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Klassenstandpunkt #5

Posted: April 1st, 2015 | Author: | Filed under: Klassenstandpunkt | Kommentare deaktiviert für Klassenstandpunkt #5

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THEORIE

Zirkelwesen oder Kampfpartei

Wir wollen mit diesem Artikel die professionelle revolutionäre Organisation, die Kommunistische Partei, in Abgrenzung zur Handwerkelei der Zirkel betrachten. Zunächst einmal wollen wir unsere Ansichten über die Partei und ihren Charakter darlegen, um uns anschließend dem Problem der Zirkel, ihres Wesens und ihrer Mentalität, auseinandersetzen.

Das Proletariat besitzt keine andere Waffe im Kampf um die Macht als die Organisation.“ – Lenin

Will man die Revolution, dann muß man eine revolutionäre Partei haben.“ – Mao Tse-tung

Das sind die Prinzipien von denen wir ausgehen.

„Mit dem Erscheinen des Marxismus, in der Mitte des 19. Jahrhunderts tritt die Arbeiterklasse als die neue und letzte Klasse in der Geschichte auf. Mit dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ errichtet das Proletariat das Programm, welches die Menschheit in eine neue Welt führt, zur kommunistischen Gesellschaft, zur Gesellschaft ohne Klassen. Dieses ist das Programm und der Weg, welchem die gesamte Menschheit notwendigerweise, unter der Führung des Proletariats, konkretisiert durch seine Partei, folgen wird. Es gibt keinen anderen Weg für die Klassen, es gibt keinen anderen Weg für die Menschheit.

Die Weltgeschichte zeigt mit aller Klarheit, dass es so ist und die Oktoberrevolution, die Chinesische Revolution so wie andere und die wachsende nationale Befreiungsbewegung bestätigen, dass sie alle Teil dieses unaufhaltsamen Wegs, des bestehenden Marschs der internationalen Arbeiterklasse mit seinen revolutionären Parteien, sind.

[…] außerdem, und manchmal wird das nicht genug hervorgehoben, verwirklichten Marx und Engels ihre Thesen von der Notwendigkeit des Aufbaus der Partei der Arbeiterklasse als ein unverzichtbares Werkzeug im Kampf für ihre Klasseninteressen. Auf diese Art, in der Mitte eines harten Kampfes gegen die alten anarchistischen Anschauungen von tiefer bürgerlicher Essenz, erreichten sie in den Statuten der Internationalen 1864 und 1872 festzustellen:

„In seinem Kampf gegen die kollektive Macht der besitzenden Klassen kann das Proletariat nur dann als Klasse handeln, wenn es sich selbst als besondere politische Partei im Gegensatz zu den allen alten, von den besitzenden Klassen gebildeten Parteien konstituiert. Diese Konstituierung des Proletariats als politische Partei ist unerläßlich, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres höchsten Zieles, die Aufhebung der Klassen, zu sichern.““ KPP: Über den Aufbau der Partei

Wir brauchen also nicht nur etwas Anderes, sondern etwas Gegensätzliches zur bürgerlichen Organisation, eine Partei, die in allen ihren Wesenszügen die ganze Verkommenheit der alten Gesellschaft verachtet, bekämpft und vernichtet. Die Kommunistische Partei ist die erste notwendige Voraussetzung für den Kampf um die Befreiung der Menschheit, für den Kommunismus. Darum steht der Kampf für die Rekonstitution der Kommunistischen Partei, in der Situation in der sich die Revolutionäre in Deutschland befinden, d.h. dass es keine solche Partei gibt, an erster Stelle. Das ist die vordringlichste Aufgabe unserer Klasse. In der Hauptsache müssen alle Kräfte der Erfüllung dieser Aufgabe dienen. Das muss im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Jedoch nicht losgelöst von der materiellen Realität, sondern entsprechend dem marxistischen Aufbauprinzip: Aufbau von Organisationen auf unserer ideologischpolitischen Grundlage inmitten des Klassen- und Zwei-Linien-Kampfes.

Ohne eine revolutionäre Partei, die gemäß der revolutionären Theorie und dem revolutionären Stil des Marxismus-Leninismus aufgebaut ist, ist es unmöglich, die Arbeiterklasse und die breiten Volksmassen zum Sieg über den Imperialismus und seine Lakaien zu führen.“ – Mao Tse-Tung

Das bedeutet selbstverständlich, dass all diejenigen, die sich gegen den Prozess der Rekonstitution der Kommunistischen Partei in unserem Land stellen, objektiv dem Imperialismus, hauptsächlich dem deutschen Imperialismus, und seinen Lakaien dienen. Sie stellen sich objektiv gegen die Interessen der Arbeiterklasse und der breiten Volksmassen, sowohl hier im Land, als auch in den Ländern der dritten Welt und in den anderen imperialistischen Ländern. Aber wir können und wollen diese Menschen nicht alle in einen Topf werfen, denn es gibt unter ihnen auch solche, die voller Überzeugung und mit großer Tatkraft konkret, auf der gleichen Seite der Barrikaden mit uns, gegen den deutschen Imperialismus kämpfen, die in Situationen der Bedrängnis unsere Fahne gegen die Reaktion verteidigen, die sich ehrlich der Revolution hingeben. In der Hauptsache ist dieser Umstand der über 60 Jahre andauernden Dominanz des Revisionismus und der allgemeinen ideologisch-politischen Unterentwicklung der revolutionären Bewegung in unserem Land, d.h. unserer Schwäche, geschuldet. Wir kämpfen darum diese Freunde zu überzeugen ihre Fehler zu korrigieren, den organisationsinternen Kampf zu fördern und mit uns den richtigen Weg zu gehen. Aber bei denjenigen, die „Bescheid wissen“, die sich damit einverstanden erklären und sich trotzdem so benehmen, da hilft nur der eiserne Besen, außerhalb und innerhalb unserer eigenen Reihen.

… das Proletariat [wird] unbedingt nur dadurch eine unbesiegbare Kraft werden, daß seine ideologische Vereinigung auf Grund der Prinzipien des Marxismus gefestigt wird durch die materielle Einheit der Organisation, die Millionen Werktätiger zur Armee der Arbeiterklasse zusammenschweißt.“ Lenin: Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück (Die Krise in unserer Partei)

Die revolutionäre Organisation muss anhand fester marxistischer Grundprinzipien entwickelt werden und sie muss diesen Prozess selbst führen. Ihre Politik kann darum nicht „Freundschaft“, sondern muss die Interessen des Proletariats, unserer Klasse, als Grundlage haben. Die Interessen des Proletariats als letzte Klasse der Geschichte stimmen mit den Menschheitsinteressen überein und sind Ausdruck der Vorwärtsbewegung der Materie. Die Interessen des Proletariats werden durch die Kommunistische Partei materialisiert. Die Kommunistische Partei besteht wiederum aus den Militanten. Werkzeug der Notwendigkeit zu sein, bedeutet Teil der Vorwärtsbewegung der Materie zu sein, d.h. die Interessen des Proletariats zu seinen eigenen zu machen, bedeutet völlige Hingabe für die Partei und die Unterwerfung unter diejenigen, die die Partei, das Proletariat, sind. Das hat mit Freundschaft im Sinne eines organisatorischen Prinzip nicht nur nichts zu tun, sondern ist das genaue Gegenteil. Es ist nicht besonders schwierig sich mit Leuten, die man mag und kennt auf Basis von Freundschaft zu vereinigen. Freundschaft ist etwas Gutes und ein freundschaftlicher Umgang unter Genossen erzeugt ein angenehmes Arbeitsklima, ist hilfreich und wünschenswert. Als organisatorisches Prinzip bedeutet es jedoch unseren „Freund“, der Fehler begeht, nicht zu kritisieren. Es erhebt die Versöhnung an Stelle des Kampfes zum Prinzip. Aber „jeder Fehler läuft den Volksinteressen zuwider“ (Mao Tse-tung). Darüber hinaus verhindert fehlende Kritik die Entwicklung der Genossen, die man nicht kritisiert. „Erziehung der Kader auf Grundlage ihrer Fehler“ (Stalin) ist ein marxistisches Prinzip, welches nicht bedeutet vorhandene Fähigkeiten und Talente (von den Massen gegeben) nicht auszunutzen. Darüber hinaus bedeutet „Freundschaft“ als organisatorisches Prinzip, dass nicht die Besten der Besten, sondern die Angenehmsten, diejenigen, die am wenigsten anecken, die am wenigsten Härte gegen sich selbst und andere an den Tag legen, die „Freunde“ und damit die Rückschrittlichen Führung werden.

Es ist eine politische Frage, wie man mit der Einheit umgeht. Es ist eine Frage des Klassenkampfes und nicht einer Keilerei zwischen Sekten oder Cliquen. „… einheitliche Auffassungen, eine einheitliche Politik, einheitliche Pläne, ein einheitliches Kommando und einheitliche Aktionen“ (Mao Tse-tung) – erreicht durch die Konzentration der richtigen Meinungen und durch Demokratie. So verstehen wir Zentralismus und Einheitlichkeit. Stalin sagt uns, dass „Genosse Lenin uns befohlen hat die Einheit unserer Partei wie unseren Augapfel zu hüten.“ Das ist der Marxismus in dieser Frage.

Der Zwei-Linien-Kampf ist das „Leben der Partei“, ist die Triebfeder der Weiterentwicklung. Die Bourgeoisie lehrt uns, uns nicht gegenseitig zu kritisieren. Aber unsere Ideen sind Resultate des Klassenkampfes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft in der wir leben, in der wir uns formieren, sie sind nicht pur oder rein. Sie sind nicht 100 % Rot und sie können es nicht sein, bis zum Kommunismus. D.h. wir müssen für das Rote und gegen das Schwarze kämpfen, in der Gesellschaft, in der Organisation, in uns. Die Bourgeoisie will uns weismachen, so wie wir sind, das sei „menschliche Natur“ und unsere „Persönlichkeit“. Das zu ändern sei erstens ein Ding der Unmöglichkeit und zweitens „Gehirnwäsche“. Wenn wir solche reaktionären Anschauungen überwinden und uns stattdessen als Teil einer Klasse begreifen, dann sind wir in der Lage, die Wirklichkeit zu verändern. Darum ist das Lernen der Äußerung von Kritik das Wesentliche.

Auch wenn es Probleme mit der Annahme von Kritik gibt, ist die Versöhnung untereinander, die fehlende Kritik das hauptsächliche Problem. Wir brauchen diese Aufrichtigkeit! Wir brauchen und wir wollen den Kampf oder wie Marx es ausdrückte: „Glück ist Kampf.“ Das ist ein weiteres marxistisches Prinzip, das, wie wir sehen, immer wieder bestätigt wurde:

Worauf auch der Kommunist stößt, er muß stets fragen: „Warum?“ Er muß es allseitig und selbständig durchdenken; er muß überlegen, ob es der Realität entspricht und wirklich wohlbegründet ist; man darf in keinem Fall blindlings mitlaufen und sklavischen Gehorsam fördern.“ Mao Tse-Tung: Den Arbeitsstil der Partei ausrichten!

Leute, die tatsächlich davon überzeugt sind, daß sie die Wissenschaft vorwärtsgebracht haben, würden nicht Freiheit für die neuen Auffassungen neben den alten fordern, sondern eine Ersetzung der alten durch die neuen.“ Lenin: Was tun?

Ich bin Revolutionär. Aber ich denke, dass es unter klar denkenden Menschen mit definierten Positionen einfach ist, sich zu schätzen und ein Verständnis zu erzielen, auch bei Zusammenstößen. Vor allem beim Kampf gegen einander. Der politische Bereich, mit dem ich niemals ein Verständnis erreichen werde, ist eine andere Sache: Der mittelmäßige Reformismus des domestizierten Sozialismus oder mit der Demokratie der Pharisäer“ Mariátegui, zit. nach KPP: „Let us retake Mariategui and reconstitute his party“

Gegen die Strömung ankämpfen ist ein Prinzip des Marxismus- Leninismus. […] Wo es sich um die Linie, um die Gesamtlage handelt, muß ein wahrer Kommunist, frei von jeglichen eigennützigen Überlegungen, den Mut haben, gegen die Strömung anzukämpfen, auch wenn das für ihn Amtsenthebung, Ausschluß aus der Partei, Kerkerhaft, Ehescheidung bedeuten oder ihn den Kopf kosten könnte.“ Mao Tse-tung

Neue Wahrheiten kommen immer von einer Minderheit. Es wird immer eine Gruppe und innerhalb dieser eine Person geben, die fortgeschrittener ist, als alle anderen. Diese wird die Prinzipien des Marxismus auf neue Probleme anwenden. Die dafür notwendige Flexibilität bedeutet mitnichten, dass die Prinzipien verworfen werden. Je kleiner die Einheit ist, je weniger Personen sie umfasst, desto mehr wechselt das was rechts ist und das was links ist (die vertretenen Positionen). Wer gestern die Linke war kann morgen die Rechte sein und andersherum. Diese Fragen auszufechten, dafür muss man Rückgrat haben. Aber womit sehen wir uns in den Zirkeln häufig konfrontiert? Opportunismus. Und dagegen müssen wir einen entschiedenen Kampf führen.

Wenn man vom Kampf gegen den Opportunismus spricht, so darf man nie den charakteristischen Zug des ganzen heutigen Opportunismus auf ausnahmslos allen Gebieten vergessen: seine Unbestimmtheit, Verschwommenheit und Ungreifbarkeit. Seiner ganzen Natur nach geht der Opportunist stets einer eindeutigen und unwiderruflichen Fragestellung aus dem Wege; er sucht eine Resultante, schlängelt sich zwischen Standpunkten hindurch, die einander ausschließen, bemüht sich, mit dem einen wie mit dem anderen „einverstanden zu sein“, beschränkt seine Meinungsverschiedenheiten auf kleine Abänderungsvorschläge, auf Zweifel, auf fromme unschuldige Wünsche usw. usf.“ Lenin: Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück (Die Krise in unserer Partei)

Ein weiteres Merkmal des Opportunismus ist es strategische Ziele für kurzfristige Erfolge zu opfern, Quantität über Qualität zu stellen. Zirkel in Deutschland streben in der Regel danach möglichst Viele zu sein, anstatt den organisationsinternen Kampf zu entwickeln und die Genossen voranzubringen, sich unter Aufgabe der Prinzipien und nicht auf ihrer Grundlage mit „allen“ zu vereinen, Strohfeuer statt Steppenbrände. Darum knicken auch so viele im opportunistischen Wind aus Kobane um, anstatt sich dem Söldnerheer der Yankee-Imperialisten in Syrien und im Irak konsequent entgegen zu stellen. Sie folgen dem „Geist vom Eşme“ (Öcalan in seiner Newroz-Rede 2015). Freilich müssen wir uns mit allen vereinen, aber auf Grundlage der Prinzipien. Wir müssen untrennbar mit den breiten Volksmassen verschmelzen, müssen konsequentester Vertreter ihrer Interessen sein, allerdings im Sinne der objektiven Notwendigkeiten und nicht im Sinne einer Nachtrabpolitik hinter den regressiven Elementen der Massen. Die Revolutionäre in Deutschland müssen sich zu Führern, zur Vorhut und nicht zur Nachhut entwickeln und sie müssen diesen Selbstanspruch auch mit Selbstbewusstsein vertreten, so wie Lenin es formuliert:

Wir schreiten als eng geschlossenes Häuflein, uns fest an den Händen haltend, auf steilem und mühevollem Wege dahin. Wir sind von allen Seiten von Feinden umgeben und müssen fast stets unter ihrem Feuer marschieren. Wir haben uns, nach frei gefaßtem Beschluß, eben zu dem Zweck zusammengetan, um gegen die Feinde zu kämpfen und nicht in den benachbarten Sumpf zu geraten, dessen Bewohner uns von Anfang an dafür schalten, daß wir uns zu einer besonderen Gruppe vereinigt und den Weg des Kampfes und nicht den der Versöhnung gewählt haben. Und nun beginnen einige von uns zu rufen: Gehen wir in diesen Sumpf! Will man ihnen ins Gewissen reden, so erwidern sie: Was seid ihr doch für rückständige Leute! und ihr schämt euch nicht, uns das freie Recht abzusprechen, euch auf einen besseren Weg zu rufen! – O ja, meine Herren, ihr habt die Freiheit, nicht nur zu rufen, sondern auch zu gehen, wohin ihr wollt, selbst in den Sumpf; wir sind sogar der Meinung, daß euer wahrer Platz gerade im Sumpf ist, und wir sind bereit, euch nach Kräften bei eurer Übersiedlung dorthin zu helfen. Aber laßt unsere Hände los, klammert euch nicht an uns und besudelt nicht das große Wort Freiheit, denn wir haben ja ebenfalls die „Freiheit“, zu gehen, wohin wir wollen, die Freiheit, nicht nur gegen den Sumpf zu kämpfen, sondern auch gegen diejenigen, die sich dem Sumpfe zuwenden!“ Lenin: „Was tun?“

Sumpfbewohner und solche, die danach streben es zu werden, haben ihre Besonderheiten. Auch wenn sie proklamieren „auf einen besseren Weg“ zu wollen, so sind sie in der Regel nicht in der Lage sich dafür grade zu machen. Ihre Arbeit läuft zumeist hinter dem Rücken der Organisation. „… hinter ihrem Rücken verantwortungslos kritisieren, statt sich mit positiven Vorschlägen an die Organisation zu wenden; jemandem seine Meinung nicht offen ins Gesicht sagen, sondern hinter seinem Rücken klatschen oder statt in der Versammlung das Wort zu ergreifen, dafür hinterher schwatzen …“, wie es der Vorsitzende Mao Tse-tung in „Gegen den Liberalismus“ beschreibt. Sie sammeln, fassen zusammen und synthetisieren rechte Ideen und Kriterien, sie basieren ihren Fraktionismus auch auf (angeblichen) persönlichen Fehlern und Mängeln der Linken. So stellen sie die Massen gegen die Führung. Ihre Führer sind in der Regel Karrieristen, deren Hauptinteresse darin besteht ihre eigene Haut zu retten, was sie in Opposition zur revolutionären Gewalt und der organisatorischen Disziplin bringt. „Alte Führer“, die „sich für einen verdienstvollen Revolutionär halten und auf ihr Veteranentum pochen; wichtigen Aufgaben nicht gewachsen sind, weniger wichtige aber ablehnen“ (nach Mao Tse-tung: Gegen den Liberalismus), fürchten die Kontrolle über „ihre Leute“, ihre persönliche Macht im Formationsprozess zu verlieren. Die Notwendigkeiten und Anforderungen der Revolution sind ihnen zuwider, was sie unfähig zur Selbstkritik macht und sie zur Kapitulation treibt. Für sie ist Politik Hobby, wie für andere das Fußballspielen. Sie ertragen die Härten und Beschwerlichkeiten, denen aufrechte Revolutionäre ins Gesicht lachen, nicht, ganz zu Schweigen von echten Herausforderungen. Familie und Beruf gehen ihnen über alles („Selbstsucht des Kleinbürgertums, die das persönliche Interesse an die erste und das der Revolution an die zweite Stelle setzt“) und drohen ihnen diesbezüglich Unannehmlichkeiten brechen sie zusammen, weinen über ihre eigene Miserabilität. Doch es gibt einen Aspekt, den sie voller Elan angehen: Sabotage (und allerhand Ausreden dafür). Treffen platzen lassen, Informationen nicht weitergeben, keine Berichte abliefern, Veruntreuung und Bereicherung etc. etc. und das alles nach langer systematischer Planung. Das ist die Antwort auf die Fortschritte, die auf dem Weg die Zirkel zu zerschlagen und im Dienst der Rekonstituierung der Kommunistischen Partei in diesem Land gemacht werden. Das ist die „selbstgefällige[n] Verherrlichung des rückständigen Zirkelwesens“ (Lenin). Das ist der Angriff des Revisionismus. Man muss Spaltungen „akzeptieren“. Das ist „die marxistische dialektische Auffassung „Eins teilt sich in zwei““. Aber man muss auch dagegen kämpfen, denn Spaltung ist noch mehr als ein Rollback des Zirkelwesens, ist mehr als ein „jetzt-noch-nicht-soweit-sein“. Es ist die Tarnung der Kapitulation und sie zielt auf die Liquidation der revolutionären Arbeit. Es ist der Kampf dagegen, „daß es notwendig ist, sich durch jahrelange Arbeit zu einem Berufsrevolutionär auszubilden“ (Lenin).

In einem Land, wie Deutschland es ist, haben wir es außerdem mit einem imperialistischen Chauvinismus zu tun, der die Erfahrungen des internationalen Proletariats und die Entwicklung des Marxismus, die in anderen Ländern stattgefunden hat, ablehnt. Dies findet häufig Ausdruck in Formulierungen wie „Was geht uns das an?“ oder „Das ist nicht auf die Situation hier anwendbar.“ Es geschieht aber auch subtiler, unter Ausnutzung der Widersprüche innerhalb der Internationalen Kommunistischen Bewegung, in dem nach dem Motto „die kämpfen doch alle“ die Rechte gegen die Linke gestellt wird und ein vorgeblicher proletarischer Internationalismus in sein wahres Gegenteil verkehrt wird. So zementieren Zirkel ihre Abgeschlossenheit gegenüber einem Einfluss von außen. Besonders hier im Land ist das ein enormes Problem, müssen wir doch eine jahrzehntelange Dominanz des Revisionismus konstatieren und feststellen, dass der Marxismus Deutschland „verlassen“ und in anderen Ländern, insbesondere der dritten Welt, nicht nur Fuss gefasst hat, sondern dort seine größte Lebendigkeit zeigt. Auch in diesem Sinne müssen wir Lenin verstehen: „Ihr aber zieht den Schluß, die Arbeiterbewegung dürfe keinen Antrieb von außen erhalten! […] Dieser „Antrieb von außen“ war für unsere Bewegung nicht zu stark, sondern, im Gegenteil, zu schwach, heillos und sträflich schwach, denn wir schmorten nur zu sehr im eigenen Saft […] Mit diesem „Antrieb“ müssen wir Berufsrevolutionäre uns in hundertmal stärkerem Maße beschäftigen und werden dies auch tun. Aber eben weil ihr ein so niederträchtiges Wort wie „Antrieb von außen“ wählt, das unbedingt im Arbeiter (wenigstens im Arbeiter, der ebenso unentwickelt ist, wie ihr es seid) Mißtrauen gegen alle weckt, die ihm politisches Wissen und revolutionäre Erfahrung von außen bringen, das instinktiv bei ihm den Wunsch hervorruft, allen solchen Leuten die Tür zu weisen – eben darum seid ihr Demagogen, die Demagogen aber sind die ärgsten Feinde der Arbeiterklasse.“

Letztlich ist es für jeden und immer wieder erneut die Frage: Bist du dafür oder dagegen? Dann muss man auch mit den Konsequenzen leben. Wer sich gegen den Lauf der Geschichte stellt wird von ihr überrollt, auch wenn es heute durch die ungleichmäßige Entwicklung der revolutionären Situation leichter erscheinen mag sich so zu entscheiden. Wir sind da ganz bei José Carlos Mariátegui: „Wenn die Revolution Gewalt, Autorität und Disziplin verlangt, dann bin ich für Gewalt, Autorität und Disziplin. Ich akzeptiere sie mit all ihren Schrecken ohne feige Vorbehalte.“ So einfach ist das.

 


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