittenste und einzige bis zu Ende revolutionäre Klasse, nicht nur die energischste, sondern auch die führende Teilnahme an ihr anstreben. Darum darfst du dich nicht in einen eng verstandenen Rahmen des Klassenkampfes, hauptsächlich im Sinne der Gewerkschaftsbewegung, einfügen, sondern mußt umgekehrt danach streben, den Rahmen und den Inhalt deines Klassenkampfes so weit auszudehnen, daß er nicht nur alle Aufgaben der gegenwärtigen, demokratischen, allgemeinen russischen Volksrevolution, sondern auch die Aufgaben der künftigen sozialistischen Revolution umfaßt. Darum mußt du, ohne die Gewerkschaftsbewegung zu ignorieren und ohne auf die Ausnutzung der geringsten legalen Möglichkeit zu verzichten, in der Epoche der Revolution die Aufgaben des bewaffneten Aufstands, der Schaffung einer revolutionären Armee und der Bildung einer revolutionären Regierung in den Vordergrund rücken, als den einzigen Weg zum vollen Sieg des Volkes über den Zarismus, zur Erkämpfung der demokratischen Republik und wirklicher politischer Freiheit.“17

Gut. Die demokratische Revolution in Russland wurde durchgeführt. Sie hat gesiegt. Sie wurde jedoch nicht unter der Führung des Proletariats durchgeführt. Die bürgerliche Revolution in Russland siegte mit der Februarrevolution. Nachdem diese gesiegt hatte gingen Lenin und die Bolschewiki unmittelbar zum Kampf für die sozialistische Revolution über, welche wir alle kennen, die Oktoberrevolution. Deswegen sprachen die Bolschewiki immer über die Große Sozialistische Oktoberrevolution. Das war eine Besonderheit der russischen Revolution.

Die demokratische Revolution in China und der Beitrag des Vorsitzenden Mao

Die demokratische Revolution ist eine bürgerliche Revolution, aber die Bourgeoisie kann diese Revolution nicht führen. Darum muss das Proletariat diese Aufgabe erledigen. Das Proletariat muss dies unter den konkreten geschichtlichen Bedingungen machen. Diese Bedingungen werden charakterisiert durch die Epoche des Imperialismus, die letzte und höchste Stufe des Kapitalismus. Das stellt die proletarische Revolution und die Führung der demokratischen Revolution durch das Proletariat unmittelbar auf die Tagesordnung.

Der Vorsitzende Mao lehrt:

Die neudemokratische Revolution ist keine beliebige Revolution, sondern kann und muß einzig und allein eine Revolution der breiten Volksmassen unter der Führung des Proletariats gegen Imperialismus, Feudalismus und bürokratischen Kapitalismus sein. Das bedeutet, daß diese Revolution von keiner anderen Klasse und Partei als dem Proletariat und der Kommunistischen Partei Chinas geführt werden kann und muß. Das bedeutet, daß die Einheitsfront der an dieser Revolution Teilnehmenden sehr breit ist. Sie umfaßt die Arbeiter, die Bauern, die selbständigen Handwerker, die Angehörigen freier Berufe, die Intellektuellen, die nationale Bourgeoisie und die Gruppe der aufgeklärten Schenschi, die sich von der Grundherrenklasse abgespalten hat. Sie zusammen bilden das, was wir als Volksmassen bezeichnen. Der von diesen Volksmassen zu gründende Staat und seine Regierung werden die Volksrepublik China und eine unter der Führung des Proletariats stehende und auf dem Bündnis aller demokratischen Klassen beruhende demokratische Koalitionsregierung sein.“18

Zum bürokratischen Kapitalismus

Die Entwicklung des Imperialismus bedeutet Herrschaft des Finanzkapitals. Das Finanzkapital und der Imperialismus haben ein sehr wichtiges Merkmal, den Kapitalexport, sowie die Aufteilung der unterdrückten Nationen unter einer handvoll von imperialistischen Großmächten. Die bürgerliche Revolution wurde in einer Menge Länder der Welt nicht durchgeführt. In diesen Ländern, hauptsächlich in Asien, Afrika und Lateinamerika, hat die Bourgeoisie die Revolution nicht durchführen können wie sie es z.B. in England und Frankreich und später auch in Deutschland tat. Die dortige Bourgeoisie steht unter dem Joch des Imperialismus, dem imperialistischen Finanzkapital und geriet in eine Entwicklung, in der sie – wenn sie nicht direkte Kolonien sind, sondern eine politische „Unabhängigkeit“ haben – vollständig ökonomisch abhängig sind.

Der Vorsitzende Mao analysiert die konkreten Bedingungen der chinesischen Revolution diesbezüglich:

Weil die Tschiangkaischek-Regierung lange Zeit eine reaktionäre Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieben hat und weil Tschiang Kai-scheks bürokratisch-kompradorisches Kapital mit dem imperialistischen Kapital der USA durch den berüchtigten landesverräterischen chinesischamerikanischen Handelsvertrag eng verknüpft ist, hat sich schnell eine bösartige Inflation entwickelt; Chinas nationale Industrie und nationaler Handel gehen mehr und mehr dem Bankrott entgegen; die Lebenshaltung der werktätigen Massen, der öffentlichen Bediensteten und der Lehrer verschlimmert sich mit jedem Tag; zahlreiche Angehörige der Mittelschichten verlieren mehr und mehr ihre Ersparnisse und werden zu Besitzlosen; darum gibt es immer wieder Arbeiter und Studentenstreiks und andere Kämpfe. Eine Wirtschaftskrise, viel schlimmer als China sie je erlebt hat, bedroht alle Volksschichten.“19

Der Vorsitzende Mao führt zu dieser Frage weiter aus:

Der Bodenbesitz der Feudalklasse wird beschlagnahmt und geht in den Besitz der Bauern über; das Monopolkapital unter Führung von Tschiang Kai-schek, Sung Dsi-wen, Kung Hsiang-hsi und Tschen Lifu wird enteignet und geht auf den neudemokratischen Staat über; Industrie und Handel der nationalen Bourgeoisie werden geschützt das sind die drei wirtschaftlichen Hauptrichtlinien der neudemokratischen Revolution. Die vier großen Familien Tschiang, Sung, Kung und Tschen haben während ihrer zwanzigjährigen Herrschaft ein gewaltiges Vermögen im Werte von 10-20 Milliarden USA Dollar zusammengerafft, sie haben die wirtschaftlichen Kommandohöhen im ganzen Land monopolisiert. Dieses Monopolkapital ist durch die Verbindung mit der Staatsgewalt zum staatsmonopolistischen Kapitalismus geworden. Dieser monopolistische Kapitalismus, der eng mit dem ausländischen Imperialismus, der heimischen Grundherrenklasse und den heimischen Großbauern alten Typus verbunden ist, ist zu einem staatsmonopolistischen Kapitalismus mit Kompradoren- und Feudalcharakter geworden. Das ist die ökonomische Basis des reaktionären Regimes Tschiang Kai-scheks. Dieser staatsmonopolistische Kapitalismus unterjocht sowohl die Arbeiter und Bauern wie auch das städtische Kleinbürgertum und schadet der mittleren Bourgeoisie.“20

Besonderes Gewicht hat hier die Frage der Milliarden Dollar, weil heute beispielsweise von der MLPD argumentiert wird, dass aufgrund der Größe des Kapitals z.B. Saudi-Arabiens, dieses zu einer sogenannten „neu-imperialistischen“ Macht geworden sei. Aber dieses Kapital ist abhängig groß geworden und abhängig geblieben. Seine Quantität sprengt nicht den Rahmen dieser Qualität.

Wenn das, was Vorsitzender Mao schreibt, ignoriert wird, kann man nicht verstehen, was mit den ehemaligen Halbkolonien des russischen Sozialimperialismus geschieht, nicht den unvergleichlichen Reichtum eines einzelnen Mexikaners oder bestimmter Mitglieder der indischen bürokratischkapitalistischen Klasse, nicht Saudi-Arabien, Qatar, Kuwait usw. verstehen. Das Nicht-Verstehen führt zu revisionistischen Standpunkten über die Entwicklung des Kapitalismus, seiner neuen Phase. Diese werden auf evolutionierteste Art und Weise von der revisionistischen und kapitulationistischen Rechtsopportunistischen Linie in Peru als angebliche zweite ursprüngliche Akkumulation argumentiert. Was für eine Absurdität – ursprünglich und zweimal!21

Diese Abhängigkeit gibt diesen Ländern einen halbkolonialen Charakter. Dadurch, dass die bürgerliche Revolution nicht durchgeführt wurde, bleiben Überreste des Feudalismus erhalten. Es handelt sich nicht um durch und durch feudale Länder, denn es existiert auch Kapitalismus. Offensichtlich wird Kapital nicht zur Entwicklung des Feudalismus, sondern einer Art von Kapitalismus exportiert. Die bürgerliche Revolution und ihre Aufgaben, darunter die weitestgehende Überwindung aller Reste des Feudalismus, wurde nicht durchgeführt und der Feudalismus existiert entsprechend weiter – als Halbfeudalismus. Es entwickelt sich ein Kapitalismus aber dieser brachte keine einheitliche und starke Bourgeoisie hervor, die die demokratische Revolution durchsetzen konnte.

Diese Bourgeoisie besteht vor allem aus dem Handelskapital und dem Kapital der Großgrundbesitzer, aus dem das einheimische Bankenkapital entsteht. Mit dem Kapitalexport wird dieses schwache einheimische Kapital dem viel mächtigerem imperialistischen Finanzkapital unterworfen. So entsteht eine besondere Form des Kapitalismus in den unterdrückten Nationen. Dieser Kapitalismus wurde früher Kompradorkapitalismus genannt und später wurde der Terminus bürokratischer Kapitalismus entwickelt. Die Bourgeoisie in den unterdrückten Nationen steht in einer direkten Abhängigkeit und teilt letztlich die Interessen des imperialistischen Finanzkapital vollkommen. Die Großbourgeoisie in den unterdrückten Nationen hat kein Interesse an der bürgerlichen Revolution, denn ihre ganze Macht besteht in der herrschenden Ordnung und der Herrschaft des Imperialismus.

Einige aktuelle Zahlen zum bürokratischen Kapitalismus

Um diese Sache nochmals zu verdeutlichen wenden wir uns konkreten Zahlen zu. Als Beleg dafür, dass die Türkei ein imperialistisches Land und kein halbfeudales, halbkoloniales Land, in dem sich bürokratischer Kapitalismus entwickelt ist, werden des Öfteren zwei Beispiele genannt. Das erste Beispiel, das angeführt wird, ist die Koç Holding. Aufgrund der Auflistung dieses Unternehmens in der Fortune Global 500 (2009: #172) und dem Anteil von 12% des gesamten Volumen des Warenexports der Türkei wird dieses Unternehmen aufgeführt als Beleg dafür, ein türkisches unabhängiges kapitalistisches Unternehmen zu sein.

Wenn man sich aber mit der Geschichte und den einzelnen Tochterfirmen dieser Holding auseinandersetzt, sieht man zum einen die Grundlage der Entwicklung, die auf der „Zusammenarbeit“ mit Yankee-Unternehmen oder Konzernen aus der BRD basieren. Aus der Firmengeschichte erfährt man, dass der Gründer ein Händler war, der als Repräsentant der Konzerne Ford und Standard Oil (heute ExxonMobil) in der Türkei fungierte, für sie Verträge schloss und sein Unternehmen mit der Errichtung einer Fabrik zusammen mit General Electric begann. Es handelt sich hierbei um ein Beispiel, wie Handelskapital aus einer unterdrückten Nation, der Türkei, mit dem yankee-imperialistischen Finanzkapital verschmolz und zu dessen Handlanger in der Türkei wurde. Auch der weitere Ausbau der Firma geschah in der Hauptsache durch Verschmelzung und Unterordnung mit/unter imperialistischem Finanzkapital, z.B. Siemens. Das gilt auch für Subunternehmungen der Holding, so die Firma Tofas, die als „Joint-Venture“ mit Fiat gegründet wurde, was nichts anderes bedeutet als das oben genannte, diesmal mit italienischem Finanzkapital. So konnte Fiat in der Türkei eines seiner drei großen Produktionszentren errichten.22 Auch das imperialistische Finanzkapital der BRD engagiert sich in diesem Konglomerat und zwar durch die Firma Fuchs, in Form des Subunternehmens Opet.23 Britisches und niederländisches Finanzkapital (Shell) übernahm durch Koç die Aktienmehrheit des einzigen Erdölverarbeiters der Türkei, Tüpraş, und damit alle Raffinerien in der Türkei.24 Wir sehen also, dass es sich hierbei von Anfang an in keinster Weise um ein eigenständiges türkisches Unternehmen handelt, sondern um ein Monopol, welches unter der absoluten Vorherrschaft des imperialistischen Finanzkapitals verschiedener Länder steht.

Das zweite ist die Behauptung, dass in der Türkei von einem eigenständigen Unternehmen LKW produziert werden sollen. Die Rede dabei ist von Ercanlar A.Ş. (Anonim Şirket; dt.: anonyme Gesellschaft, also Aktiengesellschaft). Was diese Firma aber tatsächlich gemacht hat, war seit den frühen 50er Jahren von der MAN AG in der BRD produzierte LKW zu importieren und in der Türkei zu verkaufen. Nachdem dies durch Importbeschränkungen im Jahr 1962 nicht mehr möglich war wurde 1966 ein „gemeinsames Unternehmen“ gegründet, MAN Kamyon ve Otobüs Sanayi A.Ş.. Diese Firma importiert Teile der LKW, die in der Türkei montiert und als fertige LKW verkauft werden.25 MAN hält 81% der Anteile der Firma. MAN selbst ist im übrigen zu 75,7% im Besitz der Volkswagen AG und steht somit unter direkter Kontrolle des deutschen Staates BRD. Der deutsche Staat kontrolliert also mittelbar einen Teil (neben Fiat, Ford, Daimler, Paccar u.ä. – allesamt Teil des imperialistischen Finanzkapitals) der LKW-Produktion in der Türkei. Angesichts solcher Tatsachen müsste man schon die Grenzen zur Debilität überschritten haben, um zu behaupten, dass es sich hierbei um einen Beweis für eine unabhängige kapitalistische Entwicklung in der Türkei handele.

Einige Beispiele dafür, wie der deutsche Imperialismus bürokratischen Kapitalismus entwickelt liefert die „Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“ (GIZ), ein Unternehmen, das Aufträge des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und anderen Ministerien sowie der Europäischen Kommission, der Vereinten Nationen und der Weltbank umsetzt. Sie hat in 130 Ländern über 17.000 Angestellte, dokumentiert ihre Tätigkeit sehr eindrücklich und geht dabei auch auf die „Probleme“ der einzelnen Länder, in denen sie agiert ein.

Ein Beispiel ist Afghanistan, welches durch die deutsche Armee militärisch besetzt ist. In Afghanistan sind 60% der Arbeitsplätze in landwirtschaftlicher Produktion. Diese zeichnet sich durch eine relativ niedrige Produktivität und einen hohen Grad an Subsistenzwirtschaft aus. Der deutsche Imperialismus organisiert durch die GIZ einen „intensiveren Dialog zwischen öffentlichen und privatwirtschaftlichen Verantwortlichen“, d.h. der deutsche Imperialismus übt direkt Druck sowohl auf die staatlichen Organe als auch auf nichtstaatliche Unternehmungen aus, um „Hemmnisse für die Entwicklung der einzelnen Wertschöpfungsketten [zu] mindern“.26 So sollen die afghanischen Bauern dazu gezwungen werden mehr für die Besatzer nutzbare Waren zu produzieren. Der deutsche Imperialismus organisiert durch die GIZ auf Basis der Behauptung, in Afghanistan produzierte Teppiche hätten eine zu schlechte Qualität, die „Ausbildung“ von Frauen, um „ihre Spinntechniken zu verbessern, um Teppiche in höherer Qualität herzustellen“. Noch konkreter wird es bei dem Beispiel der Produktion von „hochwertigem biozertifiziertem Rosenöl“, das exportiert wird. Stolz klopft sich die GIZ auf die eigenen Schultern, dass den 700 dafür eingesetzten Bauernfamilien dafür nur 400€ im Jahr gezahlt werden müssen.27

In Westafrika ist die Produktion von Kakao ein Problem, dass die GIZ „anpacken muss“. Aus der Region der Länder Nigeria, Ghana, Elfenbeinküste und (der ehemaligen deutschen Kolonie DeutschWestafrika) Kamerun und Togo, kommen über 70% des weltweit produzierten Kakaos, über 80% des in die BRD importierten Kakaos. Das GIZ „unterstützt“ die Bauern vor Ort, indem sie ihnen beibringt, wie sie mehr und besseren Kakao für die BRD produzieren können. Ein praktischer Nebeneffekt dieser Schulungen ist, dass über 60% der Bauern Bankkonten eröffnet haben, um „Geld als Eigenkapital für neue Kredite“ anzusparen, genauer: sich zu verschulden.28

Unterdrückte Nationen…

Drei Merkmale sind gemeinsam für die unterdrückten Nationen:

  • Sie sind halbkolonial.

  • Sie sind halbfeudal.

  • Es entwickelt sich ein bürokratischer Kapitalismus.

Durch diese drei Hauptcharakteristika entstehen in der Gesellschaft Widersprüche. In der bürgerlichen Gesellschaft, in der Gesellschaft in der wir leben, ist der Hauptwiderspruch Proletariat – Bourgeoisie. Die Widersprüche in den unterdrückten Nationen sind: Massen gegen Feudalismus, Nation gegen Imperialismus und Volk gegen bürokratischen Kapitalismus.

… konkretisiert in der chinesischen Revolution

In China herrschten alle diese Umstände und die Kommunisten in China mussten dafür eine Lösung finden. Das ist u.a. was der Vorsitzende Mao tat. China hatte nicht die gleichen Voraussetzungen wie die Länder, die später imperialistische Länder wurden. Die chinesischen Genossen mussten, wie die Kommunisten in Deutschland zur Zeit von Marx und Engels oder die Kommunisten in Russland in der Zeit von Lenin, entsprechend neue Probleme lösen. Sie mussten dies in einer Gesellschaft tun, in der aufgrund des unterentwickelten Kapitalismus und dem Fortbestehen des Feudalismus das

Proletariat eine verhältnismäßig sehr kleine Klasse war, in einer Gesellschaft mit riesigen Massen halbproletarischer Elemente, vor allem konkretisiert in der Bauernschaft, in einer Gesellschaft mit einer Bauernschaft mit vielen Unterschieden. Unter den Bauern gab es arme Bauern, die kein eigenes oder sehr wenig eigenes Land hatten, mittlere Bauern, die – vereinfacht gesagt – gerade so überleben konnten und reiche Bauern, die tatsächlich gut von ihrem Land leben konnten und unterschiedliche Teile der Massen ausbeuteten (z.B. Knechte halten). Diese Gesellschaft hatte auch ein riesiges Kleinbürgertum, von Intellektuellen über kleine Ladenbesitzer, kleine Handwerker, bis hin zu kleinen Kaufleuten (Straßenverkäufer usw.). Das war eine riesige soziale Schicht. Dazu kommt eine zahlenmäßig kleine mittlere Bourgeoisie (kleine Fabrikanten, die für den lokalen Markt produzieren, Angestellte haben – also Lohnarbeit ausbeuten). Diese mittlere Bourgeoisie hat einen dualen Charakter. Auf der einen Seite wollen sie Großbourgeoisie werden, aber auf der anderen Seite werden sie durch den bürokratischen Kapitalismus und seine Monopole unterdrückt. Diese mittlere Bourgeoisie ist eine Klasse, die in dieser Form nicht in den imperialistischen Ländern existiert. In Deutschland gibt es den Begriff Mittelstand, aber der Mittelstand in Deutschland hat nichts mit der mittleren Bourgeoisie in den unterdrückten Ländern zu tun.

Der Vorsitzende Mao hat diese konkrete Realität der chinesischen Gesellschaft allumfassend analysiert. Es sind Umstände, die andere sind, als in imperialistischen Länder, wo das Proletariat die größte Klasse ist, die bürgerliche Revolution durchgeführt wurde, feudale Reste überwunden wurden. Kurz: Die nationalen Aufgaben, die sich in der bürgerlichen Revolution stellen und gelöst werden, wurden nicht gelöst und das muss geschehen. Eine Problematik, die Lenin benannt hat, aber der Vorsitzende Mao Tsetung entwickelt ein volles Verständnis davon, wie die Revolution in den unterdrückten Ländern durchzuführen ist. Er entwickelt ein neues Konzept. Dieses ist weiter entwickelt, als das von Lenin oder Marx: Die Neue Demokratie.

Die demokratische Revolution in Peru und der Beitrag des Vorsitzenden Gonzalo

Wir haben bis hierher grundlegende Thesen des Marxismus-Leninismus-Maoismus dargestellt und wollen nun an einem konkreten Beispiel zeigen, wie dies verwirklicht wird. Wir ziehen dafür die demokratische Revolution der Kommunistischen Partei Perus als Beispiel heran. Die Linie der Demokratischen Revolution ist ein Teil der Allgemeinen Politischen Linie der KPP, angenommen auf dem I. Parteitag im Jahr 1988. Sie ist daher ein, im Vergleich mit den anderen Dokumenten die wir für diese Schrift verwendet, haben ein aktuelleres Dokument (im Sinne der Aktualität der konkreten Umstände der Revolution, der Entwicklung im gegenwärtigen Kampf zwischen Revolution und Konterrevolution auf Weltebene; die Klassiker des Marxismus haben ihre Aktualität nicht verloren).

In diesem Dokument analysiert die KPP die Bedingungen und Voraussetzungen für die Revolution in Peru in ihrem gegenwärtigen Moment. Sie entwickelt darin, warum Peru ein halbkoloniales und halbfeudales Land ist, in dem sich ein bürokratischer Kapitalismus entwickelt. Wie die KPP mit Volkskrieg den bürokratkapitalistischen und Großgrundbesitzerstaat zerstört und die demokratische Revolution entwickelt, um die Volksrepublik Perus zu gründen und von diesem Moment an, mit dem Sieg im ganzen Land, unmittelbar zur sozialistischen Revolution überzugehen.

Die KPP schreibt:

Warum ist es halbfeudal? Der Vorsitzende Gonzalo legt vor: „Das heruntergekommene halbfeudale System dauert fort und prägt das Land von seinen tiefsten Gründen bis zu seinen am weitesten entwickelten Ideen. Und in Essenz behält es die Bodenfrage dauerhaft als Motor des Klassenkampfs der Bauernschaft, besonders der armen, die die immense Mehrheit bildet.“ Er merkt für uns an, dass die Bodenfrage weiter andauert, weil die halbfeudalen Ausbeutungsverhältnisse aufrecht gehalten werden, durch die Evolution des Halbfeudalismus, das Grundproblem der Gesellschaft, das zum Ausdruck kommt in Boden, Leibeigenschaft und Gamonalismo; Bedingung, die wir in all ihren Aspekten sehen müssen ökonomisch, politisch und ideologisch, sowohl in der Basis, als auch im Überbau. Er zeigt wie die Bauernschaft etwa 60% der Bevölkerung ausmacht, die über Jahrhunderte das Land bestellten, jedoch an das Grundeigentum und die Leibeigenschaft gefesselt ist; er lehrt uns, dass eine große Konzentration des Bodens in wenigen Händen vorhanden ist in assoziativen und nicht-assoziativen Formen und dass die immense Mehrheit der Bauernschaft die arme Bauernschaft ist, die keinen Boden hat und wenn sie ihn haben ist es sehr wenig, was Raum für das Minifundium gibt, das der Gefräßigkeit des Latifundium unterworfen ist.

Diese Bedingung zerquetscht die Bauernschaft in einem System der Leibeigenschaft, die, wie Lenin lehrte, in tausenderlei Form auftritt und deren Essenz die persönliche Unterwerfung ist.“29

Es werden dann unterschiedliche Formen der Unterdrückungsmethoden und der Gratisarbeit, die damals in Peru vorhanden waren, dargestellt. Die KPP schreibt dann weiter:

Außerdem ist bekannt, dass von drei Bauern, die arbeiten können, nur einer arbeitet und der Staat versucht die unbeschäftigte Arbeitskraft zum Vorteil der Gratisarbeit zu kanalisieren; wir können auch, vor allem im Hochland, eine autarke Wirtschaft, außerhalb der nationalen Wirtschaft beobachten.

Der Vorsitzende Gonzalo erhebt, sich im Marxismus-Leninismus-Maoismus wiederbestätigend, das Prinzip, dass die Agrarreform darin besteht das feudale Eigentum der Großgrundbesitzer zu zerstören; in der individuellen Übergabe an die Bauern unter der Losung „Jedem Pflüger sein Feld“ und das wird erreicht mit Volkskrieg und Neuer Macht, geführt durch die Kommunistische Partei; ebenso die These von Lenin, dass, es in der Landwirtschaft zwei Wege gibt: Den Weg der Großgrundbesitzer, der reaktionär ist, den Feudalismus evolutioniert und zu dem alten Staat führt und den Weg der Bauern, der fortgeschritten ist, den Feudalismus zerstört und zum neuen Staat führt.“30

Die KPP entwickelt, wie dies in Peru konkretisiert wird. Der Vorsitzende Gonzalo demaskiert die Form der Korporativierung, wie der Staat versucht die Massen auf dem Weg des Feudalismus zu behalten. Daraus ergeben sich neue Formen der Konzentration des alten Großgrundbesitzes:

Dieser Grundbesitzerweg kommt politisch zum Ausdruck im alten Staat durch den Gamonalismo; wie Mariátegui sagt, der Gamonalismo beschreibt nicht nur eine soziale und ökonomische Kategorie, sondern ein ganzes Phänomen, das nicht nur durch die Gomonalen repräsentiert wird, im eigentlichen Sinne, sondern eine lange Hierarchie von Funktionären, Zwischenhändlern, Agenten, Parasiten usw. und der zentrale Faktor des Phänomens ist die Hegemonie des halbfeudalen Großeigentums in der Politik und im Mechanismus des Staates, welche man an der Wurzel angreifen muss.

Und der Vorsitzende Gonzalo hebt besonders die Manifestation des Halbfeudalismus in der Politik und im Mechanismus des Staates hervor, dadurch dass er versteht wie der Gamonalismo die politische Manifestation des Halbfeudalismus ist, auf welche dieses Regime der Leibeigenschaft, in dem Bosse und Lakaien, Repräsentanten des alten Staates in den fernsten Dörfern des Landes sind, auch wenn sie ihre Kleidung ändern, je nach dem welche Regierung es gibt. Faktor gegen welchen die Speerspitze gerichtet wird in der demokratischen Revolution, wenn es zum Agrarkrieg kommt.“31

Der „Gamonal“ ist der Grundbesitzer, eine Person mit absoluter Macht und Autorität innerhalb eines Gebietes. Durch ein ganzes System totaler Abhängigkeit werden vom Gamonal soziale Beziehungen geschaffen, z.B. durch Aufbau der Infrastruktur, Geschenke oder Feste und diese zum Durchsetzen seiner Klasseninteressen ausgenutzt. Diese besondere Form der Abhängigkeit, die wiederum durch bestimmte soziale Beziehungen zu verschleiern versucht wird, beinhaltet auch umsonst geleistete Arbeit.

Über Halbfeudalismus

Von den vielen unterschiedlichen Aspekten werden wir an dieser Stelle auf die Frage des Halbfeudalismus zentrieren. Das klassische Bild des Feudalismus im sogenannten Mittelalter in Europa zeichnet einen Baron, der auf seiner Burg sitzt und auf seinen Feldern arbeiten Leibeigene. Für Lateinamerika ist dieses Bild die klassische Hazienda, wo der Gutsherr allein auf seinem großen Pferd reitet, mit seinem Hut und auf die Bauern herab blickt, die auf dem Feld arbeiten. In Peru gibt es keine Barone. Die Haziendas existieren noch, aber die Großgrundbesitzer sind sehr selten dort und der Name wurde geändert. Die Hazienda heißt nicht mehr Hazienda, sondern wird als eine angebliche GmbH mit dem Großgrundbesitzer als Chef dieser angeblichen GmbH entwickelt.

Von Interesse sind jedoch weder Namen oder oberflächliche Erscheinungen, sondern die Formen, in denen die Ausbeutung existiert. Wie ist das Verhältnis des Bauern zum Boden, wie kommt dieses Ausbeutungsverhältnis – wie Lenin sagte, in tausenderlei Formen – zum Ausdruck? In der kapitalistischen Wirtschaft, heute in ihrer imperialistischen Stufe, ist die Entwicklung auch beim Boden die zum Monopol. Große Agrarkonzerne beherrschen die Produktion und die Ausbeutung. Dazu gibt es kapitalistische Farmen, der Teil der Bauern, den wir z.B. in der BRD kennen. Eine Landwirtschaft ist in den imperialistischen Ländern im allgemeinen eine ausgeprägte kapitalistische Tätigkeit. In den unterdrückten Ländern haben die Mehrheit der Bauern kein Landeigentum und wenn sie Land haben, dann sehr wenig – Minifundien (kleinste Ländereien). Die Latifundien (riesige Ländereien) sind der dominierende Aspekt auf welchem die Bauern arbeiten. Wie diese Arbeit stattfindet und wie das konkretisiert wird, wird, wie es immer der Fall ist, von der Bourgeoisie vertauscht. Die bürgerlichen Statistiker behaupten es gibt eine enorm große Dienstleistungsgesellschaft in Peru. Genauso, wie es angeblich keine Proletarier mehr in den imperialistischen Ländern gibt – alle seien Dienstleister. Mit dem selben Trick wird die Bauernklasse in den unterdrückten Ländern negiert. Arbeiter, die z.B. Pakete austragen, sind nach bürgerlicher Statistik nicht Arbeiter, sondern sind Dienstleister. Der Bauer, der Teilzeit auf dem Land des Großgrundbesitzers arbeitet, macht das angeblich nicht in irgendeiner Form des Abhängigkeitsverhältnisses von dem Großgrundbesitzer, sondern als Dienstleister. Das ist die bürgerliche Manipulation der Statistik.

Jede Form der angeblichen kapitalistischen Entwicklung, die unter der Herrschaft des bürokratkapitalistischen Großgrundbesitzerstaats in den unterdrückten Nationen vorgeht, dient als eine Evolution des Feudalismus. Diese Evolution des Feudalismus erlaubt vielen, die Verwirrung stiften wollen, zu behaupten, dass der Feudalismus aufgehört habe zu existieren. Die Sache ist: Halbfeudalismus bedeutet nicht Feudalismus pur, dann wäre es nicht Halbfeudalismus. Es ist nicht so, dass die unterdrückten Nationen reine feudale Strukturen wären, oder dass auf dem Land kein Kapitalismus existiere. Freilich gibt es Kapitalismus. Aber Halbfeudalismus ist genau das. Der Feudalismus existiert in bestimmter Form weiter. Die Frage des Gamonalismus ist wichtig, denn sie ist eine Frage des politischen Verständnisses. Wir haben beschrieben, wie dieser sich äußert und Gamonale sind als Grundbesitzer zu verstehen – eine besondere Art, wie der Halbfeudalismus zum Ausdruck kommt.

Einige aktuelle Zahlen zum Halbfeudalismus

Nochmals konkrete Zahlen, diesmal zum Halbfeudalismus: Durch das in Indien bestehende Kastensystem werden einige Menschen, Dalit genannt, weiterhin in sklavenähnlicher Abhängigkeit gehalten. Die meisten von ihnen arbeiten als Tagelöhner in der Landwirtschaft. Die Abhängigkeit erfolgt dabei aus der Not, Schulden machen zu müssen, diese wiederum durch Arbeit abzugelten, und sich für Ausgaben wie Kleidung erneut zu verschulden. Dabei gehen ihre Schulden bei ihrem Tod auf ihre Kinder über.32 Selbst das Bundesamt für politische Bildung der BRD erklärt ganz unverhohlen, wie ein anderes in Indien verbreitetes System, das KoliyaSystem (Koliya = Land), funktioniert: „In anderen Fällen besteht der Kredit zum Beispiel in Landpacht, Pflug und Nahrung, der Gegenwert muss mit Ernteerträgen ausgeglichen werden. Die Schulden werden oft den Kindern vererbt, die Abhängigkeit wird zur generationenübergreifenden Normalität.“33 Desweiteren bekommen solche Bauern ihre Arbeit in Weizen oder Reis, niemals in Geld bezahlt. Für Alltägliches wie Medikamente und alle anderen Waren, die gekauft werden müssen, leihen sich die Familien darum vom Landbesitzer Geld. Die Familien dürfen nicht für andere arbeiten und sie dürfen auch nicht wegziehen.34

Neben Landlosen, bei denen diese Problematik ganz klar ist, gibt es auch eine große Zahl von Kleinbauern, deren Felder zu klein sind, um sich selbst zu versorgen, die deshalb zusätzlich auf den Feldern von Großbauern und Großgrundbesitzern arbeiten müssen oder sich ebenso verschulden. Beispielsweise ist die Landverteilung in Tunesien derart, dass 54% der Bauern Kleinbauern mit weniger als 5ha Land sind, sie belegen damit nur 11% der Gesamtfläche. Bauern mit Land kleiner als 10ha sind 75% der Bauern, sie belegen 25% der Gesamtfläche. Großgrundbesitzer mit mehr als 50ha Land stellen nur 3% der Landeigentümer aber belegen 34% der Gesamtfläche.35

In Marokko zeigen etwas ältere Daten, dass Kleinbauern mit Feldern unter 10ha 24% des gesamten Landes, aber 87% der Gesamtzahl der Bauern umfassen. Sogenannte Melk (d.h. Mittelbauern, Großbauern und Großgrundbesitzer) kontrollieren 75% des Ackerlandes. Großgrundbesitzer sind weniger als 1% der Landbevölkerung.36

In Brasilien besitzen 0,03% der Bevölkerung 45% der Anbauflächen, während fünf Millionen Familien völlig besitzlos sind. In den letzten 15 Jahren wurden aufgrund des kommerziellen Anbaus von Zuckerrohr ca. 35.000 Familien von ihrem Land vertrieben, wodurch 150.000 Menschen ihre Existenzgrundlage verloren.37

Die Klassenfrage auf dem Land

Bewegungen wie z.B. die sogenannte „bolivarische Bewegung“ verneinen die Existenz der Klassenunterschiede innerhalb der Bauernschaft, behaupten alle Bauern seien gleich. Entsprechend hätten alle Bauern das gleiche Interesse und verhielten sich in dem angeblich revolutionären Kampf gleich. Das ist aber nicht der Fall. So schaffen diese Leute die politische und ökonomische Repräsentative des halbfeudalen Systems. Für sie sind alle Indios nur Indios, ohne Klassenunterschiede. Doch der Klassenkampf existiert überall, prägt alle und prägt auch den Klassenkampf auf dem Land. „Es gibt keine Ideen, die nicht den Stempel einer Klasse trügen.“38 Deswegen sind die armen Bauern, da sie keinen Boden haben, diejenigen, welche am meisten zur Revolution tendieren und so sie sind in der Praxis die Hauptkraft der Revolution. Eine ausgezeichnete Analyse, die die unterschiedlichen Schichten der Bauern wissenschaftlich aufzeigt, findet sich in „Analyse der Klassen der chinesischen Gesellschaft“ des Vorsitzenden Mao.

Es stellt sich die Frage: Warum den Bauern nicht sofort sagen, wir gehen umgehend, ohne Zwischenschritte, vorwärts zum Sozialismus? Das Problem der armen Bauen ist die Gratisarbeit und der Boden. Als Kommunisten in Formierung ist die Lösung klar: Kollektives Eigentum an Boden, als Teil einer sozialistischen Planwirtschaft unter der Diktatur des Proletariats, grundsätzlich gestützt auf das Arbeiter- und Bauernbündnis. Doch ist die Sache nicht derart unkompliziert.

Es ist eine Frage des Bewusstseins und damit zusammenhängend die Frage der Inkorporation der Massen. Mit einem rein theoretischen – idealistischen – Weltbild, das davon ausgeht, dass bereits Millionen Bauern überzeugt an der Revolution partizipieren, mag dies vielleicht als eine Möglichkeit erscheinen. Aber die Menschen machen die Revolution nicht, weil sie ein entwickeltes, vollständiges Verständnis von den strategischen Notwendigkeiten der Revolution haben, sondern die Mehrheit der Menschen macht die Revolution, um zu überleben, denn ihr Leben ist nicht vereinbar mit der herrschenden Ordnung. Wir können vor der Entwicklung des bewaffneten Kampfes keine Mehrheit für die Revolution gewinnen. In diesem Prozess müssen die Kommunisten die Bauern gewinnen und wir müssen ihnen gewinnen, was sie brauchen. So gehen wir von den tatsächlichen Widersprüchen in der Gesellschaft aus und nicht von einem Bild aus unseren Träumen. Darum die Parole: „Jedem Pflüger sein Feld!“.

Würden die Bauern lohnarbeiten, dann wären sie Agrarproletariat. Aber es bestehen die unterschiedlichen Formen der persönlichen Unterwerfung und die Gratisarbeit. Die Bauern müssen, sei es in der angeblichen staatlichen Korporative, sei es die angebliche „GmbH“, egal welchen Namen die Form trägt, in unterschiedlicher Art und Weise Gratisarbeit leisten. So konkretisiert sich der Halbfeudalismus. Weiter besteht die Unterwerfung, z.B. müssen Gegenleistungen erbracht werden, um ihr Land nutzen zu können. Vorgeblich werden „öffentliche Mittel“ dazu benutzt.

Halbkolonialismus in Peru

Warum ist es halbkolonial? Der Vorsitzende Gonzalo lehrt uns, die moderne peruanische Ökonomie ist unterjocht vom Imperialismus geboren, der letzten Phase des Kapitalismus, meisterhaft charakterisiert als monopolistisch, parasitär und sterbend; Imperialismus, der auch wenn er unsere politische Unabhängigkeit zulässt, solange es seinen Interessen dient, den gesamten peruanischen ökonomischen Prozess kontrolliert: unsere Naturreichtümer, Exportgüter, Industrie, Banken und Finanzen; in Synthese: er saugt das Blut unseres Volkes, verschlingt unsere Energie als Nation in Bildung und heute quetscht er uns dazu sprunghaft aus, durch die Auslandsschuld, so wie er das mit anderen unterdrückten Nationen macht.“39

Hier ist die Frage der Auslandschuld und die Rolle von Institutionen wie dem Internationalen Währungsfond, der Weltbank usw. von besonderem Gewicht. In diesem Sinn muss auch die Entwicklung beachtet werden, die jetzt mit den sogenannten Entwicklungsbanken von statten geht. In Asien werden solche Banken grade entwickelt und ihre Rolle für die imperialistische Unterjochung ist immens.

Bürokratischer Kapitalismus in Peru

Was den bürokratischen Kapitalismus anbelangt legt der Vorsitzende Gonzalo uns vor, sein Verständnis ist der Schlüssel von größtem Gewicht, um die peruanische Gesellschaft zu verstehen. Er greift die These von Vorsitzenden Mao auf und lehrt uns, dass er diese fünf Charakteristika hat: 1) dass der bürokratische Kapitalismus der Kapitalismus ist den der Imperialismus in den rückständigen Ländern entfaltet, er umfasst Kapital von den Großgrundbesitzern, den großen Banken und den Magnaten der Großbourgeoisie; 2) er übt Ausbeutung über das Proletariat, die Bauernschaft und die Kleinbourgeoisie aus und begrenzt die Mittelbourgeoisie; 3) er durchläuft einen Prozess, in dem der bürokratische Kapitalismus sich mit der Staatsmacht kombiniert und komporador und feudaler staatlicher Monopolkapitalismus wird, darauf folgt, dass er sich in einem ersten Moment als monopolistisches nicht-staatliches Großkapital entfaltet und im zweiten, wenn er sich mit der Macht des Staates kombiniert er sich als staatlicher Monopolkapitalismus entfaltet; 4) es reifen die Bedingungen für die bürokratische Revolution zu dem Höhepunkt ihrer Entwicklung; und 5) den bürokratischen Kapitalismus konfiszieren ist der Schlüssel, um den Gipfel der demokratischen Revolution zu erreichen und zur sozialistischen Revolution überzugehen.

Mit der Anwendung dessen kommt er zu dem Schluss, dass der bürokratische Kapitalismus Kapitalismus ist, den der Imperialismus in den rückschrittlichen Ländern erzeugt, verbunden mit dem Feudalismus, der marode ist, und dem Imperialismus unterworfen, der letzten Etappe des Kapitalismus. Dass er nicht der Mehrheit dient, sondern den Imperialisten der Großbourgeoisie und den Grundbesitzern. Schon Mariátegui sagte, dass die Bourgeoisie, z.B. wenn sie die Schaffung von Banken, ein Kapital, hervorbringt, das belehnt ist vom Imperialismus und verbunden mit dem Feudalismus; der Vorsitzende Gonzalo legt meisterhaft fest, dass der Kapitalismus, der sich in Peru entfaltet, ein bürokratischer Kapitalismus ist, der gefesselt ist an die weiter existierenden Fesseln des Halbfeudalismus, der ihn zum einen festhält und auf der anderen Seite dem Imperialismus unterworfen, der die Entwicklung der nationalen Ökonomie nicht erlaubt, er ist ein bürokratischer Kapitalismus, der das Proletariat, die Bauernschaft und die Kleinbourgeoisie unterdrückt und ausbeutet und die Mittelbourgeoisie begrenzt. Warum? Weil der Kapitalismus den er entwickelt, ein verspäteter Prozess ist und er erlaubt nicht mehr als eine Ökonomie für seine imperialistischen Interessen. Er ist ein Kapitalismus, der die Großbourgeoisie, die Grundbesitzer und die reichen Bauern alten Typs, Klassen die eine Minderheit ausmachen, und die die große Mehrheit der Massen ausbeuten und unterdrücken, repräsentiert.“40

Darüber hinaus verallgemeinert der Vorsitzende Gonzalo, dass der bürokratische Kapitalismus kein besonderer Prozess von China oder Peru ist, sondern dass er den rückständigen Bedingungen, in welchen der Imperialismus die unterdrückten Nationen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas unterjocht und wie diese noch nicht den weiter existierenden Feudalismus zerstören und noch weniger den Kapitalismus entwickelt haben, gehorcht.“41

Es hat eine kapitalistische Entwicklung in den unterdrückten Ländern stattgefunden. Dass sich in China ein bürokratischer Kapitalismus vor der demokratischen Revolution entwickelte, dass sich heute in Peru ein solcher entwickelt oder in der Türkei, in Brasilien oder sonst wo, bedeutet nicht, dass es eine einheimische Entwicklung ist. Es bedeutet nicht, dass es eine Bourgeoisie gibt, die fähig ist die Aufgaben der bürgerlichen Revolution, das heißt die Zerstörung aller Überreste des Feudalismus zu konkretisieren. Das ist vor allem die Lösung der Bodenfrage, die Lösung der nationalen Frage usw. usf. Diese Besonderheit in der heutigen Welt müssen wir verstehen, denn andernfalls können wir die Lage in der Welt von heute nicht verstehen, können wir die Revolution in den unterdrückten Nationen nicht verstehen und dort lebt die große Mehrheit der Weltbevölkerung. Ohne die Problematik des bürokratischen Kapitalismus zu verstehen, können wir entsprechend die Probleme der Weltrevolution heute nicht verstehen.

Zur Staatsfrage

Welchen Typ von Staat hält diese halbfeudale und halbkoloniale Gesellschaft, über der sich ein bürokratischer Kapitalismus entfaltet, aufrecht? Nachdem er die gegenwärtige peruanische Gesellschaft analysiert hat, indem er sich auf die meisterhafte maoistische These „Über die Neue Demokratie“ basiert – die festlegt, dass die Vielzahl der Staatssysteme auf der Welt, auf drei Grundtypen reduziert werden können, laut ihres Klassencharakters:

Republik unter der Diktatur der Bourgeoisie, die auch die Staaten der alten Demokratie ausmachen und die Republik der gemeinsamen Diktatur der Grundbesitzer und Großbourgeoisie; Republiken unter der Diktatur des Proletariats; und Republik unter der gemeinsamen Diktatur der revolutionären Klassen – legt der Vorsitzende Gonzalo fest, dass der Charakter des alten reaktionären Staats in Peru vom ersten Typ ist, von gemeinsamer Diktatur der Grundbesitzer und der Großbourgeoisie, bürokratische Bourgeoisie oder kompradorisch, welche in Verschwörung und Streit um die Führung des Staates kämpfen. In Peru ist die geschichtliche Tendenz, dass die bürokratische Bourgeoisie sich durchsetzt, was notwendigerweise einen sehr scharfen und langen Kampf bedeutet; heute hat die bürokratische Bourgeoisie den Befehl des alten Grundbesitzer-bürokratischen Staates.

Gleichzeitig unterscheidet er zwischen Staatssystem und Regierungssystem, welche Teil von einer Einheit sind; das erste ist der Platz welchen die Klassen innerhalb des Staates besetzen und das zweite die Form in welcher sich die Macht organisiert, wie Vorsitzender Mao es lehrt, hervorhebend dass es die Hauptsache ist den Klassencharakter eines Staates zu definieren, weil die Regierungsformen die sie einführen zivile oder militärische sein können, mit Wahlen oder de-facto-Regime, demoliberal oder faschistisch, und sie repräsentiert die Diktatur der reaktionären Klassen.“42

Ziele und Aufgaben der demokratischen Revolution (in Peru)

Der Vorsitzende Gonzalo lehrt uns, dass es drei Zielscheiben in der demokratischen Revolution gibt: Imperialismus, bürokratischer Kapitalismus und Halbfeudalismus, eine von ihnen ist die hauptsächliche laut der Periode durch die die Revolution geht; heute in der Periode des Agrarkrieges ist die hauptsächliche Zielscheibe der Halbfeudalismus.

Der Imperialismus, für uns hauptsächlich der Yankee-Imperialismus, weil er ist der Hauptimperialismus der uns beherrscht und der mehr seine Herrschaft sicher stellt und unsere Situation als halbkoloniales Land annietet; aber verhindert auch das Eindringen des russischen Sozialimperialismus und anderer imperialistischer Mächte; benutzt die verschiedenen Fraktionen des alten Staates, um seine Widersprüche zu verschärfen und isoliert den Hauptfeind, mit dem Zweck ihn zu schlagen. Der bürokratische Kapitalismus ist ein konstanter Berg der demokratischen Revolution, der aufrechterhaltend für den Halbfeudalismus und Halbkolonialismus agiert, im Dienste des Imperialismus. Und der Halbfeudalismus, der weiter existiert unter neuen Formen aber das Grundproblem des Landes ausmacht.“43

Was sind die entsprechenden Aufgaben der demokratischen Revolution?

1) Zerstört die imperialistische Herrschaft, hauptsächlich der Yankees für uns, verhindert die Handlung der anderen Supermacht, des russischen Sozialimperialismus, und die der anderen imperialistischen Mächte. 2) Zerstört das bürokratische Kapital durch die Konfiszierung des staatlichen und nicht-staatlichen Großkapitals. 3) Zerstört den feudalen Grundbesitz durch die Konfiszierung des assoziativen und nicht-assoziativen Eigentums, individuelle Übergabe des Bodens unter der Parole „Das Eigentum der feudalen Großgrundbesitzer zerstören“, Konfiszierung sowohl des assoziativen wie des nicht-assoziativen Eigentums, mit individueller Verteilung des Landes unter der Parole „Jedem Pflüger sein Feld“, an erster Stelle und hauptsächlich an die armen Bauern. 4) Unterstützt das mittlere Kapital, welchem unter vorgeschriebenen Bedingungen es erlaubt ist zu arbeiten. All dies bedeutet den Sturz des alten Staates durch den Volkskrieg mit revolutionären Streitkräften und der Führung der Kommunistischen Partei, einen neuen Staat aufbauend.“44

Die Klassenfrage in der demokratischen Revolution

Der Vorsitzende Gonzalo sagt uns: „… die Bauernschaft die Hauptantriebskraft … mit einer viele Jahrhunderte alten Grundforderung „Jedem Pflüger sein Feld“, welche sie trotz ihres unermüdlichem Kampfes noch nicht geschafft haben zu befriedigen“; „… das Proletariat … die führende Klasse in unserer Revolution … das im kraftvollen, langen Kampf Lohnkrümel und Eroberungen von seinen Ausbeutern an sich riss und diese zu verlieren durch jede ökonomische Krise an der die Gesellschaft leidet; ein Proletariat, das sich so innerhalb eines Eisenkreises bewegt…“; „eine Kleinbourgeoisie, mit sehr breiten Schichten, da sie zu einem rückschrittlichen Land gehören, die ihre Träume zerstört sehen im Rhythmus der unvermeidlichen Verarmung, die die herrschende soziale Ordnung ihnen aufzwingt “; und „eine Mittelbourgeoisie, eine nationale Bourgeoisie die schwach und mangels Kapital, sich wankend und dual entfaltet zwischen Revolution und Konterrevolution…“. „Vier Klassen die geschichtlich das Volk und die Antriebskräfte der Revolution ausmachen, aber von diesen ist die Bauernschaft, hauptsächlich die arme, die Hauptantriebskraft.“45

Es funktioniert einfach nicht jemandem, der sein ganzes Leben durch Gratisarbeit und Leibeigenschaft in unterschiedlichen Formen ausgebeutet wurde, der kein Anrecht auf das Land hatte, auf dem er arbeitet, zu sagen, nicht er solle das Land besitzen, sondern der Staat der Arbeiter und Bauern. Wofür sollte der Bauer kämpfen, wenn er kein Land bekommt? Dazu kommt, dass in den unterdrückten Ländern die Kampagne gegen die Kommunisten nicht schwächer, sondern stärker als in den imperialistischen Ländern ist. „Die Kommunisten sind gegen Gott, wollen euch euer Eigentum, wollen euch eure Frauen wegnehmen“ usw. Unter solchen Umständen einfach in ein Dorf zu spazieren und diese Bauern aufzufordern den Boden abzugeben ist gefährlicher Schwachsinn.

Die Revolution und ihre Notwendigkeit zu erklären und dafür zu agitieren ist wichtig, in den imperialistischen Ländern, so wie in den unterdrückten Ländern. Das funktioniert hier und dort in einem Aspekt gleich. Wir können ohne die transformierende Realität des bewaffneten Kampfes, konkretisiert im Volkskrieg, keine Mehrheit gewinnen. Wir können nicht einfach eine Idee verkaufen, sondern müssen die Wirklichkeit verändern. Wir müssen den Massen beweisen, dass wir die Revolution machen können, dass wir die Revolution durchsetzen können, und dass diese Revolution in ihrem Interesse ist. Das wird, als ein lang andauernder Prozess, konkretisiert durch Sprünge. Der Moment in dem wir die Macht ergreifen, ist der Moment in dem eine Mehrheit der Bevölkerung uns unterstützt. Dieser Moment ist ein relativ kurzer Moment. Das ist die revolutionäre Krise. In der revolutionären Krise haben wir die Mehrheit der Bevölkerung. Wenn wir dann nicht die Macht ergreifen, geht dieser Moment verloren.

In einem langwierigen Volkskrieg in einem halbfeudalen Land, der Besonderheiten haben kann, aber im allgemeinen der Einkreisung der Städte vom Land her folgt, lebt ein großer Teil, wenn nicht die Mehrheit der am meisten Ausgebeuteten in Dörfern auf dem Land. Dort muss man den Massen zeigen, dass die Kommunistische Partei, die revolutionäre Armee und die Einheitsfront, konkretisiert in den Volkskomitees, ihren Interessen entspricht und sie verteidigt. Das Interesse der Bauern ist das Hinwegfegen der halbfeudalen Ausbeutung. Dies schaffen wir durch die Zerschlagung des alten Staates, die Organisierung der Massen, den Aufbau der Neuen Macht als Volkskomitees und die Bodenreform – Landverteilung auf individueller Basis. In China wurde das Land an die Familien verteilt. In Peru hat die KPP die individuelle Verteilung an jeden Einzelnen beschlossen und durchgeführt, d.h. der Mann und die Frau bekommen jeweils ein Stück Land. Das stellt sicher, dass die Frau nicht abhängig vom Mann ist.

Aber damit hört die Sache nicht auf. Wir müssen den Massen zeigen, dass wir die neue Gesellschaft organisieren können, und dass die Kollektivierung des Landes die konkrete Perspektive ist. Dafür entwickelt man kollektive Saat und kollektive Ernte. Der Boden wird kollektiv bearbeitet, um den Massen zu zeigen: Das ist der Weg. Es besteht auch kein Recht das Land zu verkaufen. So bekämpft man die Entwicklung von neuen reichen Bauern. Jeder hat seine Parzelle, die jedoch kollektiv bearbeitet wird und das eröffnet die Perspektive für die Kollektivierung. Nicht durch administrative Mittel, sondern durch Diskussion; nicht von außen, sondern von innen.

Der Volkskrieg funktioniert nicht so, dass sie Kommunistische Partei mit ihrer Armee kommt und sagt ihr seid frei, sondern man kommt in ein Gebiet und organisiert durch die bewaffneten revolutionären Streitkräfte die Massen. Sind die Massen organisiert – klandestin, wenn der alte Staat vorhanden ist, was auf dem Land nicht immer der Fall ist – setzt man mit den Massen selbst die Volkskomitees durch. Nicht gegen, nicht ohne, nicht für die Massen wird die Neue Macht errichtet, sondern mit der Politisierung, Mobilisierung und Organisierung der Massen durch die Massen selbst.

Das Versprechen an die Bauern, die Bodenreform, ist die Parole der demokratischen Revolution für die Bauern. Die Bauern im ganzen Land werden erst mit dem Sieg der Revolution im ganzen Land befreit und in dem Moment fängt die sozialistische Revolution an. In dieser wird der Prozess der Kollektivierung, vor allem über die Kooperativen, vorwärts getrieben. Die Bauern haben das sehr formale Recht über ihr Land zu bestimmen und das machen sie auch. Innerhalb des Volkskomitees hat jeder Bauer sein Land, nimmt an der Volksversammlung teil und dort wird entschieden, wie die Probleme gehandhabt werden. Jeder nimmt dort als Eigentümer seines Landes teil und diskutiert und beschließt gemeinsam, wie man sät, was man sät, wann man sät, wie man erntet und wann und allgemeine andere Arbeiten, die man kollektiv verrichtet.

Die Rolle des Proletariats

Das Proletariat ist die führende Klasse und er lehrt uns, dass sie die Klasse ist, die den kommunistischen Kurs der Revolution garantiert, die vereint mit der Bauernschaft das Arbeiter-Bauern-Bündnis bildet, das Grundlage der Front ist, Ein Proletariat, das in seiner Mehrheit in der Hauptstadt konzentriert ist und verhältnismäßig größer ist als in China, aber das für jeden Tag prozentual weniger wird in Peru, eine spezifische Situation die vor uns steht, wenn wir die demokratische Revolution anwenden, Grund dafür, dass wir den Volkskrieg als Komplement in den Städten machen. Die Klasse die heute dazu gekommen ist ihre marxistisch-leninistisch-maoistische, Gonzalodenken Partei zu verwirklichen, eine Partei die eine Volksguerillaarmee hervorgebracht hat, welche sie absolut führt und einen neuen Staat welchen sie führt in gemeinsamer Diktatur, die unter fast zwanzig Jahren Rekonstitution und sieben Jahren der Führung des Volkskrieges einen großen geschichtlichen Sprung im Volk geprägt hat, es ist lebenswichtig ihre führende Rolle in der demokratischen Revolution zu verstehen, weil es den korrekten Kurs Richtung Kommunismus garantiert und ohne die Führung des Proletariats würde die demokratische Revolution abtreiben in eine bewaffnete Aktion unter der Führung der Bourgeoisie und sie würde unter die Vormundschaft einer Supermacht oder imperialistischen Macht fallen.“46

Hier sei die Frage der Führung des Proletariats durch ihre Kommunistische Partei in der demokratischen Revolution unterstrichen.

Bereits der Vorsitzende Mao nahm sich dieses Problems an und lehrt in „Die Aufgabe der Kommunistischen Partei Chinas in der Periode des Widerstandskampfes gegen die Japanische Aggression“ diesbezüglich:

Wie verwirklicht das Proletariat durch seine Partei die politische Führung aller revolutionären Klassen im Land?“47

Erstens wird entsprechend dem Ablauf der historischen Entwicklung die politische Hauptlosung ausgegeben, und zu ihrer Verwirklichung werden in jedem Entwicklungsstadium und am Wendepunkt eines jeden wichtigen Ereignisses Aktionslosungen aufgestellt.“48

Zweitens müsse das Proletariat und insbesondere seine Avantgarde, die Kommunistische Partei, grenzenlose Aktivität und Ergebenheit an den Tag legen und zum Vorbild bei der Verwirklichung der konkreten Ziele werden, wenn in Übereinstimmung mit diesen konkreten Zielsetzungen das ganze Land in Bewegung gerät.“49

Drittens muß man, indem man an das Prinzip festhält, das gesteckte politische Ziel nicht aus dem Auge zu verlieren, entsprechende Beziehungen zu den Verbündeten aufnehmen und das Bündnis mit ihnen Entwickeln und festigen.“50

Viertens muss man die Reihen der Kommunistischen Partei erweitern, ihre ideologische Einheit und eine strenge Disziplin wahren.“51

Die politische Führung des ganzen Volkes durch die Kommunistische Partei wird dadurch verwirklicht, daß alle oben aufgezählten Bedingungen erfüllt werden. Diese Bedingungen sind die Grundlage dafür, daß unsere politische Führung gewährleistet und die Revolution den vollständigen Sieg erhalten und nicht durch die Unbeständigkeit ihrer Verbündeten fehlgeleitet wird.“52

Die Entwicklung der großen nationalen Befreiungsbewegungen in den 60er und 70er Jahren, als die unterdrückten Völker die europäischen Herrenmenschen ins Meer geworfen haben und viele Länder ihre angebliche Unabhängigkeit bekamen, jedoch als Halbkolonien des russischen Sozialimperialismus oder des Yankee-Imperialismus endeten, zeigt, dass ohne die Kommunistische Partei keine bürgerliche Revolution neuen Typs, keine demokratische Revolution, sondern eine Karikatur von ihr stattfindet. Dies gilt sowohl für den Kampf in den halbkolonialen Ländern der dritten Welt, als auch für den Kampf gegen ihre offene Besatzung bzw. Kolonialisierung. Wir fahren mit der Klassenfrage der demokratischen Revolution fort:

Zu diesen beiden Klassen kommt die Kleinbourgeoisie und gemeinsam sind sie der konstante Stamm der revolutionären Front, die nichts anderes ist als eine Front für den Volkskrieg und das Klassengerüst, das den neuen Staat ausmacht, die Volkskomitees auf dem Land und die Revolutionäre Bewegung zur Verteidigung des Volkes in den Städten.

Über die Mittelbourgeoisie, heute nimmt sie nicht in der Revolution teil, aber ihre Interessen werden respektiert und sie ist keine Zielscheibe der Revolution; sie ist eine Klasse die unter immer größeren Beschränkungen durch die Reaktion leidet, aber ihr Charakter ist dual und im Prozess der demokratischen Revolution kann sie in einigen Momenten auf der Seite der Revolution stehen. Falls man die Interessen der Mittelbourgeoisie nicht beachtet, dann ändert sich der Charakter der Revolution, dann würde sie nicht demokratisch, sondern sozialistisch. Aus all dem leitet es sich ab, dass der neue Staat, den wir in der demokratischen Revolution bilden, eine gemeinsame Diktatur ist, ein Bündnis von vier Klassen, geführt vom Proletariat durch seine Partei, die Kommunistische Partei: eine Diktatur der Arbeiter, Bauern, der Kleinbürger und unter bestimmten Bedingungen der nationalen oder Mittelbourgeoisie; eine Diktatur die heute aus drei Klassen besteht, weil die Mittelbourgeoisie nicht in der Revolution teilnimmt, aber ihre Interessen werden respektiert. Klassen die sich zusammen setzen als eine Diktatur der Neuen Demokratie wenn es zum Staatssystem kommt, als Volksversammlung wenn es zum Regierungssystem kommt.“53

Die Besonderheit der Mittelbourgeoisie

Eine häufig gestellte Frage ist: Warum braucht man die Mittelbourgeoisie? In den unterdrückten Nationen sind die Produktivkräfte nicht weit entwickelt, es gibt keine weit entwickelten kapitalistischen Produktivkräfte, es gibt kein weit entwickeltes großes Proletariat, es gibt keine weit entwickelte Großindustrie. Es gibt Großindustrie, es gibt Proletariat, aber das ist nicht die Mehrheit, und die halbfeudalen Überreste prägen das ganze soziale Leben, das ganze Wirtschaftsleben, das ganze politische Leben. Man muss die neue Gesellschaft aufbauen. Das braucht die Entwicklung der Produktivkräfte.

Die russische Revolution ist dafür ein gutes Beispiel. Die russische Revolution fand in einem imperialistischen Land, in dem die demokratische Revolution durchgeführt wurde, statt. Trotzdem brauchten die Bolschewiki die Periode der sogenannten Neuen Ökonomischen Politik. Nach zehn Jahren konnten sie damit beginnen Fünfjahrespläne anzuwenden. Es ist nicht so, dass die Revolution siegt und plötzlich sind alle Menschen Kommunisten, denn die Menschen haben in ihrer Mehrheit die Revolution nicht von einem tiefen Verständnis der Ziele der Revolution ausgehend gemacht, sondern von einem Verständnis der Grundparolen der Revolution und ihrer Zustimmung dazu. Nicht jeder Bauer, nicht jeder Arbeiter in jeder Ecke des russischen Reiches hatte ein entwickeltes Verständnis über die Notwendigkeit des Aufbaus des Sozialismus, aber sie alle haben alle verstanden, die Bolschewiki geben uns Frieden und Brot.

Mit dem Sieg der Revolution besteht eine Situation, in der die Weltrevolution nicht in allen Ländern der Welt gleichzeitig siegt, eine Situation der imperialistischen Einkreisung, mit einer einheimischen Reaktion, die versucht die Macht zu ergreifen und das nach einem lang andauernden Bürgerkrieg mit all den Zerstörungen, die ein solcher mit sich führt. Die Leute, die kleine Betriebe haben sind in bestimmten Grad Ausbeuter, aber man sollte sie nicht davon jagen oder ihnen verbieten zu produzieren. Wir übernehmen sämtliche Komandohöhen der Ökonomie, wir übernehmen die Kontrolle über all das, was wir vom bürokratischen Kapital konfisziert haben, wir übernehmen den Großgrundbesitz, wir übernehmen das Land insgesamt und wir lassen die Mittelbourgeoisie wirken, solange dies dem Aufbau der neuen Gesellschaft dienlich ist.54

Im Kampf im Sozialismus, der mit der Eroberung der Macht im ganzen Land beginnt, ist der Hauptwiderspruch Proletariat-Bourgeoisie. Der Verlauf dieses Prozesses ist, dass durch die Entwicklung der sozialistischen Revolution diese Leute verschwinden. In einem bestimmten Moment aber brauchen wir sie. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dies auch in einer bestimmten Phase des revolutionären Krieges notwendig werden kann, z.B. um Handel zu betreiben, Dinge zu kaufen, die wir nicht haben, oder spezielle Produktion (Lohnarbeit ist in den meisten Fällen, besonders in großen Fabriken, sehr spezialisiert, die Arbeiter müssen erst einmal lernen, den gesamten Betrieb zu leiten; viele Spezialisten – das lehrt uns sowohl die russische, wie die chinesische Revolution –, Leute, die im Kapitalismus leben können und wollen, die die ökonomischen Mittel dazu haben, werden das Land verlassen), wofür diese Leute ihre Techniken zur Verfügung stellen, ihre Erfahrungen damit einbringen. Das nutzen wir. Wir basieren uns nicht auf Träumereien, sondern der konkreten Realität.

Wie diese aussehen kann, zeigt uns der Vorsitzende Mao:

Die wenigen Elemente des rechten Flügels der nationalen Bourgeoisie, die im Schlepptau des Imperialismus, Feudalismus und bürokratischen Kapitalismus segeln und der volksdemokratischen Revolution entgegentreten, sind gleichfalls Feinde der Revolution, während die Anhänger des linken Flügels der nationalen Bourgeoisie, die sich den Werktätigen anschließen und gegen die Reaktionäre kämpfen, und die wenigen aufgeklärten Schenschi, die mit der Feudalklasse gebrochen haben, auch zu den Revolutionären gehören. Aber die ersteren können ebensowenig als Hauptkraft des Feindes betrachtet werden wie die letzteren als Hauptkraft der Revolutionäre, und keine der beiden Gruppen ist eine Kraft, die den Charakter der Revolution bestimmen kann. Die nationale Bourgeoisie ist eine in politischer Hinsicht sehr schwache und schwankende Klasse. Aber die große Mehrheit ihrer Angehörigen kann sich der volksdemokratischen Revolution anschließen oder der Revolution gegenüber eine neutrale Haltung einnehmen, weil auch sie vom Imperialismus, Feudalismus und bürokratischen Kapitalismus verfolgt und eingeschränkt wird.“55

Die Frage ist nicht, fördert das Bestehen der Mittelbourgeoisie die Entwicklung der Produktivkräfte besser als der Sozialismus, sondern dass der Sozialismus nicht ohne diese Entwicklung der Produktivkräfte entstehen kann. Sozialismus ist nichts, was man auf Ebene der Ideen schaffen kann, sondern die Idee muss materialisiert, konkretisiert werden. Erst dann kann der Sozialismus aufgebaut werden. Freilich fördert der Sozialismus die Entwicklung der Produktivkräfte tausend mal besser, als der Kapitalismus, aber wir müssen vorher erst einmal die Grundlagen dafür legen.

Der Kapitalismus ist nicht nur Monopolkapital, sondern formiert sich in jedem ökonomischen Manöver innerhalb des kapitalistischen Teils der Ökonomie. Wie Lenin es korrekt feststellte: „ … die Kleinproduktion aber erzeugt unausgesetzt, täglich, stündlich, elementar und im Massenumfang Kapitalismus und Bourgeoisie.“56 Unser Problem ist, damit umzugehen. Die Lösung ist die Führung durch die Kommunistische Partei, die Diktatur des Proletariats und die Kulturrevolutionen.

Ganz konkret hilft uns erneut die Erfahrung der KPCh in genau diesem Kampf:

Eine Reihe von Veränderungen wie die Niederschlagung Chiang Kai-sheks, die Enteignung des bürokratischen Kapitals, die Vollendung der Bodenreform, die Durchführung der ‹Drei-Anti› und ‹Fünf-Anti›[-Kampagnen], die Verwirklichung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses und die Kontrolle des Marktes von Anfang an zwangen die nationale Bourgeoisie Schritt um Schritt, einzig und allein diesen Weg der Umgestaltung zu akzeptieren. Andererseits legte das Gemeinsame Programm die Politik fest, jedem Sektor der Wirtschaft seinen Platz zuzuweisen und den Kapitalisten Profitstreben zu ermöglichen, wobei die Verfassung ihnen außerdem einen Wahlzettel und eine Schale Reis garantierte. Dadurch wiederum wurde ihnen klar, daß die Akzeptierung der Umgestaltung es ihnen erlauben würde, eine bestimmte Position zu halten und überdies in Wirtschaft und Kultur noch eine bestimmte Rolle zu spielen.“57

Die Etappen der Revolution

Der Vorsitzende Gonzalo lehrt uns, dass die demokratische Revolution die unausweichliche erste Etappe ist in den unterdrückten Nationen, welche verschiedene Perioden durchschreitet, entsprechend wie die Widersprüche sich lösen. Er versteht eine unauflösliche Beziehung und einen ununterbrochenen Weg zwischen der demokratischen Revolution und der zweiten Etappe, die die sozialistische Revolution ist und ihre Perspektive ist eine Reihe von Kulturrevolutionen, um zum Kommunismus zu kommen, der Weltrevolution dienend. Deswegen erfüllen wir ein Maximal- und ein Minimalprogramm, ein Minimalprogramm das die demokratische Revolution ist, das in jeder Periode spezifiziert wird und das eine neue Politik bedeutet: gemeinsame Diktatur der vier Klassen; neue Ökonomie: Konfiszierung des imperialistischen Großkapitals, des bürokratischen Kapitalismus und das feudale Grundbesitzer Großeigentum und die individuelle Übergabe des Bodens hauptsächlich an die armen Bauern; neue Kultur: national, das heißt antiimperialistisch, demokratisch, das heißt für das Volk und wissenschaftlich, das ist aufgrund der Ideologie des Marxismus-Leninismus-Maoismus, Gonzalodenken. Das Maximalprogramm bedeutet zu beachten dass wir, als Kommunisten darauf zielen die drei Ungleichheiten, zwischen Stadt und Land, zwischen Kopf- und Handarbeit und zwischen Arbeitern und Bauern, zu eliminieren. Zwei Programme für die wir unser Leben geben, gegen jede Form von Beschimpfung, Spott und Niederträchtigkeit. Und nur wir Kommunisten können dafür kämpfen, dass die Revolution ihren Kurs hält.

So, der Vorsitzende Gonzalo sagt uns: „Diese demokratische Revolution, was ist sie im Wesen? Sie ist ein Bauernkrieg, unter Führung der Kommunistischen Partei, sie hat die Absicht einen neuen Staat zusammengesetzt aus vier Klassen zu schaffen, um so den Imperialismus, die Großbourgeoisie und die Grundbesitzer zu zerschlagen und auf diese Art ihre vier Aufgaben zu erfüllen. So, die demokratische Revolution hat eine Hauptform des Kampfes: den Volkskrieg, und eine Hauptform der Organisation: die Streitkräfte, sie ist die Lösung der Bodenfrage, der nationalen Frage, der Zerstörung des Grundbesitzer-bürokratischen Staates, die Zerstörung der reaktionären Streitkräfte, das Rückgrat das ihn aufrecht hält, um das politische Ziel des Aufbaus eines neuen Staates zu erfüllen, eines neudemokratischen Staates und die neudemokratische Volksrepublik zu schaffen unmittelbar weitergehend zu der sozialistischen Revolution. In Synthese wird die demokratische Revolution konkretisiert als Bauernkrieg, geführt von der Kommunistischen Partei, jede andere Modalität ist nichts anderes als ein Dienst an dem Grundbesitzer-bürokratischen Staat.“58

Die demokratische Revolution konkretisiert als Volkskrieg in Peru

Wahrheit, die sich nicht in der Praxis bestätigt ist keine anzunehmende Wahrheit. Der Volkskrieg in Peru ist eine großartige Bestätigung der Wahrheit des Marxismus, im allgemeinen und im besonderen in Fragen der demokratischen Revolution.

In über sieben Jahren Volkskrieg in Peru zeigt sie die Richtigkeit und Korrektheit der Gonzalo Gedanken und wir sehen, dass die Kommunistische Partei Perus, mit der Führerschaft des Vorsitzenden Gonzalo, die Bauernschaft, hauptsächlich die arme, in Waffen führend, verwirklicht eine gemeinsame Diktatur von Arbeitern, Bauern und der Kleinbürgern unter der Hegemonie des Proletariats, die Interessen der mittleren Bourgeoisie respektierend, dreizehn Jahrhunderte des reaktionären Staates zerstörend; eine Diktatur die funktioniert in den Volkskomitees, die heute klandestin sind, Ausdruck des Neuen Staates, die die Macht durch die Volksversammlungen ausübt, in welchen jeder seine Meinung ausdrückt, wählt, richtet oder sanktioniert, die wahre Demokratie anwendend und man zögert nicht die Diktatur zu nutzen, den Zwang für die Aufrechterhaltung ihrer Macht und um sie zur Verteidigung gegen ausbeutende, unterdrückende Gamonalen und ihre Lakaien; spezifizieren sich so eine neue Politik und ein Schritt vorwärts in der Machtergreifung von unten. Die selbe Basis der Gesellschaft wird zerstört, der Halbfeudalismus und neue gesellschaftliche Produktionsverhältnisse werden eingeführt durch die Anwendung einer neuen Ökonomie, die Agrartaktik beachtend, die Evolution des Halbfeudalismus zu bekämpfen, dadurch dass man auf das assoziative Eigentum zielt, die reichen Bauern neutralisieren, die Mittelbauern gewinnen und sich auf die armen Bauern zu stützen; das Agrarprogramm „Jedem Pflüger sein Feld“ durch die Konfiszierung und die die individuelle Übergabe durch einen Prozess: mit Abrissplänen, deren konkretes Ziel es ist die Zerstörung der halbfeudalen Verhältnisse, um Produktionsprozess zu disartikulieren, die Speerspitze richten, um die gamonale Macht auseinander zu nehmen, mit bewaffneten Aktionen; kollektive Saat und Ernte anwendend, wenn wir noch nicht die Macht haben und während die VGA noch nicht genug entwickelt ist, alle die Bauern bearbeiten den Boden von allen und machen das kollektiv, die armen Bauern immer hauptsächlich bevorzugend und im Falle eines Überschusses wird eine Typ von Tribut festgestellt und Produkte oder Saatgut werden an die ärmsten und an die mittleren verteilt. Die Felder der reichen Bauern werden nicht angefasst, außer es mangelt an etwas aber es werden ihnen Bedingungen vorgeschrieben; diese Politik hat sehr positive Resultate gehabt, es bevorzugt die ärmsten, es erhebt die Qualität der Produkte und vor allem verteidigt man sich besser, die Perspektive dieser Politik ist die Landinvasionen und die individuelle Verteilung. Auch in den neuen Bauernzonen, vor allem, haben wir Landinvasionen und individuelle Verteilung angewendet und so den Kampf auf dem Land entzündet und die Pläne des alten Staates, der Regierung an der Reihe, störend, in einer bestimmten Lage, die bewaffnete Verteidigung organisierend. Heute haben wir die Landinvasionen im ganzen Land verallgemeinert. Außerdem erreicht man die Organisierung der Produktion im ganzen Dorf, Austausch von Produkten und Saatgut, Sammlung von Feuerholz oder Cochnilla zum Beispiel, kommunale Läden, Handel und Muli-Transport. Ein Prozess zu welchem die Aktionen in den Städten dienen, Sabotage gegen die demoliberalen oder faschistisch korporativ staatliche Organisationen, staatliche, private oder imperialistische Banken, imperialistische Zentren der Supermächte oder Mächte, sei es Fabriken oder „untersuchende Institution“, Unternehmen des bürokratischen Kapitalismus, wie z.B. Centromin Perú; so auch die selektive Vernichtung und die Kampagnen von bewaffneter Agitation und Propaganda.

Und über dieser neuen politischen Ökonomie erhebt sich eine neue Kultur, die pulsiert in den armen Bauern hauptsächlich; die Grunderziehung ist eine Frage, die verdient eine fundamentale Aufmerksamkeit und die entfaltet sich unter der gemeinsamen Erziehung, Erziehung und Arbeit und einem Grundprogramm für Kinder, Erwachsene und Massen im allgemeinen; es ist wirklich wichtig. Das Problem der Gesundheit und Rekreation der Massen sind auch von lebenswichtiger Bedeutung. So sind die die Massen organisiert, es verwirklicht sich ihre Mobilisierung, Politisierung, Organisierung und Bewaffnung, zielend auf das Meer bewaffneter Massen, basierend auf der Ideologie: Marxismus-Leninismus-Maoismus, Gonzalodenken, unter der Führung der Partei, mit der Erfahrung des Volkskriegs und vor allem und hauptsächlich in der Neuen Macht, sie ausübend, sie erobernd, sie verteidigend und sie entwickelnd, als Volkskomitees, Stützpunktgebiete und fortschreitend in die neudemokratische Volksrepublik.

Diese ist die demokratische Revolution, die die Partei spezifiziert in der peruanischen Gesellschaft den Imperialismus, bürokratischen Kapitalismus und Halbfeudalismus im Land stürzend durch einen einheitlichen Volkskrieg, in dem das Land die Hauptsache ist und die Stadt Komplement und nicht die „demokratische Revolution“, die falscher weise durch das aktuelle faschistische und korporativistische APRA-Regierung ausposaunt, welche den Charakter der peruanischen Gesellschaft, die Klassen und den Klassenkampf, besonders den Charakter der Diktatur des Grundbesitzerbürokratischen alten Staates, sowie die Notwendigkeit der Gewalt um ihn zu stürzen negiert. Es ist eine marxistisch-leninistisch-maoistische, Gonzalodenken, demokratische Revolution, welche eine brennende und wachsende Flamme ist, die der proletarischen Weltrevolution dient und die durch die meisterhafte Führung durch den Vorsitzenden Gonzalo garantiert wird.“59

Neue Macht

Vorweg eine kurze Darstellung des Charakters der Neuen Macht und der notwendigen Voraussetzungen für ihren Aufbau, wie sie der Vorsitzende Mao entwickelte.

Die Stützpunktgebiete sind strategische Basen auf die die Guerillakräfte zurückgreifen, um ihre strategischen Aufgaben zu erfüllen und die Ziele der Erhaltung und Zunahme ihrer Kräfte zu erreichen sowie den Feind zu vernichten und zurückzuwerfen. Ohne solche strategische Basen würde dort nichts zur Unterstützung sein, um irgendeine unserer strategischen Aufgaben auszuführen um das Kriegsziel zu erreichen.

Der Vorsitzende Mao stellt drei Voraussetzungen für die Schaffung von Stützpunktgebieten fest: Bewaffnete Kräfte zu haben, den Feind zu besiegen und die Massen zu mobilisieren.“60

Ende 1982 entstand ein Machtvakuum in vielen ländlichen Gebieten. Die ersten Keimzellen der revolutionären politischen Macht entstanden in der Form von Bauernkomitees, um die Ernte und das Land, das von feudalen Grundherren des alten Stils und Farmen mit Verbindungen zum Staat beschlagnahmt wurde, aufzuteilen. Nun begann sie aufzublühen. So wie die Guerillas sich von Dorf zu Dorf bewegten, die Bauern mobilisierend, und die lokalen Herrscher angriffen, blieben Einheiten in den Dörfern zurück, um die Partei zu organisieren, Kämpfer zu rekrutieren und Volkskomitees aufzubauen. Auf diese Art und Weise, auf die Massen stützend, wurden Guerillazonen allmählich in Stützpunktgebiete verwandelt, in denen die Revolution die politische Macht hatte.

[…]

Die neue revolutionäre politische Macht ist für jene, die noch nie in ihrem ganzen Leben irgendwelche Macht hatten, für jene, die die niedrigsten und verachtetsten der Gesellschaft waren, obwohl sie das Land auf ihrem Rücken tragen: Die Arbeiter und Bauern, zusammen mit den fortschrittlichen Kräften unter den Mittelklassen. Die KPP beschreibt sie als die gemeinsame Diktatur von vier Klassen, obwohl die schwache und schwankende nationale Bourgeoisie jetzt nicht an der Revolution teilnimmt, tut sie es vielleicht in der Zukunft und ihre Interessen werden berücksichtigt. Dieser neue Staat, der geboren wird, erklärt sich selbst offen als eine Diktatur, weil die Revolution jeden Grund hat den Antagonismus zwischen den Interessen der Großbourgeoisie, den Grundbesitzern und dem Imperialismus und den Volksmassen offen zu legen, nicht wie der alte Staat, der vorgibt im Interesse aller zu herrschen und versucht den Fakt zu vertuschen, dass er auf bewaffneter Kraft beruht.

Der Vorsitzende der KPP, Gonzalo, soll angemerkt haben, dass sogar zu Beginn des Krieges die Guerillas die neue politische Macht in ihren Rucksäcken getragen haben. Die Eroberung der politischen Macht ist die zentrale Aufgabe jeder Revolution. Unter den Bedingungen ihrer Revolution war die Aufgabe damit zu beginnen sie Stück für Stück aufzubauen, in der Form von Volkskomitees.

Diese Komitees bestehen aus fünf Mitgliedern, die Kommissare genannt werden, denn sie sind von den Massen bemächtigt und unterworfen jederzeit abberufen zu werden. Sie werden von repräsentativen Versammlungen ausgewählt, welche wiederum, wenn möglich, durch Volksversammlungen von allen Massen eines bestimmten Dorfes gewählt werden. Sie werden von der Partei geführt und bestehen aus Kommunisten, gewöhnlichen Bauern und anderen lokalen fortschrittlichen Kräften. Ihre Tätigkeit ist es damit zu beginnen eine neue Politik, neue Ökonomie und neue Kultur auf dem Land zu schaffen, als Teil der Vorbereitung dazu in der Lage zu sein dies im ganzen Land zu tun.

Der Sekretär unter den fünf Kommissaren repräsentiert die Partei und das Proletariat (welches auf dem Land hauptsächlich durch die Partei vorhanden ist). Der Kommissar für Sicherheit, ebenso ein KPP-Mitglied, ist verantwortlich für die Verteidigung dieser neuen politischen Macht, durch die lokale Bevölkerung im Ganzen, organisiert als Milizen, zusammen mit den lokalen Guerillakräften und den Hauptkräften der Volksguerillaarmee. Dies bedeutet auch die Vorbereitung des organisierten Rückzugs der Dorfbewohner aus dem Gebiet, falls das notwendig wird. Der Sicherheitskommissar ist auch verantwortlich für Polizeifunktionen, Maßnahmen gegen Konterrevolutionäre zu treffen, die die neue politische Macht angreifen, oder gewöhnliche Kriminelle, die den Massen Schaden zufügen. Raub, Drogen, dauernde Trunkenheit, Prostitution, Glücksspiel, Verprügeln von Ehefrauen und Kindern, Vergewaltigung und andere Geißeln, die lange unter dem Schutz der alten bestehenden Herrschaft gediehen, werden nun unterdrückt.

Der Kommissar für die Produktion und Ökonomie leitet die Entwicklung einer neuen Ökonomie, basierend auf einer neuen Art von Beziehungen zwischen den Menschen. Das Land wird aufgeteilt und zuerst jenen gegeben, die kein Land haben und dann, wenn welches übrig ist, an jene die ein wenig haben, auf der Grundlage wie viele Menschen einer Familie angehören. Es wird der Familie im Ganzen gegeben und nicht nur an die Väter oder Männer im Allgemeinen. (Jugendliche die ihre Eltern verlassen wollen und ihre eigene Familie gründen wollen bekommen auch Land.) Aber während der Besitz des Landes individuell ist, sind Saat und Ernte kollektiv und werden von allen durchgeführt. Die KPP bezeichnet diese Politik als ein Saatkorn der künftigen, sozialistischen Stufe der Revolution. Dieser Kommissar muss darauf achten, dass sich um das Land der alten Menschen, Witwen und Waisen gekümmert wird. Er oder sie organisiert auch die Produktion, die direkt dem Volkskomitee gehört, wie zum Beispiel Hühner, Enten oder Meerschweinchen und kollektive Arbeit an Bewässerungsprojekten.

Oft müssen Änderungen im Bezug auf die angepflanzte Saat gemacht werden, um den Stützpunktgebieten zu ermöglichen unabhängiger zu werden. Das Volkskomitee arrangiert einen Saataustausch, was die wissenschaftliche Saatauswahl und die Vervielfältigung der Ernte erlaubt. Dieser Saataustausch ist besonders wichtig. Zusammen mit den Bemühungen den importabhängigen chemischen Dünger zu ersetzen, beendet es die Notwendigkeit von Krediten. Diese Maßnahmen und die Abschaffung der Pacht befreit die Bauern von der bedrückenden und teuren Last der Regierungsbürokratie, die lange Zeit das Blut der Landwirtschaft ausgesaugt hat und der Tyrannei der lokalen Despoten, deren Macht über das Land, den Kredit und Investitionen in der willkürlichsten Art und Weise ausgeübt wurde. Die Organisation der neuen Produktions- und Tauschbeziehungen, auf die Notwendigkeiten des Volkes und des Volkskriegs ausgelegt, befreit die Produktivkräfte von ihren Fesseln und führt zur Verbesserung der Produktivität. Es gibt sogar einen Anfang für die Herstellung von Kleidung und Werkzeugen, so dass diese Stützpunktgebiete unabhängiger werden können.

Den kleinen und mittleren Händlern ist es erlaubt ihre wichtigen Funktionen weiter auszuüben; tatsächlich ist es für sie auch eine Befreiung. Aber zusätzlich organisieren die Volkskomitees den Tausch. Lokal kann das einen Volksmarkt bedeuten, auf dem Artikel direkt vom Produzenten an den Verbraucher verkauft oder getauscht werden. Das bedeutet auch Maultierzüge, die sicher die Berge durchqueren können und Handel mit anderen Orten erlauben, denn die Stützpunktgebiete können nicht vollständig unabhängig sein und die Partei muss darin führen dieses Problem zu lösen.

Während die militärische Stärke der Revolution zunimmt und ihre politische Macht damit beginnt sich in manchen Gebieten relativ zu konsolidieren, sind diese ökonomischen Fragen zunehmend entscheidend. Ökonomische Unabhängigkeit bedeutet Unabhängigkeit von Schulden und Inflation und die Chance damit zu beginnen eine Ökonomie zu entwickeln, die das Volk ernährt, statt sich von ihm zu ernähren. Es ist entscheidend für den Krieg, da ohne diese Fortschritte die revolutionäre politische Macht zusammenbrechen würde und die revolutionäre Armee nicht länger in der Lage wäre sich für ihren Unterhalt auf das Volk zu stützen. Diese Änderungen sind auch ein Teil des Aufbaus der Zukunft, wenn ein ökonomisch unabhängiges und militärisch mächtiges Peru sich gegen den Imperialismus behaupten und der Weltrevolution dienen kann.

Der Kommissar für öffentliche Angelegenheiten ist verantwortlich für die Handhabung des Rechts. Das bedeutet die Organisation von Volksgerichten: ein Ankläger präsentiert den Fall des Volkskomitees, der Beschuldigte hat das Recht sich selbst zu verteidigen und Beweise zu präsentieren, während die Massen des Volkes zuhören und entscheiden. Ein weiteres Beispiel ist die Schaffung eines Schadenskomitees aus Bauern auf einer rotierenden Grundlage. Falls eine Kuh eines Bauern die bepflanzten Felder eines anderen Bauern beschädigt liegt es an diesem Komitee die Begleichung der Schäden zu verhängen. Das erste Mal wird eine Warnung ausgesprochen; beim zweiten Mal wird die Kuh in Gewahrsam genommen; beim dritten Mal wird die Kuh geschlachtet und das Fleisch nach den Notwendigkeiten der Dorfbewohner verteilt. Dieser Kommissar hat auch den Vorsitz über Hochzeiten. Die beiden Menschen, die sich wünschen zu heiraten, müssen zwei Zeugen bringen, um zu bezeugen, dass keiner der beiden mit jemand anderem verheiratet ist – das ist die einzige Voraussetzung. Öffentliche Angelegenheiten beinhalten auch die Registrierung von Geburten, die Ausstattung der Volksapotheke (mit Medikamenten die vom Feind konfisziert wurden und mit pflanzlicher Medizin) und Gesundheitsuntersuchungen von frisch Verheirateten und anderen. Die Bildung wird geleitet von der kommunistischen Anschauung und verbunden mit Arbeit. Bauern wird grundlegende Mathematik, Spanisch (welches die KPP als wichtig betrachtet, damit die nicht Spanisch sprechenden Menschen einen Blick auf den Rest der Welt haben können), Naturwissenschaft und Geschichte gelehrt. Der Kommissar organisiert auch die Rekreation, einschließlich Sport und Kultur (wie beispielsweise Theateraufführungen und Puppentheater), Feiern aus Anlass revolutionärer Jahrestage und er hilft mit dem Fest des Dorfheiligen. Dieses Fest ist ein populärer Feiertag geworden – weder behindert die Partei, noch erleichtert sie andere religiösere Bräuche. Die Partei befolgt eine Politik, die Lenin die Freiheit der Religion im breitesten Sinne nannte – sie respektiert das Recht des Volkes auf ihren religiösen Glauben, während sie sich zur selben Zeit das Recht auf den Kampf vorbehält, das Volk in dialektischem Materialismus zu unterrichten.

Scheidung wird sofort auf Verlangen einer der beiden Personen gewährt, ohne Bedingungen. Dieser Kommissar muss das Paar dazu bringen eine Einigung bezüglich der Kinder zu erlangen. Im Allgemeinen versucht der Kommissar für öffentliche Angelegenheiten Familienstreitereien zwischen einem Paar oder zwischen Eltern und Kindern durch einen Prozess von Kritik und Selbstkritik beizulegen. Wenn es passiert, dass eine Frau aufbrechen möchte, um der Volksguerillaarmee beizutreten und ihre Eltern oder ihr Ehemann dagegen sind, kann sie trotzdem gehen. Der Ehemann hat den Vorrang die Kinder zu bekommen, wenn er Willens ist; andernfalls findet das Volkskomitee eine andere Lösung.

Es gibt auch einen Kommissar, der dafür verantwortlich ist Treffen der von der Partei geführten Massenorganisationen zusammenzurufen und zu planen.

Dies ist wie ein offenes Volkskomitee funktioniert. Sie haben verschiedene Formen angenommen, entsprechend der relativen Stärke der Revolution und Konterrevolution in einem gegebenen Gebiet oder zu einer gegebenen Zeit und der Fluidität des Volkskrieges, ausweitend, zusammenziehend, auftauchend und dann vielleicht wieder verschwindend, nur um dort oder woanders wieder aufzutauchen. So waren seine Mitglieder bis 1989 immer geheim (nur der Repräsentativen Versammlung bekannt). Versuche diese Komitees zu Beginn des Volkskrieges öffentlich operierend zu behalten schlugen fehl, da die Kommissare zu oft ermordet wurden. Wenn die Reaktion ein Gebiet zurückerobert hat, kann das Komitee in der Lage sein eine parallele Herrschaft zur alten Herrschaft auszuüben. Ein zerstörtes Komitee muss vielleicht reorganisiert werden. In einem neuen Gebiet wird ein Organisationskomitee danach streben die Bedingungen, unter denen die Entstehung eines vollständig gewählten Komitees möglich ist, zu schaffen. Natürlich ist die Funktionalität eines klandestinen Komitees etwas erschwert, besonders durch die Tatsache, dass die Kommissare nicht öffentlich bekannt sein können, sondern durch Delegierte arbeiten müssen. In jedem Fall macht die Partei es sehr klar, dass sie für die politische Macht für das Proletariat und das Volk da sind und nicht für persönliche Macht; jeder Kommissar der persönliche Macht ausübt kann einem Volksgericht ausgesetzt, entfernt oder auf andere Weise diszipliniert werden. Mit der Entstehung der ersten offenen Stützpunktgebiete kann dieser Prozess freier und vollständiger durchgeführt werden.“61

Der Aufbau der neuen Macht ist der Kern des Volkskrieges. Im Widerspruch Zerstörung des Alten – Aufbau des Neuen, was wesentlich für den revolutionären Krieg im allgemeinen ist, ist der Aufbau das Hauptsächliche.

Schlussfolgerungen: Die demokratische Revolution und unsere Aufgaben

Die Richtigkeit dessen zeigt sich auch in der Welt von heute. Wenn wir beispielsweise all die Länder, in denen das arabische Volk kämpft, betrachten, dann sehen wir Widerstand, Kampf und Krieg. Überall drängt das Volk zur Revolution, zur demokratischen Revolution und es zeigt sich die dringende Notwendigkeit der Lösung der nationalen Frage. Trotz der Entwicklung des bürokratischen Kapitalismus, können die Imperialisten nicht für Ruhe sorgen. Im Gegenteil. Was sich zeigt, ist die Krise des bürokratischen Kapitalismus in diesen Ländern. All das worüber gesprochen wird: Korruption, Unfähigkeit die Wirtschaft zu entwickeln (was in den imperialistischen Ländern durch die dortige Presse mit allerlei chauvinistischen Vorurteilen verbreitet wird), ist die Krise des bürokratischen Kapitalismus und der Staaten der Diktatur der Bürokratkapitalisten und Großgrundbesitzer. Es sind alte marode Staaten, die nur in Verbindung mit dem Imperialismus aufrecht erhalten werden können.

Betrachten wir die Länder von Marokko bis Pakistan, sehen wir Widerstands- und Bürgerkriege als Folge imperialistischer Aggression, aber überall vor allem die dringende Notwendigkeit der Durchführung der demokratischen Revolution unter der Führung des Proletariats. Dazu kommt der durch die KPI (maoistisch) geführte Volkskrieg in Indien. Die Situation in Lateinamerika ist ähnlich: Bürokratkapitalistische Staaten in der Krise (ganz aktuell besonders in der bekannteren Situation in Brasilien zu sehen) und kämpfende und widerstehende Völker. So spannt sich um den gesamten Globus der Drang nach und die Notwendigkeit der demokratischen Revolution. Das ist keine Frage längerer Perspektiven, sondern heute fließt das Blut in Strömen und es wird immer mehr, bis diese Aufgaben durchgeführt wurden. Die Revolution steht auf der Tagesordnung.

Wir unterstreichen die Notwendigkeit der demokratischen Revolution in den unterdrückten Nationen, insbesondere als Revolutionäre in den imperialistischen Ländern. Der Hauptwiderspruch auf Weltebene ist der zwischen den unterdrückten Nationen und den imperialistischen Supermächten und Mächten. Der Kern ist der Widerspruch mit den imperialistischen Supermächten, aber er ergibt sich auch mit den imperialistischen Mächten. Das ist der Hauptwiderspruch. Seine Lösung ist die Entwicklung und der Sieg der neudemokratischen Revolution. Das bedeutet für die BRD, dass die Rolle hier nicht die tragende, die hauptsächliche sein kann, sondern dass sich der Kampf in dieser Periode als Komplement zur Hauptkraft entwickeln muss. Von vielen der Revisionisten kommt in diesem Zusammenhang die Schlussfolgerung, dass es in den imperialistischen Ländern die Aufgabe sei, Kräfte zu sammeln und Unterstützungsarbeit zu leisten, Propaganda zu machen, bis die Kommunistischen Parteien in den unterdrückten Nationen die demokratische Revolution zum Sieg führen und am Ende dieses Prozesses stehe eine „Endschlacht“ in den imperialistischen Ländern. Wir lehnen diese Haltung ab und weisen sie entschieden zurück.

Auch die Haltung, die demokratische Revolution zu verneinen, ist falsch. Sie bedeutet das Recht der unterdrückten Völker und Nationen auf ihre Befreiung vom imperialistischen Joch zu verneinen. Entsprechend ist eine solche Haltung eine chauvinistische Haltung. Unsere erste Pflicht als proletarische Internationalisten in einem imperialistischen Land ist der Kampf gegen den Imperialismus. Teil einer Klasse, dem internationalen Proletariat, zu sein und den Schulterschluss mit den kämpfenden unterdrückten Massen in der dritten Welt zu vollziehen, ist eine Sache die unseren gesamten Charakter definiert. Darum ist dies für die Entwicklung unserer eigenen Tätigkeit eine entscheidende, unmittelbare Frage.


1„Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung, die sich mit keinerlei Aberglauben, keinerlei Reaktion, keinerlei Verteidigung bürgerlicher Knechtung vereinbaren läßt.“

2Vlg. „Der falsche Frieden Obamas, Castros, Santos und der FARC“, in Klassenstandpunkt #11

3Karl Marx, Friedrich Engels: „Manifest der Kommunistischen Partei“

4Ebenda

5Ebenda

6Ebenda

7Ebenda

8Friedrich Engels: Vorwort zum Manifest zur polnischen Ausgabe von 1892

9Karl Marx, „Der achtzehnte Brumaire des Napoleon Bonaparte“

10Mao Tsetung, „Untersuchungsbericht über die Bauernbewegung in Hunan“, Ausgewählte Werke Band I

11KPP, „Massenlinie“

12Lenin: „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“; unsere Unterstreichung

13Ebenda

14Ebenda

15Ebenda

16Ebenda

17Ebenda

18Mao Tse-tung, „Rede auf einer Kaderkonferenz im befreiten Gebiet Schansi-Suiyüan“

19Mao Tse-tung, „Dem neuen Aufschwung der chinesischen Revolution entgegen“

20Mao Tsetung: „Die gegenwärtige Lage und unsere Aufgaben“

21 „…eine Akkumulation, welche nicht das Resultat der kapitalistischen Produktionsweise ist, sondern ihr Ausgangspunkt“ – Karl Marx, „Das Kapital“, Band 1 24. Kapitel

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23typras.com.tr / Our Affiliates

24BBC Türkei – TÜPRAŞ Shell-Koç ortaklığının

25Trucksplanet – MAN A.Ş.

26GIZ – Mehr Arbeit und Einkommen im Norden Afghanistans

27GIZ – Fonds zur Stärkung von ländlichen Lebensgrundlagen

28GIZ – Nachhaltige kleinbäuerliche Kakao- und Nahrungswirtschaft in West- und Zentralafrika

29 KPP: „Demokratische Linie“

30Ebenda

31Ebenda

32Deutschlandfunk, 14.02.2013: Heiratsverbot und Sklavenarbeit in Indien

33BPB, 04.12.2015: Moderne Sklavereien

34TAZ, 09.06.2001: Die neue Sklaverei

35„Land Policy Formulation and Implementation in North Africa“, Lokman Zaibet und Ahmed El-Kholei für die Kommission der Afrikanischen Union, die Afrikanische Entwicklungsbank und die Ökonomische Kommission für Afrika der Vereinten Nationen, April 2009

36Ebenda

37Lateinamerika Nachrichten, Mai 2003: Die Hürden der Landlosen Brasiliens

38Mao Tse-tung: „Über die Praxis“

39KPP: „Demokratische Linie“

40Ebenda

41Ebenda

42Ebenda

43Ebenda

44Ebenda

45Ebenda

46Ebenda

47Die Aufgabe der Kommunistischen Partei Chinas in der Periode des Widerstandskampfes gegen die Japanische Aggression

48Ebenda

49Ebenda

50Ebenda

51Ebenda

52Ebenda

53KPP: „Demokratische Linie“

54Zur Frage der Handhabung der nationalen Bourgeoisie in der sozialistischen Revolution – nach dem Sieg der demokratischen Revolution, d.h. der Machtergreifung im ganzen Land, die unmittelbar in die sozialistischen Revolution übergeht – siehe den Artikel über die proletarische Kulturrevolution in der vorliegenden Ausgabe

55Mao Tse-tung, „Zur Frage der nationalen Bourgeoisie und der aufgeklärten Schenschi“

56Lenin: „Der „linke“ Radikalismus, die Kinderkrankheit im Kommunismus“

57Mao Tse-tung, „Notizen nach der Lektüre des Lehrbuchs ‹Politische Ökonomie›“, zitiert aus der Übersetzung des Instituts für Asienkunde, Hamburg, veröffentlicht in „Wir machen das anders als Moskau!“, 1975

58KPP: „Demokratische Linie“

59Ebenda

60 KPP: „Militärlinie“

61„Our Red Flag is flying in Peru“; unsere Übersetzung

 


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